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Aktion an Schwaneweder Waldschule
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Wenn Jugendliche wählen könnten...

Marie-Chantal Tajdel 23.09.2017 0 Kommentare

In einigen Bundesländern - auch in Bremen - gilt das Wahlrecht bereits ab 16.
In einigen Bundesländern - auch in Bremen - gilt das Wahlrecht bereits ab 16. (dpa)

Die Haare umgeben den Kopf in dichten Locken und wirken fast wie ein Siegerkranz. Lächelnd blickt der Kandidat Hubert Solala auf die Schüler hinab. Auch ein Wahlslogan fehlt nicht: Kompetenz und Swag – für Sie ins Kanzleramt. „Das Plakat ist nach dem Kanzler-Duell entstanden“, erzählen Fynn Soltau, Emilia De Rosa, Ben Erkens und Sarah Bellmann, die in die Klasse 10 G 1 der Waldschule Kooperative Gesamtschule Schwanewede gehen. Im Politikunterricht haben die Zehntklässler darüber gesprochen, welcher Kandidat das Duell gewonnen habe. Wirklich entscheiden konnten sie sich nicht und haben dann mit einem Schmunzeln einen weiteren Kandidat ins Leben gerufen: Herrn Solala. Und der habe eben Swag. Das Wort entstammt der Jugendsprache und steht für „lässig coole Ausstrahlung“. Mittlerweile haben sie in der Waldschule in Schwanewede überall Poster des Kandidaten aufgehängt: in der Pausenhalle, in den Fluren und an den Klassenräumen. Und sie haben sogar eine Facebook-Seite für ihren Kandidaten erstellt.

Die Solala-Aktion der Schüler aus Schwanewede ist zwar mit einem Schmunzeln entstanden, aber sie beweist, dass Politik durchaus in ihrem Alltag Platz findet. Das bestätigt auch die jüngste Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2015. Laut der Studie zeigen immer mehr Jugendliche ein politisches Interesse. Im Vergleich zu nur 30 Prozent im Jahr 2002 bezeichnen sich 2015 rund 41 Prozent der Jugendlichen als „politisch interessiert“. Mit dem politischen Interesse ist die Bereitschaft zur Beteiligung an politischen Aktivitäten verbunden. Die etablierten Parteien profitieren davon jedoch nicht, denn die Politikverdrossenheit bleibe laut Studie weiter hoch. 

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Hubert Solala - ein fiktiver Politiker, den Schüler der Schwaneweder Waldschule entwarfen. (fr)

Wählen gehen? Viele Jugendliche trauen sich das nicht zu

Jugendliche sind also mitnichten so gleichgültig, wie Kritiker gerne behaupten. Aber wie finden sie es eigentlich, wenn sie bereits ab 16 Jahren wählen gehen dürften? „Ich würde nicht wählen gehen“, sagt Sarah Bellmann. „Ich habe mich noch nicht so sehr mit den Wahlen und den einzelnen Parteien auseinandergesetzt.“ Für sie sei es zu früh. Ganz ähnlich sieht das der 16-jährige Ben Erkens. „Ich habe mit anderen Dingen zu tun“, sagt er und fügt hinzu, dass er sich zwar für Politik interessiere, aber eben vor allem für die politischen Auswüchse von Donald Trump. „Und außerdem bin ich unsicher, ob ich wählen gehen würde, denn ich weiß nicht so viel über die einzelnen Parteien und die Unterschiede.“

