Verzogene Türen und Risse im Gemäuer Weservertiefung führt zu Problemen

Bremen. Nach Auffassung der Bewohner im Blockland und des BUND hat die Weservertiefung an den Nebenflüssen wie der Wümme zu vielen Problemen geführt. Davon seien nicht nur die Natur und Tiere betroffen, sondern auch die Anwohner selbst
10.10.2012, 07:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Knief

Bremen. Absackende Häuser, sinkender Erholungswert und geschmälerter Naturschutz: Nach Auffassung der Bewohner im Blockland und des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat die Weservertiefung an den Nebenflüssen wie der Wümme zu vielen Problemen geführt. Davon seien nicht nur die Natur und Tiere betroffen, sondern auch die Anwohner selbst.

„In meinem Schlafzimmer musste ich am Kopfende des Bettes zehn Zentimeter dicke Holzklötze unter die Bettfüße legen, damit es wieder gerade steht“, erzählt Harje Kaemena. An den Wänden seien immer wieder neue Risse zu finden und die ganze Substanz der Häuser sei stark gefährdet. Der Hofbesitzer lebt im Blockland. Für die Schäden in seinem Schlafzimmer und anderen Räumen in seinem Haus macht er die Weservertiefung verantwortlich.

Sie ist in den vergangenen Jahren immer weiter vorangeschritten. Wirtschaftlich bringt dies viele Vorteile im Bereich des Schiffsverkehrs mit sich. Nach Auffassung der Bewohner im Blockland entlang der Wümme sind durch die Vertiefungen aber Probleme an den Nebenflüssen entstanden

Auch wenn die Häuser im Bereich Niederblockland bereits sehr alt sind, habe die Notwendigkeit für Renovierungen erst zugenommen, als mit der Vertiefung der Weser begonnen wurde: „Alle Häuser sacken zum Wasser hin ab“, hat auch Anwohner Gerd Gartelmann beobachtet. „Die Schäden an den Häusern sind erst in den vergangenen 30 Jahren schlimmer geworden.“ In einem seiner Zimmer sei der Boden auf der Wasserseite mittlerweile 20 Zentimeter tiefer als am anderen Ende des Raumes.

„Wir müssen immer wieder die Türen anpassen, weil diese sonst nicht mehr auf und zu gehen“, fügt Kaemena hinzu. „An einer Tür habe ich unten mehr als fünf Zentimeter abgesägt und oben wieder draufgeklebt. Trotzdem ist jedes Jahr wieder eine Verschiebung zu sehen.“

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Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) weist auf die Veränderungen hin, die die Weservertiefung mit sich gebracht hat. So ist laut Martin Rode der Unterschied des Wasserpegels bei Hoch- und Niedrigwasser stark angestiegen und beträgt im Blockland mittlerweile mehr als 1,50 Meter. „Dieser Unterschied sorgt für zunehmende Verschlickungen an den Ufern, und die Strömung wird immer stärker“, sagt Rode. Eine weitere Vertiefung würde die Folgen noch verschlimmern.

Auch für die Lebewesen in Wassernähe habe der starke und ständige Wechsel des Wasserstands Konsequenzen: „Vögel, die auf dem Boden am Wasser nisten, haben keinerlei Chance, dem Wasser noch standzuhalten“, erklärt Wilfried Döscher vom Bremischen Deichverband am rechten Weserufer. „Viele Vögel verlieren Brutstätte und Lebensraum.“

Grundsätzlich habe die Vertiefung der Weser zu einer drastischen Schmälerung des Naturschutzes an der Wümme geführt. An immer mehr Flußstellen müsse mit Steinen nachgeholfen werden, damit durch den schneller werdenden Wasserfluss die Ufer nicht noch weiter wegrutschen. „Diese Eingriffe in die Natur verringern nicht nur den Erholungswert dieser schönen Gegend sondern auch die Qualität der Biotope“, beklagt Rode.

„Hier stand mal eine Birke“, erzählt Kaemena und zeigt auf eine Stelle an der Wümme. „Doch alleine in den vergangenen zehn Jahren sind hier an den Seiten mindestens zwei Meter vom Ufer weggebrochen“. Die dadurch entstehende Versandung der Wümme habe auch für die Fische Konsequenzen: „Die Angler beobachten schon länger, dass der Fischbestand hier immer weiter zurückgeht“, sagt Anwohner Jan-Dirk Kropp. Dies liegt laut Harje Kaemena daran, dass die vom Ufer abgerutschte Erde sich in der Mitte des Flusses sammelt. Mit der Folge, dass die Wümme an diesen Stellen beim Rückgang des Wassers zum Teil völlig trocken liegt. „Hier kriegen nicht nur die Fische Probleme. Wenn wir mit dem Kanu fahren, bleiben wir auch ab und zu stecken“, schildert Kropp.

Die Bewohner des Blocklandes haben gemeinsam mit dem BUND gegen eine weitere Vertiefung der Weser geklagt – um ihr Wohngebiet zu schützen. Laut Martin Rode führte die Klage vorerst dazu, dass es bis März 2013 keine weitere Vertiefung geben wird. „Was danach passiert wissen wir noch nicht“, sagt Rode. „Wir hoffen, dass unsere Argumente zeigen, dass die Schäden weitaus höher wären, als die Vorteile einer weiteren Vertiefung.“

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