Hitzewelle in Bremen

Wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter vor den hohen Temperaturen schützen

Auf Bremen kommen besonders heiße Tage zu und damit auch auf Beschäftigte in Büros, Werkshallen und auf Baustellen. Was Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter tun.
24.06.2019, 19:14
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Wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter vor den hohen Temperaturen schützen
Von Sabine Doll
Wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter vor den hohen Temperaturen schützen

An diesem Dienstag soll es besonders heiß werden: Das ist vor allem für Männer und Frauen, die draußen arbeiten, eine erhebliche Belastung.

Joerg Volland

34 Grad Celsius sagt der Deutsche Wetterdienst in Bremen für Dienstag, 25. Juni, voraus. Das heißt: schwitzen. Und zwar nicht nur draußen. Geschwitzt wird auch in Büros, Werkstätten, Betriebshallen, in Autos und Amtsstuben. Überall dort, wo sich die Luft ordentlich aufheizt. Was tun Arbeitgeber, um ihren Beschäftigten die Arbeit angesichts tropischer Temperaturen nicht nur leichter, sondern auch gesund zu gestalten?

Die Grundschule An der Gete und die Schule Am Baumschulenweg haben bereits am Montag entschieden, dass der Unterricht ab 12 Uhr an diesem Dienstag beendet sein soll. „Das können die Schulen entscheiden, dafür brauchen sie keine Einwilligung der Behörde“, sagt die Sprecherin der Bildungsbehörde, Annette Kemp. „Aber sie müssen eine Notbetreuung für Kinder organisieren, die nicht abgeholt werden können.“ Ob an diesem heißen Tag noch weitere Schulen hitzefrei geben, konnte die Behördensprecherin nicht sagen. „In der Regel klappt aber die Kommunikation mit den Eltern, etwa durch die Klassenlehrer, sehr gut.“ Eine bestimmte Temperatur, ab der hitzefrei gelte, gebe es nicht. Kemp: „Die Gebäude heizen sich nach Lage und Bausubstanz ganz unterschiedlich auf.“

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Nicht ganz hitzefrei, aber Entlastung verschafft Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) ihren Mitarbeitern. In der Behörde sowie im Amt für Soziale Dienste ist laut einer Mitteilung die Kernarbeitszeit für diese Woche aufgehoben. Die Beschäftigten sind danach nicht mehr verpflichtet, in der Zeit von 10 bis 14 Uhr an ihrem Arbeitsplatz anwesend zu sein. „Sie können ihre Arbeit stärker in die kühleren Morgenstunden verlegen und zulasten ihres Arbeitszeitkontos verkürzen“, heißt es. Öffnungszeiten von Ämtern und anderen Dienstleistungen seien nicht eingeschränkt.

Kostenloses Wasser für Patienten und Mitarbeiter

Wie es sich für einen Gesundheitsbetrieb gehört, setzt der Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) in seinen vier Häusern darauf, Patienten und Mitarbeiter unter anderem vor Flüssigkeitsmangel zu bewahren: „Deshalb bekommen sie gerade in diesen Tagen Mineralwasser umsonst“, sagt Geno-Sprecher Timo Sczuplinski. Im Klinikum Nord spendiere die Direktion als „kühlende Geste zwischendurch“ ihren Mitarbeitern Eis, im Klinikum Mitte seien auf mehreren Stationen kalte Smoothies verteilt worden. „Ansonsten darf man sich im Klinikverbund natürlich sommerlich kleiden. In der Verwaltung gibt es ohnehin keine Anzug- oder Krawattenpflicht, auf den Stationen gibt es mit den grünen und weißen Kasacks vergleichsweise dünne und leichte Dienstkleidung“, so der Sprecher. Allerdings: Gerade in den klinischen Bereichen stehe auch beim Thema Kleidung die Hygiene immer im Vordergrund.

Uniform ist Pflicht, heißt es bei der Polizei. Aber die Dienstvorschrift für die Ordnungshüter lässt bei Hitze auch Ausnahmen zu. „An besonders heißen Tagen können Anträge gestellt werden, die Dienstschirmmütze wegzulassen. Und: Ab einer bestimmten Temperatur kann statt Diensthemd auch T-Shirt getragen werden. Dieser Zeitpunkt wird dann aber entsprechend kommuniziert“, sagt ein Sprecher. Die Einsatzfahrzeuge seien in der Regel klimatisiert.

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Kleidungsvorschriften sind auch beim Energieversorger SWB großes Thema – auch an heißen Tagen. „Arbeitsschutz geht vor, das gilt vor allem in den Kraftwerken“, sagt Sprecherin Angela Dittmer. „Diese Mitarbeiter können aber in dieser Woche häufiger Pause machen, um sich zu regenerieren.“ Montage-Teams, die körperlich anstrengende Arbeit leisten, könnten ihre Arbeitszeit je nach Schicht auf die frühen Morgen- oder in späte Abendstunden verlegen – und bekämen Wasserkästen gestellt. Dittmer: „In den Gebäuden gibt es Teeküchen, wo Wasser das ganze Jahr über kostenlos zur Verfügung steht.“

Neue Straßenbahn-Modelle sind klimatisiert

Wasser verteilt in diesen Tagen auch die Bremer Straßenbahn AG (BSAG): „In den Pausenräumen stehen Flaschen parat, die die Fahrer mitnehmen können“, sagt BSAG-Sprecher Andreas Holling. Glücklich, wer als Fahrer hinterm Steuer eines neuen Busses oder einer neuen Straßenbahn die Haltestellen abfährt, sie sind im Gegensatz zu den älteren Modellen klimatisiert.

Monteure für die Kanalreinigung und -inspektion bei Hansewasser bekommen laut Unternehmenssprecher Oliver Ladeur Wasser in Kühlboxen fürs Auto gestellt. „Außerdem werden Sonnencreme und Kopfbedeckungen gestellt, und es gibt je nach Bereich, bei der Kanalreinigung etwa, die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten.“ Aktuell betreibt Hansewasser außerdem 19 Baustellen in der Stadt, teilweise sind damit andere Unternehmen beauftragt. „Über die Projektleiter wird zum Thema Sonnenschutz sowie Vorbeugung von Gesundheitsproblemen durch Sonne und Hitze aufgeklärt, das funktioniert aus Erfahrung sehr gut“, so der Sprecher.

Im Mercedeswerk in Bremen hat der Betriebsrat die Konzernleitung aufgefordert, für die nächsten heißen Tage Maßnahmen wie häufigere Pausen für die Autobauer zu genehmigen. Klimatisiert seien die Hallen nicht. „Wir hoffen, dass das rechtzeitig passiert“, sagt Michael Burgdorf. Das reicht dem Betriebsrat aber nicht. „Wir haben eine Arbeitsgruppe gegründet, um feste Maßnahmen zu vereinbaren und künftig nicht mehr an jedem heißen Tag auf den guten Willen der Konzernleitung angewiesen zu sein.“

Info

Zur Sache

Sprung ins kühlende Wasser

Die Bremer Bäder haben in ihren Freibädern die Hauptsaison eröffnet. „Das bedeutet: Schwimmen gehen ist nun auch ganztägig möglich. Freibäder und Außenbereiche der Kombibäder sind morgens ab 6.30 Uhr für das Frühschwimmen geöffnet und schließen erst abends“, teilt die Bädergesellschaft mit. Alle Öffnungszeiten und Sonderaktionen – wie die Herztage am Mittwoch, 26. Juni, von 13 bis 16 Uhr im Stadionbad – sind auf der Internetseite www.bremer-baeder.de zu finden.

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