Pastor Michael Klingler über die Tabea-Stiftung der Kirchengemeinde Oberneuland "Wichtig ist, den Menschen zu helfen"

Die evangelische Kirchengemeinde Oberneuland hat vor drei Jahren die Tabea-Stiftung gegründet. Über ihre Zwecke und die finanzielle Entwicklung gab Pastor Michael Klingler im Gespräch mit Andreas Becker Auskunft.
08.03.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Die evangelische Kirchengemeinde Oberneuland hat vor drei Jahren die Tabea-Stiftung gegründet. Über ihre Zwecke und die finanzielle Entwicklung gab Pastor Michael Klingler im Gespräch mit Andreas Becker Auskunft.

Die Tabea-Stiftung besteht seit drei Jahren. Was hat damals zur Gründung geführt?

Michael Klingler: Wir haben die Stiftung im August 2008 ins Leben gerufen. Die Idee hatte ich schon 1997, einen Raum in der Nähe der Gemeinde zu schaffen, in dem sich Laien engagieren können. Es geht um tat- und zahlungskräftige Hilfe, im Sinne von christlicher Solidarität. Tabea ist für uns das liebevolle Gesicht unserer Kirchengemeinde und Ausdruck klassischer Diakonie, mit dem Ziel, Menschen in Not zu helfen. 2007 fehlte der Kirche das Geld, um unseren Jugenddiakon weiter zu beschäftigen. Das war dann der Zeitpunkt, zu dem wir die Stiftungsgründung ernsthaft betrieben haben, um diese Stelle zu finanzieren.

Dass eine Kirchengemeinde eine eigene Stiftung betreibt, ist nicht der Regelfall.

Nein, aber es gibt ein paar, allerdings nicht sehr viele. Die klassische Form der organisierten Hilfe von Laien in der Bremischen Kirche sind die Diakonien. Bremer Bürger haben sich früher vor allem in den Altstadtgemeinden zusammengeschlossen, um sich zu engagieren und notleidenden Menschen zu helfen. In dieser Tradition steht die Tabea-Stiftung, nur in einer anderen Form.

Die Stiftung ist mit einem Kapital von 100000 Euro gestartet. Wie ist es inzwischen um die Finanzen bestellt?

Zur Zeit liegt das Kapital inklusive Rücklagen zwischen 170000 und 180000 Euro. Die Kirchengemeinde hat 100000 Euro eingebracht. Der Rest stammt aus Zustiftungen und Spenden. Außerdem haben wir einen Teil der Erträge zurückgelegt. Größere Zustiftungen hat es allerdings nach der Anfangszeit nicht mehr gegeben.

Wieviel Geld steht der Stiftung jährlich aus den Erträgen des Kapitalstocks zur Verfügung?

In 2011 dürften wir rund 28000 Euro zur Verfügung gehabt haben. Damit haben wir uns sehr stark für die eigene Kinder- und Jugendarbeit in Oberneuland engagiert. Mit dem Geld wird der Jugenddiakon co-finanziert. Außerdem helfen wir Kindern aus Schwachhausen, Horn-Lehe, Osterholz und Gröpelingen, denen es nicht so gut geht. Dazu kommt die klassische diakonische Arbeit für Menschen in akuter Not. Das sind Einzelschicksale, die nicht aus Oberneuland kommen müssen. Es geht darum, zuzuhören und zu überlegen, wie man konkrete Hilfe leisten kann. Die Problemfelder sind unterschiedlich, Überschuldungen, Drogenprobleme, Armut oder Hilfe für Flüchtlinge. Wir lassen niemanden vor der Tür stehen. Mit einem Teil unserer Mittel wollen wir die Außenanlagen unseres neuen Kindergartens finanzieren.

Welche zusätzlichen Aufgaben sehen Sie in Zukunft für die Stiftung?

Wir werden unseren Weg weitergehen, den Menschen konkret zur Seite zu stehen. Die Probleme sind auch durch die gesellschaftlichen Entwicklungen bedingt, Stichwort Altersarmut und Analphabetismus. Auch für Menschen aus anderen Ländern, die hier nur geduldet werden, ist die Situation sehr schwierig. Der unsichere Status ist ein Damoklesschwert, das über ihnen hängt. Davon werden Menschen zerstört.

Wie stark sind die Einnahmen der Stiftung von der allgemeinen wirtschaftlichen Situation und der Lage auf den Finanzmärkten abhängig?

Unser Kapital verzinst sich zur Zeit natürlich sehr schlecht. Damit verdienen wir nicht viel Geld. Der Großteil unserer Maßnahmen finanziert sich aus Spenden. Viele Menschen rufen anlässlich von Geburtstagen und Beerdigungen zu Spenden für die Stiftung auf. Dafür sind wir sehr dankbar, weil wir damit zusätzliche Einnahmen bekommen. Außerdem hat sich innerhalb der Gemeinde ein Freundeskreis gebildet, der uns mit Aktionen unterstützt, zum Beispiel mit einem Hökermarkt oder einer Kleidersammlung.

Wie machen Sie nach außen auf die Stiftung und ihre Zwecke aufmerksam?

Wir veranstalten einmal jährlich ein großes Stiftungsmahl. Dazu laden wir Menschen ein, die sich besonders in der Gemeinde verdient gemacht haben. Ich als Vorsitzender halte dann eine Rede im Namen von Tabea, in der sie das Leben in der Gemeinde mit Humor und kritischer Zunge kommentiert. Es hat auch einen Bilderwettbewerb gegeben, bei dem sich Laienkünstler bemüht haben, das Bildnis Tabeas darzustellen. Die Werbung für die Stiftung erledigen wir mit viel Kreativität.

Wo sehen Sie die Stiftung in Zukunft?

Eindeutig im Aufwind. Ich möchte das Stiftungskapital namhaft über 200000 Euro bringen. Das würde uns viel Handlungsspielraum verschaffen. Wichtig ist dabei aber immer, den Menschen helfen zu können.

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