Kosten steigen Westbad-Neubau in Bremen verzögert sich um ein Jahr

Der Neubau des Westbads in Bremen-Walle wird länger dauern als bisher angenommen. Auch die Kosten werden noch einmal deutlich steigen. Das hat unter anderem Auswirkungen auf das Unibad.
10.05.2018, 15:02
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Westbad-Neubau in Bremen verzögert sich um ein Jahr
Von Kristin Hermann

Der Neubau des Westbads in Walle wird deutlich länger dauern als bisher angenommen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, haben Untersuchungen des Baugrunds gezeigt, dass die Fundamente komplett neu geplant werden müssen. Laut einer Mitteilung der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport wird sich der Neubau daher mindestens um ein Jahr verzögern. Die zusätzlichen Kosten werden dem Einvernehmen nach im mittleren einstelligen Millionenbereich liegen. Bisher waren knapp 14 Millionen Euro für die Bauarbeiten vorgesehen.

Trotz höherer Kosten und des verzögerten Baubeginns will das Sportressort am Bäderkonzept festhalten, sagt Jan Fries, Staatsrat für Sport und Aufsichtsratsvorsitzender der Bremer Bäder GmbH. „Das Westbad hat für den Schwimmsport, die Gesundheitsförderung und auch für den Schulsport eine hohe Bedeutung. Darüber gibt es einen breiten politischen Konsens.“ Für das Einwerben der erforderlichen finanziellen Mittel sehe er gute Chancen: „Wir halten im Kern an den bisherigen Planungen fest. Der Erhalt eines kombinierten Hallen- und Freibades im Bremer Westen ist für mich essenziell“, sagt Fries.

Ursache für die Neuplanungen ist der Untergrund unter dem Waller Bad. Ursprünglich sollte der Keller des jetzigen Bades für die technischen Anlagen des Neubaus erhalten bleiben. Ein erstes Baugrundgutachten habe jedoch gezeigt, dass der Baugrund nicht die erwartete Tragfähigkeit habe und zudem der Grundwasserspiegel deutlich höher liege als erwartet. Damit habe man vorab nicht rechnen können, heißt es aus der Behörde. „Die Verzögerungen durch die vielen Untersuchungen und nun erforderlichen neuen Planungen sind leider unvermeidbar“, sagt Bäder-Chefin Martina Baden zu der neuen Situation.

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Nun muss erheblich nachgebessert werden. Mehr als 150 Pfähle mit einer Länge von neun bis zwölf Metern müssen dafür in den Boden gerammt werden. Darüber hinaus muss in der Baugrube das Grundwasser für die Zeit der Bauarbeiten im Untergrund abgesenkt werden. Es müsse sichergestellt werden, dass es auch bei Starkregen verlässlich weiter abgepumpt werden könne. Die technischen Vorarbeiten und Untersuchungen dazu laufen nach Angaben der Sportbehörde noch.

Während der Freibadbereich des sanierungsbedürftigen Bades (Baujahr 1972) unverändert bleibe, sehen die Pläne vor, dass der Hallenbereich abgerissen und anschließend auf einem neu zugeschnittenen Grundriss wieder aufgebaut werden soll. In den ursprünglich veranschlagten 14 Millionen Euro ist zudem die Fassadensanierung der im selben Gebäude befindlichen Eissporthalle enthalten. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten nach maximal zwei Jahren abgeschlossen sein.

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Das Bäderkonzept sieht neben Abriss und Neubau des mehr als 40 Jahre alten Waller Bads einen Ersatz für das Unibad in Horn vor. Das Unibad soll bis zum Abschluss der Bauarbeiten in Horn und Walle in Betrieb bleiben. „Das gilt weiterhin, auch wenn sich die Bauarbeiten in Walle verzögern“, betont der Staatsrat. Erst anschließend werde das marode Unibad schließen, das zuletzt in der Badesaison 2015/2016 mit mehr als einer Million Euro ertüchtigt werden musste. Auch die Betriebszeit für den Bestandsbau des Waller Bades müsse bis zum Beginn der Abriss- und Neubauarbeiten in Walle verlängert werden, voraussichtlich bis Sommer 2020, heißt es in der Mitteilung. Das Unibad wird damit deutlich länger geöffnet bleiben, als bisher gedacht. Das dürfte vor allem die Bürgerinitiative Pro Unibad freuen, die seit Jahren für den Erhalt des Schwimmbads am Rande des Campus kämpft.

Im Bremer Westen sorgt die Nachricht von der Bauverzögerung für Unmut. „Das ist natürlich sehr ärgerlich“, sagt Ortsamtsleiterin Ulrike Pala. Das Schwimmbad steht seit dem Bekanntwerden der Baupläne im vergangenen November immer wieder auf der Tagesordnung verschiedener Sitzungen und sorgt für Ärger. Aus dem Beirat und von ansässigen Sportvereinen hatte es massive Kritik für den Neubau gegeben – vor allem die vermeintlich zu geringe Größe der Becken sorgte für Protest und Unverständnis. „Schließlich wohnen im Bremer Westen 90 000 Menschen“, so Pala weiter. Insofern könnte die Verzögerung noch einmal neuen Auftrieb in die Debatte bringen. „Für den weiteren Diskurs gewinnen wir dadurch natürlich wieder mehr Zeit“, betont die Ortsamtsleiterin. Sie erhofft sich in den kommenden Wochen und Monaten weitere Gespräche mit den Behörden und Martina Baden. Die Geschäftsführerin der Bremer Bäder verspricht auf Nachfrage, Hinweise und Anregungen zu den bisherigen Planungen zu überprüfen und in das Konzept einfließen zu lassen.

Der Senat hatte im vergangenen Jahr knapp 40 Millionen Euro für das Bäderkonzept beschlossen. Diese finanziellen Mittel sollen nicht nur den Bau am Westbad sichern, sondern auch den Neubau des Sportbades Horn.

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