Protest gegen Prostitution in Bremen

Widerstand gegen Bordell an der Duckwitzstraße

Die Gewerbegenehmigung für das neue Bordell an der Duckwitzstraße ist erteilt. Ein Bündnis aus mehreren Initiativen demonstriert vor dem Behördensitz in der Innenstadt.
25.07.2019, 19:19
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Widerstand gegen Bordell an der Duckwitzstraße
Von Justus Randt
Widerstand gegen Bordell an der Duckwitzstraße

Die Bremer Initiative Stopp Sexkauf (Biss), Terre des Femmes und die Initiative Grolland wehrt sich haben ein gemeinsames Ziel: das Großbordell an der Duckwitzstraße 69 verhindern – daher haben sie am Donnerstag vor dem Gewerbeamt am Katharinenklosterhof demonstriert.

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„Kein Bordell an der Duckwitzstraße oder anderswo! Rotlicht aus!“ Die Botschaft der kleinen Kundgebung war unmissverständlich und das Nötige schnell gesagt. Nach kaum 20 Minuten war die trillerpfeifenbewehrte Demonstration am Donnerstag vor dem Gewerbeamt am Katharinenklosterhof zu Ende.

Der gemeinsame Auftritt „für die Einführung eines Sexkaufverbots“ nach Vorbild Schwedens und das gemeinsame Eintreten gegen das Großbordell an der Duckwitzstraße 69 eint die Kämpferinnen: Gemeinsam protestierten die Bremer Initiative Stopp Sexkauf (Biss), Terre des Femmes und die Initiative Grolland wehrt sich gegen das als sogenanntes Laufhaus konzipierte Etablissement.

Als kurz vor der Kundgebung bekannt wurde, dass die Abteilung Gewerbe- und Marktangelegenheiten des Wirtschaftsressorts bereits am 17. Juli die Erlaubnisverfügung erteilt hatte, wurde es laut in der Passage: „Wir sind entsetzt, dass durch die Genehmigung der Betrieb wie ein legales Gewerbe behandelt wird, was es nicht ist“, sagte Bündnissprecherin Thea Kleinert. „Feuer und Flamme dem Patriarchat, der größte Zuhälter ist der Staat!“, skandierte die Gruppe kurz – und hatte noch viel mehr zu sagen.

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Petra Redert, die kulturhistorische Forschungen zum Ort des Geschehens, an der Grenze der Neustadt zu Grolland, angestellt hat, erinnerte daran dass sich dort während des Zweiten Weltkrieges ein Wehrmachtslager mit sowjetischen Kriegsgefangenen befunden hat, die „als Arbeitskommando in der nahegelegenen Rüstungsproduktion eingesetzt wurden. Die Fabrikhallen stehen noch heute an der Richard-Dunkel-Straße.“ Der Beirat Neustadt habe beschlossen, dort eine Erinnerungsstele zu errichten.

Wenn die erste Forderung des Bündnisses lautet, „Keine Betriebserlaubnis für das Bordell in der Duckwitzstraße“, heißt die zweite: „Kein Bordell auf Lagergelände!“ Grundsätzlich wandte sich die Kundgebung gegen „die Eröffnung immer neuer Prostitutionsstätten, versteckte Bordelle in Wohnungen, das Sexkaufverbot und „effektive Unterstützung für Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollen“. Thea Kleinert geht von 800 bis 1000 Prostituierten in Bremen aus – das sind mehrere Jahre alte Daten der innensenatorischen Behörde.

Dem Eindruck, „moralischer Spielraum“ sei im bau- und im ordnungsrechtlichen Genehmigungsverfahren vorhanden, aber ungenutzt geblieben, widersprachen Behördensprecher Tim Cordßen („Es gibt auch einen Genehmigungsanspruch“) und Marita Wessel-Niepel. Die Abteilungsleiterin für Marktangelegenheiten beim Wirtschaftssenator hatte das Bündnis zum anschließenden Gespräch eingeladen.

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Wessel-Niepels liegen, wie sie sagt, „stadtweit 54 Anträge für Prostitutionsstätten“ entsprechend dem Prostituiertenschutzgesetz von 2017 vor. Neun Genehmigungen seien erteilt worden, einziger „Neuantrag“ sei der für die Duckwitzstraße. Das Gesetz schreibt unter anderem räumliche und hygienische Anforderungen an die Arbeitsstätte vor, einschließlich eines Notrufsystems – das unter den Arbeitsschutz fällt.

Als vermutlich letzte Hürde steht dem künftigen Bordellbetreiber Joy Company nun zuletzt die Bauabnahme ins Haus. Das Bauressort nannte dem WESER-KURIER Anfang August als Termin.

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