Vereinigte Evangelische Gemeinde Neustadt produzierte mit Jugendlichen einen Streifen über Schülernöte

Wie aus Lernstress ein Jugendfilm entsteht

Erst auf der Bühne, nun auf der Leinwand: Die Jugendgruppe der Vereinigten Evangelischen Gemeinde Neustadt produzierte 2011 ein interessantes Theaterstück über Leistungsdruck in der Schule, das sie später zu einem Film umarbeitete. Auf dem Kirchentag in Hamburg wurde der Streifen mit Erfolg gezeigt. Nun laufen Gespräche, ihn auch in Bremer Kinos zu präsentieren.
28.07.2013, 05:00
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Von Rainer Kabbert

Erst auf der Bühne, nun auf der Leinwand: Die Jugendgruppe der Vereinigten Evangelischen Gemeinde Neustadt produzierte 2011 ein interessantes Theaterstück über Leistungsdruck in der Schule, das sie später zu einem Film umarbeitete. Auf dem Kirchentag in Hamburg wurde der Streifen mit Erfolg gezeigt. Nun laufen Gespräche, ihn auch in Bremer Kinos zu präsentieren.

Südervorstadt. Ein aktuelleres Thema hätten die Jugendlichen der "Roten Zitadelle" nicht wählen können: Die Jugendgruppe der Vereinigten Evangelischen Gemeinde Neustadt setzte filmisch um, was vielen Schülern auf den Nägeln brennt.

Abitur schon nach zwölf Jahren? Wie umgehen mit dem Lernstress? Helfen Arzneien? "Lingotechnogen – Wir sind die Elite" heißt der Film, in dem die Lernleistung der Schüler mit einem neuen Medikament gesteigert werden soll, das letztlich aber unerwartete Nebenwirkungen zeigte.

"Uns interessiert die Lebenswelt der Jugendlichen, ihre Probleme und Gedanken", erläutert Regisseur Tim Bonßdorf, Mitarbeiter der Neustädter Gemeinde. Entstanden ist die Idee für das Theaterstück und später für den Film im Offenen Jugendkeller der Gemeinde, in den dienstags von 17.30 bis 20.30 Uhr jeder kommen kann – egal, ob Protestant, Katholik oder Moslem. Fifty-Fifty ist denn auch das Verhältnis der Jugendlichen, die im Film mitwirkten: Eine Hälfte der rund 40 mitwirkenden Schauspieler sind Konfirmanden, die andere kommt aus der Neustadt oder anderen Stadtteilen.

Das Filmprojekt hat für Regisseur Tim Bonßdorf vor allem einen pädagogischen Sinn, wobei der cineastische Anspruch nicht zu kurz kommen soll: Einen guten Film zu machen, der bei den Zuschauern ankommt. Dazu hat Klaas Bartsch mit seinem Skript die Grundlage gelegt. Der Autor und Dramaturg, in Bremen geboren und aufgewachsen, hatte bereits die Bücher für die anderen Theaterprojekte der "Roten Zitadelle" geschrieben.

Nach "Lingotechnogen" 2011 feierte ein Jahr später "Ich wünschte, ich wär’ ein Stein" Premiere. Aktuell zeigt die Jugendgruppe ihre Arbeit "Spiel mit mir". Auch hier hat Bartsch Texte, die Regisseur Tim Bonßdorf mit den Jugendlichen erarbeitet hatte, in ein Skript für die Bühne verwandelt. Im Sommer beendet Bartsch in Hildesheim sein Studium der Kulturwissenschaft und Ästhetik. Dann wird er wieder zurück nach Bremen kommen und hofft, hier eigene Vorhaben zu verwirklichen.

Tim Bonßdorf projektiert schon den nächsten Film und denkt daran, jedes Jahr einen weiteren mit der "Roten Zitadelle" zu produzieren. Diesmal geht es um die Zeit danach: Was widerfährt Jugendlichen nach der Schule? Vor welche Wahl werden sie gestellt, wie viel Zeit bleibt ihnen, ihre Lage und Möglichkeiten zu reflektieren? Im imaginären Land des neuesten Films geht der Staat nicht zimperlich mit der Jugend um: Wer nicht zeitnah seine berufliche Zukunft plant, kommt ein Jahr ins Erziehungsheim. Im September, spätestens Oktober 2014 wird der Film dann zu sehen sein.

In Kooperation mit den Schulen soll später auch über diesen Film diskutiert und – wie bei "Lingotechnogen" – Themen wie Leistungsdruck und Lernstress kritisch hinterfragt werden. Einige Lehrer, freut sich Bonßdorf, hätten schon Interesse an dem Jugenddrama signalisiert und bei ihm angefragt.

Während der Dreharbeiten zu "Lingotechnogen" wurde mit den jungen Schauspielern auch über die grassierende Problematik leistungssteigender Arzneien diskutiert. "Es gibt einen hohen Konsens", erinnert sich Bonßdorf, "diese Medikamente zu nehmen, wenn sie denn das Leben erleichtern würden – trotz aller Nebenwirkungen."

Für Bonßdorf ist das ein problematisches Fazit. Nach seiner Überzeugung werden diese Substanzen von den Ärzten inflationär verschrieben. "Unter Schülern und Studenten wird hier massiver Missbrauch betrieben", kritisiert der Regisseur.

Sachspenden erhalten

Filme kosten Geld – auch die kirchlicher Jugendgruppen wie der "Roten Zitadelle". Ein Teil kommt aus Finanz-Töpfen der Vereinigten Evangelischen Gemeinde, ein Teil von außerhalb als Sachspenden.

Auch darum kümmern sich die beiden Produzenten Tido Jaspers und Fabian Kiefner, die aber auch für Drehplanung und andere wichtige Dinge am Film-Set verantwortlich zeichnen. Tido Jaspers arbeitet für die Gemeinde, Fabian Kiefner ist im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahrs in der Neustadt.

Wie aus Lernstress ein Jugendfilm entsteht

Vereinigte Evangelische Gemeinde Neustadt produzierte mit Jugendlichen einen Streifen über Schülernöte

Zitat:

"Uns interessiert die Lebenswelt der Jugendlichen, ihre Probleme und Gedanken."

Regisseur Tim Bonßdorf

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