Weserfähre

Fahrgastschiff „Pusdorp“ wieder unterwegs

Seit 2013 können Ausflügler mit der „Pusdorp“ zwischen Walle, Gröpelingen und Woltmershausen über die Weser fahren. Seit dem 16. Mai verkehrt die Fähre wieder, zunächst allerdings mit Einschränkungen.
18.05.2020, 09:00
Lesedauer: 3 Min
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Fahrgastschiff „Pusdorp“ wieder unterwegs
Von Anne Gerling
Fahrgastschiff „Pusdorp“ wieder unterwegs

Seit 2013 sorgt die „Pusdorp“ immer im Sommer am Wochenende und an Feiertagen für eine besondere Verbindung zwischen Walle, Gröpelingen und Woltmershausen.

Christina Kuhaupt

Mit den ersten fünf Passagieren an Bord ist pünktlich um 11 Uhr am Sonnabend die Weserfähre „Pusdorp“ vom Pier 2 aus in die Fährsaison gestartet. „Endlich geht’s langsam wieder los“, freute sich beim Ablegen Schiffsführer Andreas Marquardt. Zweiter Mann an Bord war Alejandro Dominguez, dem sein Job ebenfalls sichtlich Freude bereitet: „Das ist hier eine schöne Strecke!“

Bis einschließlich 4. Oktober wird das mittlerweile 66 Jahre alte schwarz-weiße Fahrgastschiff nun wieder samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 19 Uhr über die Weser schippern. Im nunmehr achten Sommer des 2013 auf Drängen der Beiräte in Walle, Gröpelingen und Woltmershausen eingerichteten Fährverkehrs herrschen an Bord besondere Bedingungen: Höchstens 20 Fahrgäste (statt 47), die wie im übrigen öffentlichen Personennahverkehr einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Bezahlt wird kontaktlos.

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Und noch etwas ist anders in diesem Jahr: Vorerst pendelt die „Pusdorp“ im Stundentakt zwischen Pier 2 und Landmark-Tower. Die linke Flussseite kann sie im Mai noch nicht ansteuern, denn beim Lankenauer Höft in Rablinghausen kann derzeit noch nicht angelegt werden. „Es gab dort Probleme mit der Brücke – die kommt noch“, erklärt dazu Harro Koebnick, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Hal över, der gleichzeitig ankündigt: „Sobald die Anlage betriebsbereit ist, nehmen wir das Lankenauer Höft in den Fahrplan auf. Da sind wir flexibel.“ Probleme gab es in diesem Jahr auch beim Zollanleger am Wendebecken in der Überseestadt – auch hier wird derzeit noch nachgebessert. „Als Alternative fahren wir jetzt den Landmark-Tower an“, sagt Koebnick, während die „Pusdorp“ Fahrt aufnimmt und ruhig über das Wasser gleitet.

Immer kleiner wird der Anleger am Pier 2, der dieses Jahr zum Saisonstart eigens mit bunten Tiefseefischen geschmückt worden ist, die Gröpelinger Kinder im mobilen Atelier von Kultur vor Ort gestaltet haben. Am Waller Sand beim Wendebecken ist an diesem Vormittag trotz blauem Himmel noch niemand zu sehen – dafür aber beim Molenturm, an dem mehrere Angler ihr Glück versuchen. Wenig los auf der Weser – perfekt, um die Nase in den Wind zu halten, den Gedanken ihren Lauf zu lassen und einen Schnack mit den anderen Passagieren zu halten.

Mit einem Kaffee an die Weser setzen

Sie könne jedem empfehlen, doch mal vom Landmark-Tower rüber nach Gröpelingen zu fahren, sagt Christiane Gartner, Geschäftsführerin von Kultur vor Ort: „Zum Beispiel, um ein Fladenbrot oder Falafel zu holen oder in der Waterfront zu shoppen. Dort kann man sich auch mit einem Kaffee an die Weser setzen.“ Die Gröpelinger Beiratssprecherin Barbara Wulff (SPD) hat gleich mal eine Zehnerkarte gekauft. Von Gröpelingen aus ist es mit der Fähre tatsächlich nur ein Katzensprung hinüber zum neuen Strandpark Waller Sand. Gut möglich, dass noch andere Gröpelinger auf den Geschmack kommen und die Fährverbindung in diesem Sommer rege nutzen.

Das wäre natürlich sehr im Sinne von Harro Koebnick, der auf möglichst viele Fahrgäste hofft. Ziel ist schließlich, den Fährbetrieb eines Tages ausschließlich über den Ticketverkauf zu finanzieren. Aktuell wird das Projekt vom Wirtschaftsressort bezuschusst, und die drei Beiräte haben wie in den Vorjahren eine Ausfallbürgschaft in Höhe von insgesamt 9000 Euro für den Fall bereitgestellt, dass am Ende der Saison Defizite ausgeglichen werden müssen. Wie viele Fahrgäste kommen, hänge auch stark davon ab, was sich beim Lankenauer Höft tue, sagt Koebnick. Noch aber gibt es keinen Ersatz für das Ende 2016 geschlossene Ausflugslokal. Und auch die temporäre Hafenbar „Golden City“ kehrt diesen Sommer nicht nach Rablinghausen zurück.

Alles soll wieder rund laufen

Woltmershausens Beiratssprecherin Edith Wangenheim (SPD) ist nicht mit an Bord. „Ich bin ein bisschen ärgerlich, weil wir die Zusage hatten, dass der Anleger schon am 24. April fertig sein soll“, erzählt sie am Telefon: „Wir hoffen sehr darauf, dass es Pfingsten losgeht.“ Von Bremenports habe sie eine Zusage für die 22. Kalenderwoche: „Da werde ich gleich Montag nachfragen, ob es dann wirklich klappt. Die Fähre ist uns sehr wichtig. Wir möchten gerne, dass das alles wieder rund läuft, auch mit der Buslinie 24.“ Der Beirat habe eigentlich schon für Himmelfahrt eine Aktion am Anleger geplant, weil beim Lankenauer Höft ja gerade wenig los sei: „Zur Zeit ist es so, dass die Leute dort Picknick machen.“ Momentan werde der Erbbau-Vertrag ausgearbeitet, die Grundlage für einen Neubeginn am Lankenauer Höft. Sie sei guter Hoffnung, dass dabei etwas Gutes herauskomme.

Von den Balkonen an der Überseepromenade winken Anwohner herüber, als die „Pusdorp“ beim Landmark-Tower anlegt. 1,60 Euro hat die etwa 15-minütige Überfahrt gekostet, die sich anfühlt – wie ein erholsamer Kurzurlaub.

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