Fit in den Frühling Weshalb Schwimmen gut für den Körper ist

Muskeln, Gleichgewicht und die Wahrnehmung des eigenen Körpers werden trainiert. Mediziner, Trainer und Schwimmmeister geraten ins Schwärmen, wenn sie über das Schwimmen reden.
23.03.2018, 19:21
Lesedauer: 4 Min
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Weshalb Schwimmen gut für den Körper ist
Von Pascal Faltermann

Viel braucht es nicht: Badeanzug, Bikini oder Badehose. Ein Handtuch. Und einen Sprung ins Wasser. Dann geht es fast schwerelos durch die Fluten. Schwimmen zählt zu den gesündesten Sportarten überhaupt, da es sich nachhaltig auf Ausdauer, Körperbau, Verfassung und Wohlbefinden auswirkt. „Wasser hat verschiedene physikalische Eigenschaften“, erklärt Daniela Haupt, Bereichsleiterin Kursbetrieb bei den Bremer Bädern.

Der Auftrieb reduziere das Körpergewicht um 90 Prozent, was einige positive Effekte mit sich bringe. Wenn Daniela Haupt über das Element Wasser und seine Vorteile spricht, kommt sie regelrecht ins Schwärmen. Muskeln, Gleichgewicht und die Wahrnehmung des eigenen Körpers werden geschult. Aber auch die Atemmuskulatur und das Gefäßsystem werden besser trainiert, das Lymphsystem wird angeregt.

Mit dem größeren Druck durch das Wasser gebe es eine Verschiebung des Blutvolumens raus aus der Peripherie, den oberflächlichen Gefäßen, hin zur Körpermitte. Dadurch werde der Herzmuskel stärker vorgedehnt, sodass er bei jedem Schlag eine größere Menge Blut pumpe. Der Herzschlag sinke dadurch um etwa zehn Schläge in der Minute.

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Da Wasser eine höhere Wärmeleitfähigkeit habe, wird die Körpertemperatur schneller abgegeben. Das habe aber unter anderem den Effekt, dass das Immunsystem gestärkt, der Stoffwechsel angeregt und der Muskeltonus erhöht werden. Wer eine halbe Stunde in mäßigem Tempo schwimmt, verbrennt rund 350 Kilokalorien. Höher sei der Verbrauch beim Aquatraining, wo er bei 400 Kilokalorien liege.

„Beim Schwimmen werden alle großen Muskelgruppen beansprucht“, sagt auch der Sportmediziner Götz Dimanski. Von der Schulter- bis zur Rumpfmuskulatur, vom Beckengürtel übers Knie bis zum kleinen Fußzeh werden alle Muskelgruppen eingesetzt, erklärt der ehemalige Mannschaftsarzt von Werder Bremen. Dadurch komme man in den Genuss aller Vorzüge, die Bewegung für den Körper mit sich bringt.

Erkrankte Gelenke oder Muskeln werden entlastet

Der Auftrieb des Wassers wirke sich schonend auf die Gelenke aus, da man nur ein Sechstel seines Gewichts wiege. Das Herz-Lungen-Kreislaufsystem werde wie der gesamte Bewegungsapparat gestärkt. Auch bei rekonvaleszenten Patienten habe das Element Wasser seine Vorzüge, weil eben erkrankte Gelenke oder Muskeln entlastet werden, erklärt der ärztliche Geschäftsführer und Chefarzt der Abteilung für Sportmedizin und Physiotherapie des Rehazentrums Bremen.

Absolute No-Gos fürs Schwimmen seien all die Erkrankungen, bei denen man ohnehin keinen Sport machen würde – wie Schnupfen, Fieber, Grippe oder Mittelohrentzündung, zählt Dimanski auf. Bei Formen der Herzinsuffizienz sollten sich Betroffene erst mit ihrem Arzt unterhalten. Auch offene Wunden seien eine absolute Kontraindikation.

Viele Menschen scheuen das Wasser, wenn die Schmerzen bei Belastung von eingeschränkten Körperteilen wie Schulter, Arm oder Bein zu stark sind. „Aber es gibt häufig eine Lösung, um die positiven Effekte des Wassers zu nutzen“, sagt Dimanski. Man müsse seine Fantasie nutzen und gegebenenfalls Hilfsmittel wie Schwimmbretter einsetzen.

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Wichtig sei aber vor allem, dass man Spaß an der Sache habe und sich nicht zu viel zumute – „Start low, go slow“, so Dimanski. Einen idealen Schwimmstil gebe es nicht: Je vielseitiger man verschiedene Schwimmstile wie Rücken-, Kraul- oder Brustschwimmen einsetze, desto besser sei es. Um dann tatsächlich fit zu werden, braucht es natürlich auch Motivation, und das sei immer eine „schweinische Angelegenheit“, sagt Dimanski.

Man müsse den inneren Schweinehund überwinden und dabei wie Schweinchen schlau vorgehen. Denn: Es seien nicht die rationalen, sondern die emotionalen Gründe, die Menschen in Bewegung brächten. „Der Spaß an der Bewegung und das Gemeinschaftserlebnis sind entscheidend“, so Dimanski. Gemeinsam mit einem Partner sei die Erfolgsquote sechsmal höher.

Zudem dürfe man keine Gelegenheit haben, regelmäßigen Terminen auszuweichen. Zeitmangel oder mögliche Schmerzen würden als Hindernisgründe nicht gelten, weil es immer Lösungen gebe. Nach aktuellen Studien verbringen die Menschen 127 Minuten täglich vor dem Fernseher oder mit Computerspielen, aber nur 27 Minuten mit Bewegung. Um mit Schmerzen umzugehen, gebe es im Wasser immer Hilfsmittel und Möglichkeiten.

Kraulen ist der anspruchsvollste Schwimmstil

Die Atemtechnik und die Koordination gehören zu den häufigsten Fehlern, die beim Schwimmen gemacht werden, sagt Sabrina Winkler, Schwimmmeisterin im Westbad. „Beim Brustschwimmen werden oft die Beine nicht synchron bewegt“, sagt Winkler. Die Menschen hätten dann eine Schere in den Beinen, was das Schwimmen anstrengender mache und auch eine erhöhte Belastung für die Gelenke darstelle.

Am besten sei es, beim Brustschwimmen auch den Kopf unter Wasser zu tauchen. Denn wer die ganze Zeit den Kopf über Wasser halte, belaste die Halswirbel und benötige mehr Kraft. Das Kraulen sei der anspruchsvollste Schwimmstil. Wer seine Technik im Kraulschwimmen verbessern möchte, kann sich an verschiedenen Workshops beteiligen, sagt Sabrina Winkler.

Von den Grundlagen bis zum Techniktraining werden dabei die Stärken und Schwächen analysiert. Aber auch für alle anderen Schwimmstile gebe es Kurse, die sich an Personen jeden Alters richten. „Oder man spricht einfach die Schwimmmeister vor Ort an, die geben gerne den einen oder anderen Tipp“, rät die Expertin.

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