Fynn Soltau ist dagegen ganz sicher, dass er wählen gehen würde: „Ich fände es gut, wenn ich die Option hätte“, sagt er. Der 15-Jährige glaubt zwar, dass junge Wähler auf die ein oder andere Weise unbedarfter sind als Alt-Wähler, aber dass die jungen Stimmen dem politischen Alltag durchaus gut tun würden – auch in Form von neuen, jungen Kandidaten. Emilia De Rosa findet es sogar schade, dass sie noch nicht wählen gehen darf. „Ich finde, wählen zu gehen, ist ein Recht und keine Pflicht“, sagt die 15-Jährige. In acht Bundesländern – darunter auch Bremen – dürfen 16-Jährige sich mittlerweile an Kommunalwahlen beteiligen. Laut der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg lag die Wahlbeteiligung der 16- und 17-Jährigen aber meistens etwas unterhalb der Wahlbeteiligung in der gesamten Wählerschaft, allerdings häufig höher als bei den Erstwählern, die bereits volljährig sind. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie der Universität Hohenheim. Diese konzentrierte sich auf die Landtagswahl in Bremen 2011 und die Nationalratswahl in Österreich 2008. Auch bei diesen Wahlen zeigte sich, dass die Wahlbeteiligung der 16- und 17-Jährigen unter dem Durchschnitt aller Wähler lag, aber über der Wahlbeteiligung der 20- bis 30-Jährigen. 

Forscher: Wählen gehen steckt an

Zudem fanden die Polit-Forscher heraus: Wählen steckt an. Studien zur Juniorwahl zeigen, dass die Wahlbeteiligung der Eltern steigt, wenn die Kinder an einer solchen Aktion teilnehmen. Durchschnittlich steigt die Wahlbeteiligung der Eltern um vier Prozent, teilweise sogar bis neun Prozent – und das vor allem in sozial schwachen Familien.

Um Schülern ab der siebten Klasse Wahlen schmackhaft zu machen, finden seit 1999 regelmäßig die Juniorwahlen an Schulen statt. In
Bremen nehmen im Vorfeld der Bundestagswahl 71 Schulen teil, in Niedersachsen 484 Schulen. Sprecherin Jennifer Wendt betont, dass Jugendliche mit der Juniorwahl Demokratie üben. „Wir erreichen junge Erstwähler und nehmen ihnen die Hemmungen, wählen zu gehen“, sagt sie. Parallel zur Bundestagswahl nehmen diesmal eine Millionen Schüler teil. Ein neuer Rekord, sagt Wendt. Die Ergebnisse der Juniorwahlen werden am heutigen Sonntag ab 18 Uhr auf der Internetseite www.juniorwahl.de veröffentlicht. Dabei weichen die Ergebnissen der Jugendlichen meist gar nicht so stark von den echten Wahlen ab, so Wendt. „Erfahrungsgemäß wählen die Jugendlichen zudem weniger extrem“, sagt sie.

Schwaneweder Schüler sind zufrieden mit politischem Kurs

Das bestätigt Fynn. Er sagt, er würde Pro-Merkel wählen, weil er den Kurs, den sie eingeschlagen hat, nicht schlecht findet. Große Themen wie die Homo-Ehe habe sie abgearbeitet. Das finden alle in der Vierer-Runde gut. Weitere „große“ Themen könnten folgen oder sollten in der politische Agenda verankert werden, wie die Legalisierung von Cannabis. Und Europa sei wichtig sowie das Gemeinschaftsgefühl, und es sei wichtig, dass die Grenzen offen bleiben. Politiker sollten sich zudem klar gegen Fake News aussprechen und bei brisanten Themen Stellung beziehen. Und die Integration dürfe nicht auf der Strecke bleiben. Das Internet sollte bundesweit vernünftig ausgebaut werden.

Sarah Bellmann hat noch einen Wunsch, der alle Schüler ganz persönlich betrifft: „Ich wünsche mir mehr Lehrer und mehr Geld für Kindergärten und Schulen“, sagt sie. Erzieher sollten besser bezahlt werden, findet sie. Ansonsten sind die Schwaneweder Schüler aber recht zufrieden mit dem politischen Kurs. „Es ist doch so“, sagt Fynn Soltau. „Uns geht es so gut, dass wir über Politik nicht großartig nachdenken müssen. Und es gibt kein großes Thema, wo ich denke, da müsste jetzt etwas geändert werden. Da brennt nichts“, sagt er.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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