Fahndung in Bremen und Niedersachsen

Weserpark evakuiert

Der Bremer Weserpark ist am Mittwochabend evakuiert worden. Die Polizei suchte eine verdächtige Person, die aus der Psychiatrie entflohen war.
27.07.2016, 19:17
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Weserpark evakuiert

Der Weserpark wurde in den Abendstunden evakuiert.

Christian Butt

Der Bremer Weserpark ist am Mittwochabend evakuiert worden. Die Polizei suchte eine verdächtige Person, die aus der Psychiatrie entflohen war.

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Die Suche nach einer verdächtigen Person hat am Mittwochabend zur Evakuierung des Einkaufszentrums Weserpark im Bremer Stadtteil Osterholz geführt. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte der Polizei durchkämmten das Shopping-Center in der Hoffnung, dort einen 19-jährigen Algerier zu finden, der zuvor aus einer psychiatrischen Einrichtung im Landkreis Diepholz entwichen war. Der Verdächtige wurde um Mitternacht am Bremer Hauptbahnhof festgenommen. Bei der Durchsuchung wurden in der Nacht keine verdächtigen Gegenstände gefunden. Von einem Anti-Terror-Einsatz wollte die Polizei nicht sprechen.

Die Fahndung war am Nachmittag zunächst im Raum Bassum ins Rollen gekommen, wo der 19-Jährige in einem Klinikum untergebracht war. Nach Erkenntnissen der Behörden war der Mann, der einen Asylantrag gestellt hatte, durch einen Notausgang aus der Psychiatrie Bassum entwichen. Eine Ärztin habe ihn nicht mehr aufhalten können. Während er weglief, soll er „Ich sprenge euch in die Luft“ gerufen haben. Die Polizei schloss eine Eigen- und Fremdgefährdung nicht aus, zumal der junge Mann Sympathien für den militanten Islamismus und die Amoktat in München bekundet haben soll.

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Die Diepholzer Polizei bat ihre Bremer Kollegen um Mithilfe. Die Verbindung zum Weserpark stellte sich gegen 16.30 Uhr her. Dort fiel einem 35-jährigen Kellner ein junger Mann auf, der sich in einer Ladenpassage des Weserparks verdächtig verhielt. Der Beschäftigte alarmierte die Polizei. Über den Abgleich der Personenbeschreibung wurde rasch klar, dass es sich vermutlich um den entwichenen 19-Jährigen handelte.

Fahndung in zivil

Die Bremer Polizei entsandte zunächst Zivilkräfte in den Weserpark, um den jungen Mann dort mit verdeckten Fahndungsmaßnahmen ausfindig zu machen. Als das nicht gelang, entschloss sich die Einsatzleitung, das komplette Einkaufszentrum räumen zu lassen. Eine Augenzeugin der Ereignisse schilderte ihre Eindrücke vom Ort des Geschehens. Die Oytener PR-Fachfrau Gabriela Meyer hielt sich kurz vor 19 Uhr im Food Court des Weserparks auf, als sich das Center-Management über die Lautsprecheranlage des Einkaufszentrums meldete. Wegen einer „technischen Störung“ müsse der Weserpark umgehend geräumt werden. Die Menschen, die sich in dem Gebäudekomplex aufhielten, hätten sich daraufhin „sehr geordnet“ ins Freie begeben, so Meyer.

Keine Panikreaktionen

Zu Panikreaktionen sei es nach ihrem Eindruck nicht gekommen. Viele Menschen hätten allerdings ihre Einkäufe an Ort und Stelle stehen lassen und warteten deshalb, in die Geschäfte zurückkehren zu können. Das war der Stand von 20.30 Uhr, und daran hatte sich auch eine Stunde später noch nichts geändert, denn erst zu diesem Zeitpunkt begann die Polizei mit der eigentlichen Durchsuchung des Einkaufszentrums. Zuvor hatten sich die Einsatzkräfte auf die Evakuierung und weiträumige Absicherung des knapp 70.000 Quadratmeter großen Shopping-Centers beschränkt.

Gegen 21.15 Uhr ging Polizeisprecher Nils Matthiesen von zwei Optionen aus. „Entweder ist der Gesuchte noch drin und stellt dort möglicherweise eine Gefahr für sich und andere dar“, so Matthiesen. Die Alternative: Der 19-Jährige habe sich aus dem Gebäude entfernt und dort eventuell „einen gefährlichen Gegenstand hinterlassen“. Eine heikle Aufgabe also für die Spezialkräfte, die nun – mit Schutzausrüstung und Maschinenpistolen ausgestattet – in den Gebäudekomplex eindrangen.

Fahndung im gesamten Stadtgebiet

Wieviel Substanz der Terrorverdacht gegen den 19-Jährigen tatsächlich hat, war allerdings immer noch unklar. Polizeisprecher Gundmar Köster wandte sich ausdrücklich gegen die Formulierung „Anti-Terror-Einsatz“, die zwischenzeitlich in einigen Medien aufgekommen war. Durch die Evakuierung solle lediglich die Gefahr für Unbeteiligte minimiert werden, so Köster. Am Abend dehnte die Polizei ihre Suche nach dem jungen Mann auch auf das Bremer Stadtgebiet aus. Auswärtige Kräfte unterstützten den Einsatz.

Ein mit komplexen Einsatzlagen vertrauter Bremer Polizei-Insider sagte am Abend gegenüber dem WESER-KURIER, dass sich die Behörden auf einen Fall nach Art des Weserparks seit einiger Zeit intensiv vorbereiten. „Es war klar, dass das jederzeit Bremen erreichen kann.“ Deshalb sei es gut, dass man die Terrorlage vom Februar 2015, als ein Anschlag in der Hansestadt unmittelbar bevorzustehen schien, sorgfältig ausgewertet habe.

Bereits am Nachmittag war die Bremer Polizei mit einem Großaufgebot unterwegs. Nach einer telefonischen Bombendrohung war die Filiale einer Supermarktkette in der Bremer Neustadt vorübergehend evakuiert worden. Auch die Bewohner einer angrenzenden Seniorenwohnanlage wurden in Sicherheit gebracht. Das Supermarktgebäude in der Westerstraße sei anschließend mit Spürhunden abgesucht worden, man habe aber nichts gefunden, sagte ein Sprecher der Polizei.

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