Geplantes Zwischenlager in Bremen

Widerstand gegen Biomüll-Anlage wächst

Die Aufregung in Oslebshausen wächst: Beirat und Bürger wollen die am Industriehafen geplante Biomüll-Anlage verhindern. Nun melden sich auch Unternehmer zu Wort, die nichts von dem Vorhaben halten.
10.04.2018, 19:52
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Widerstand gegen Biomüll-Anlage wächst
Von Anne Gerling
Widerstand gegen Biomüll-Anlage wächst

Unternehmen, Anwohner und Ortspolitiker wollen gegen die Standortpläne der Biomüll-Anlage am Industriehafen in Oslebshausen vorgehen.

dpa

Ein Sturm der Entrüstung weht in diesen Tagen durch Oslebshausen. So kursieren Flugblätter, in denen Die Linke auf die Pläne für ein neues Biomüll-Zwischenlager an der Windhukstraße hinweist. Der Abfallentsorger Remondis, der sich ab 1. Juli um die Abfuhr von Bremens braunen Mülltonnen kümmert, will die gut 25.000 Tonnen Biomüll beim Industriehafen sammeln und von dort per Lkw nach Osnabrück transportieren, wo sie dann in Strom umgewandelt werden sollen.

Die direkten Nachbarn des Industriegebietes befürchten nun, dass der neue Biomüll-Standort Gestank und Ungeziefer mit sich bringen könnte. Eine bereits vor zwei Wochen gestartete Petition gegen das Vorhaben haben mittlerweile fast 640 Personen unterzeichnet. Auch im Beirat gibt es offenbar kaum Befürworter. Dabei ist vieles noch im Unklaren: Etwa wo und wie der Müll dort umgeschlagen werden soll – beschlossen ist noch nichts. Ortspolitiker und Anwohner hoffen nun, an diesem Mittwochabend Genaueres bei einer Beiratssitzung im Bürgerhaus Oslebshausen von Umweltstaatsrat Ronny Meyer und Remondis-Geschäftsführer Stefan Grüner zu erfahren.

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„Ich glaube, es wird voll“, sagt Ortsamtsleiterin Ulrike Pala angesichts des großen öffentlichen Interesses. Zumal sogar sie bislang nur spekulieren kann, um welches Grundstück es konkret geht: „Auch wir wissen von dem Vorhaben nur aus der Zeitung. Uns liegen bislang keine Unterlagen oder Genehmigungsanträge vor.“

Indes bekommen die aufgebrachten Bürger und Ortspolitiker nun Unterstützung aus den Reihen der Unternehmen am Industriehafen. Auch Dieter Vollkammer, geschäftsführender Gesellschafter von HGM Energy, hält nichts von dem Vorhaben. Vollkammer hat, nachdem er davon erfahren hat, der Firma Nehlsen nach eigenen Angaben umgehend einen Besuch abgestattet. Denn bislang verarbeitet Nehlsen den Bremer Biomüll auf einem Gelände bei der Blocklanddeponie weiter. „Zu diesem Zeitpunkt herrschten Außentemperaturen von drei bis sechs Grad“, sagt er, „aber eine Belästigung durch Gerüche und Gestank war auch außerhalb der Halle deutlich wahrzunehmen. Da kann ich mir gut vor Augen führen, was bei höheren Temperaturen passiert.“

„Bei Nordwestwind weht das rüber“

Selbst wenn der Biomüll in Oslebshausen nur umgeschlagen werde – riechen werde es definitiv, ist Vollkammer überzeugt. Zum Zeitpunkt der Abfuhr lagere der Unrat schließlich schon längere Zeit in den Abfalltonnen und der Gärungsprozess habe entsprechend eingesetzt. Eine derartige Anlage passe deshalb schlecht in die Nachbarschaft am Industriehafen. Sein Unternehmen etwa, das seit den 1970er-Jahren in Oslebshausen Mineralöl umschlägt und seine Warenströme per Schiff, Schiene und Lkw abwickelt, habe seit Jahren bewusst investiert, um das Areal sauber und frei von Gerüchen zu halten. „Wir bauen da gerade eine der modernsten Anlagen. Andere Betriebe sind auch mit ihrer Verwaltung dort. Das kann man den Leuten nicht zumuten.“ Nicht zu vergessen die Überseestadt mit ihren gastronomischen Angeboten, per Luftlinie nur 500 Meter entfernt: „Bei Nordwestwind weht das rüber.“

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Kopfzerbrechen bereitet dem Unternehmer, dessen Firma auf Wachstumskurs ist und zukünftig noch mehr Schiffsverkehr erwartet, auch die Anbindung: Die Windhukstraße ist eine Sackgasse und schon jetzt stauen sich wegen der kurzen Grünphasen an der Ecke Windhukstraße/Beim Industriehafen regelmäßig die Lkw. 42.000 davon steuern jährlich nach Angaben des Firmenchefs allein das HGM-Gelände an; weitere Nachbarn wie etwa das Logistikunternehmen Griepe Container könnten von einer Zunahme des Verkehrs in diesem Gebiet womöglich ebenfalls beeinträchtigt werden.

Thema Mülldeponie - Beirätin Barbara Wulff

Barbara Wulff, Sprecherin des Gröpelinger Beirats, will mit der SPD-Fraktion mit einem Antrag die Anlage in Oslebshausen verhindern.

Foto: Koch

Nehlsen-Gelände als Alternative

Eine kluge Alternative wäre in Vollkammers Augen das Nehlsen-Gelände. Es liege direkt an der Autobahn und die dort vorhandene Halle sei nicht ausgelastet, meint auch Heiner Heseler, Geschäftsführer der Initiative Stadtbremische Häfen (ISH), die gut 50 mittelständische Bremer Unternehmen der maritimen Wirtschaft vertritt. In einem sehr weiten Radius rund um die Deponie gebe es weder Wohnungen noch Firmen, und der Betrieb dort sei seit Jahren eingespielt. Zu bedenken gibt Heseler außerdem, dass sich Nehlsen womöglich nach dem Wegfall der 25.000 Tonnen Müll aus Bremen anderswo neue Aufträge beschaffen könnte – somit würde die Stadt an gleich zwei Standorten belastet. Vor diesem Hintergrund gelte es, gemeinsam über eine bessere Lösung nachzudenken: „Wir können nur an die verantwortlichen Akteure appellieren, dass sie sich dazu einig werden. Es geht nicht darum, gegen Remondis zu sein. Irgendwo muss solch eine Anlage schließlich hin.“

Geplant sei ausdrücklich kein Zwischenlager, sondern ein reiner Umschlagplatz, sagt Remondis-Sprecher Michael Schneider, der Heselers Anregung wenig abgewinnen kann: „Das ist ohne einen Umbau oder Neubau von Anlagen nicht genehmigungsfähig.“ Anders in Oslebshausen: Dort sei eine Halle vorhanden und es bedürfe lediglich einer Änderungsgenehmigung. Dass Remondis die Anlage auf der Blocklanddeponie nutzen könnte, will Nehlsen-Sprecherin Marcia Kantoks immerhin nicht ausschließen: „Aktuell liegt uns keine konkrete Anfrage dazu vor. Wir sind gesprächsbereit und würden uns mit einer entsprechenden Anfrage auch beschäftigen, sobald diese uns vorliegen würde.“

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