Serie: Die Frühlingsmacher

Weserabwärts zu den Häfen

Beim Arbeiten hat Hugo Limburg genau im Blick, wie sich das Stadtbild zum Ende des Winters hin verändert. „Im Frühling fängt das Leben wieder an“, sagt der 39-jährige Kapitän.
19.03.2016, 00:00
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Von Lisa Urlbauer
Weserabwärts zu den Häfen

Das Ausflugsschiff „Hanseat“ bietet bis zu 400 Gästen Platz. Es gehört zu den größten Schiffen der Hal-över-Flotte.

Hal Över

Beim Arbeiten hat Hugo Limburg genau im Blick, wie sich das Stadtbild zum Ende des Winters hin verändert. „Im Frühling fängt das Leben wieder an“, sagt der 39-jährige Kapitän.

Erste Blumen blühen, die Luft riecht anders. Aber auch die Stimmung der Menschen verändere sich: „Die Leute sind fröhlicher, besuchen Wochenmärkte und sitzen abends lange an der Schlachte. Die Stadt erwacht aus dem Winterschlaf.“ Über 40 Meter lang und neun Meter breit ist Limburgs Arbeitsplatz: die Hanseat. Im Bug des Schiffs sitzt Limburg hinter dem Steuer. Die Wilhelm-Kaisen-Brücke und die Kirche im Blick, startet er das Anlegemanöver am Martinianleger.

Für die Reederei Hal över beginnt nach dem Winter die produktivste Zeit. Schiffe werden repariert und hergerichtet. Wenn es stürmt und schneit, könne man keine Boote reparieren, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Harro Koebnick. „Kräftige Märzsonne hingegen ist gut zum Streichen.“

Reederei Hal över startet in die Saison

Auch Fahrpläne müssen überprüft und angepasst werden. Im Winter bietet die Reederei nur wenige Fahrten an, etwa zu Silvester. Im März startet dann die Saison. „Ostern ist unser Stichtag“, berichtet Koebnick. Hafenrundfahrten werden wieder mehrmals täglich angeboten. Ab Mai folgen die Linienfahrten nach Bremerhaven, Oldenburg, Verden und Worpswede.

„Im Frühling steigt die Nachfrage enorm“, weiß Koebnick. „Im Sonnenschein sind Schifffahrten ja viel schöner.“ Beliebt ist auch die Anfahrt zum Weserstadion per Schiff. Kapitän Limburg mag diese Gäste besonders: „Werder-Fans sind immer so in Jubellaune – auch wenn die Mannschaft verloren hat.“ Gerne unternimmt Limburg auch Rundfahrten für wenige Passagiere – die könne er persönlicher gestalten. „Aber diese Fahrten sind natürlich nur Ausnahmen“, sagt der Kapitän lachend. „Manchmal, wenn ich morgens früh fahre, kommt es vor.“

An Bord der Hanseat

1988 wurde die Hanseat auf der Rolandwerft gebaut. Bis zu 400 Gäste finden auf dem Passagierschiff Platz – es gehört zu den größten Schiffen der Hal-över-Flotte. Weserabwärts fährt die Hanseat zu den stadtbremischen Häfen. Entweder in den Neustädter Hafen oder in den Holzhafen – je nachdem, wo gerade mehr Schiffe angelegt haben.

Der gebürtige Niederländer Limburg ist mit der Seefahrt groß geworden – er wuchs auf einer Werft auf. Als er klein war, sei seine Familie immer ans Meer gefahren, sobald der Winter vorbei war, erinnert er sich. „Immer, wenn das Eis geschmolzen war.“ Für ihn geht das Frühjahr mit einem besonderen Gefühl einher. „Der Frühling ist so einladend, um in positive Stimmung zu kommen“.

Längere Zeit hat in Amsterdam studiert und gelebt. Seit seinem 24. Lebensjahr fährt er zur See. Dass er nun bei Hal över arbeite, sei seinen Kindern zu verdanken. „So kann ich fast jeden Abend zu Hause sein“, sagt er. „Aber ein bisschen Wasser muss schon sein.“ Viele Jahre hat Limburg in Ländern gelebt, in denen es keine ausgeprägten Jahreszeiten gibt. Dabei schätzt er das nordwesteuropäische Wetter. „Herbst und Winter sind wichtig – sonst hätten wir ja keinen Frühling.“

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