An der Alten Hafenstraße hat eine Plattform für gesellschaftliches Engagement junger Leute eröffnet

"wEUnited": Ein Jugendhaus neuen Typs

Vegesack. Ein Jugendprojekt ganz neuen Stils ist gestern an der Alten Hafenstraße an den Start gegangen. In einem früheren Schuhmachergeschäft hat das europäische Jugendhaus "wEUunited" seine Tore geöffnet. Doch das ist vielleicht ein schiefes Bild, denn offene Tore sind gerade nicht das Kennzeichen von "wEUunited".
16.06.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jürgen Theiner

Vegesack. Ein Jugendprojekt ganz neuen Stils ist gestern an der Alten Hafenstraße an den Start gegangen. In einem früheren Schuhmachergeschäft hat das europäische Jugendhaus "wEUunited" seine Tore geöffnet. Doch das ist vielleicht ein schiefes Bild, denn offene Tore sind gerade nicht das Kennzeichen von "wEUunited".

Reinkommen und abhängen, Tischfußball spielen und Musikhören - diese Assoziationen, die man normalerweise mit Jugendhäusern verbindet, führen in die Irre. "wEUnited" ist eher ein nett gestyltes Seminarhaus für politisch interessierte Jugendliche, die sich in die Lokalpolitik einmischen wollen.

Ganz so, wie die Europäische Union es sich für die junge Generation wünscht. Fürs erste sind in den neuen Räumen Workshops und Diskussionsveranstaltungen zu Themen wie gesellschaftlicher Teilhabe, Aggressionsbewältigung und Toleranz geplant. "Wir wollen auch darüber sprechen, wie das Freizeitangebot für Jugendliche in Vegesack verbessert werden kann", ergänzt Fatma Nas, denn: "Nach acht ist hier abends doch nichts los. Da muss man schon in die Stadt fahren."

In der Startphase besteht der Initiativkreis noch ganz überwiegend aus jungen Frauen, die aus Zuwandererfamilien stammen und sich gesellschaftlich einbringen wollen. Das gilt neben Fatma Nas zum Beispiel für die 20-jährige Studentin Yasmin Obeida, die in der Grohner Düne lebt. Durch ihre Mitarbeit im Europäischen Jugendhaus will sie auch deutlich machen, "dass wir ganz normale Menschen sind, mit denen man reden kann".

Träger der Einrichtung, die eine fünfstellige Anschubfinanzierung der Jugendsenatorin erhielt, sind die AWO mit ihrem Mädchentreff "Lilas Pause" und der Bremer Jugendring. Die Institutionen schickten die jungen Frauen auf sogenannte Kompetenzseminare, in denen sie auf die eigenverantwortliche Leitung von "wEUnited" vorbereitet wurden. Denn dies ist ein weiteres Kennzeichen der Einrichtung: Kein festangestellter Sozialpädagoge hält die Fäden der Jugendeinrichtung in der Hand. "wEUnited" ist ein Haus in Selbstverwaltung. Drei volljährige, junge Frauen üben die Schlüsselgewalt aus und achten auf die Einhaltung der Regeln, die da lauten: kein Alkohol, keine Drogen, keine Gewalt.

Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt hat hohe Erwartungen an das Projekt und hofft auf Impulse für den Dialog zwischen Kommunalpolitik und Jugendlichen. "Ich bin absolut beeindruckt", bekannte der Stadtteilbürgermeister während der kleinen Einweihungsfeier am gestrigen Nachmittag. Zwar erschließe sich der europäische Bezug der Einrichtung nicht sogleich, denn beim Kürzel EU denke man dieser Tage doch eher an Themen wie die Griechenland-Krise und ihre Kosten. Doch im Kern gehe es bei der europäischen Integration um Beteiligungsprozesse, und die Arbeit von "wEUnited" sei ein Teil davon. "Es geht darum, themenbezogen mit der Kommunalpolitik in Vegesack ins Gespräch zu kommen", beschrieb Dornstedt die Stoßrichtung. "Gehen Sie uns ruhig auf die Nerven", ermunterte er die Jugendlichen aus dem Initiativkreis.

AWO-Vertreterin Sandra Grohnert vom Mädchentreff "Lilas Pause" brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass bald weitere gesellschaftlich interessierte Jugendliche zu dem Projekt stoßen und das Angebot wahrnehmen, "hier niedrigschwellig Politik zu machen". Besonders an männlichen Teilnehmern hapert es noch. Eine Anlaufstation gibt es im Worldwide web unter der E-Mail-Adresse weunited@web.de und auf der Website www.bremerjugendring.de (Projekte). Informationen sind auch unter der Telefonnummer 7926223 zu erhalten. Die barrierefreien Räume von "wEUnited" befinden sich im Erdgeschoss der Alten Hafenstraße 68/69, schräg gegenüber vom "Tinto".

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