Abschluss mit Hindernissen Bremer Eltern in Sorge um das Abitur

Ein Bremer Beirat und einige Elternvertreter fordern, die Lage der Schulen aufgrund von Corona sei so unterschiedlich, dass bremenweit einheitliche Abituraufgaben in diesem Jahr unzumutbar seien.
07.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremer Eltern in Sorge um das Abitur
Von Sara Sundermann

An manchen Bremer Schulen gab es in den vergangenen Wochen besonders viele Corona-Fälle, durch Quarantäne fiel eine Menge Präsenzunterricht weg. Ein Beirat und einige Elternvertreter fordern nun, Schulen müssten eigens auf ihre Klassen zugeschnittene Aufgaben für die Abiturprüfungen einreichen dürfen.

„Wir müssen mit Bestürzung feststellen, dass die Zahlen an unserer Schule massiv hoch sind“, sagt Christin Loroff, Schulelternsprecherin des Gymnasium Links der Weser in Kattenturm. „Wir machen uns große Sorgen um unsere Abschlussklassen.“ Loroff spricht von zuletzt 27 bestätigten Infektionen. Ein Teil der Schüler, die 2021 ihr Abitur machen, sei bereits dreimal für 14 Tage in Quarantäne gegangen.

Lesen Sie auch

Bremenweit einheitliche Aufgaben beim Abitur seien nicht mehr möglich, ist Loroff überzeugt – sonst hätten Klassen mit viel Quarantäne Nachteile gegenüber weniger betroffenen Schulen: „Wir machen uns stark für dezentrale Prüfungsaufgaben, eingereicht durch die Schule.“ Diese Forderung richteten die Elternsprecher des Gymnasiums auch in einem Offenen Brief an die Bildungssenatorin.

Kaum Zeit für Klausuren

„Präsenzunterricht war in diesem Schuljahr bisher nur begrenzt möglich“, erzählt Britta Schmidt, deren Tochter im Frühsommer ihr Abitur am Gymnasium Links der Weser machen will. „Es musste geknüppelt werden, um alle Klausuren unterzubringen, die abiturrelevant sind“ , sagt Schmidt, die auch für die FDP im Neustädter Beirat ist. Sie macht sich Sorgen um das Abitur ihrer Tochter. Zwar würden von Schulen und Politik große Anstrengungen unternommen: „Aber Schule in diesem Jahr ist nicht vergleichbar mit Schule in anderen Zeiten.“ Viele Schüler seien verunsichert. Die Mutter fordert: „Man darf die Schüler nicht im Regen stehen lassen, sondern muss ihnen sagen, wie es mit ihren Prüfungen weitergeht, damit sie nicht mit Angst ins neue Jahr gehen.“

Lesen Sie auch

Schulleiter Uwe Sudmann, der auch im Vorstand der Schulleitervereinigung ist, bestätigt die schwierige Lage: Ihm zufolge waren zum Teil 30 von 110 Lehrkräften des Gymnasiums Links der Weser gleichzeitig in Quarantäne. Seit einer Woche wird nun an seiner Schule im Halbgruppen-Modus unterrichtet. „Unsere Schule musste sehr viel Distanzunterricht machen, das ist wahnsinnig schwierig“, sagt Sudmann. Es gebe sehr ungleiche Bedingungen für Klassen unterschiedlicher Schulen. Sudmann befürwortet, dass jede Schule selbst Prüfungsaufgaben einreichen sollte. Diese müssten dann von der Behörde nach den geltenden Standards geprüft werden.

Der Beirat in Obervieland fordert laut Beiratssprecher Stefan Markus solche schulscharfen Prüfungen für alle Obervielander Schulen. In Abschlussprüfungen könne nur der Stoff geprüft werden, der auch gelehrt wurde, heißt es in einem Beiratsbeschluss. Nach Gesprächen mit der Bildungsbehörde sagt Markus: „Es wird voraussichtlich ein dezentrales Abitur geben, wo nur der Stoff abgeprüft wird, der auch im Unterricht behandelt wurde. Alles andere wäre ja auch Wahnsinn bei so viel Ausfall von Unterricht.“

Lesen Sie auch

Dass jede Schule ihre eigenen Aufgaben fürs Abitur formulieren könnte, weist Martin Stoevesandt vom Zentralelternbeirat deutlich zurück. „Schulscharfe Prüfungen sind ein absolutes No-Go“, sagt er. „Das ­Abitur ist in Deutschland die heilige Kuh, es wird beim Abitur keinen Bremer Alleingang geben.“ Es gebe schon genug Kritik an der Bremer Bildung, der Ruf des Stadtstaats dürfe nicht noch schlechter werden.

Stoevesandt ist Mitglied in einer Arbeitsgruppe mit Vertretern von Behörde und Schulen, die sich mit dem Thema Abschlussprüfungen befasst. „Kaum eine Schule ist so gebeutelt wie das Gymnasium Links der Weser“, räumt er ein. „Aber es hilft auch nicht, wenn wir ein Abitur zulassen, dass nirgends anerkannt wird.“ Er sei offen für eine bremische Lösung, wenn diese in Absprache mit der Kultusministerkonferenz entwickelt werde und wenn die Abituraufgaben den bundesweiten Kriterien entsprächen.

Zusatzkurse ab Januar

Wie geht die Bildungsbehörde in diesem Jahr mit Abitur und Mittleren Schulabschluss (MSA) um? In der Regel sei sichergestellt, dass Schülerinnen und Schüler auch in Quarantäne auf Distanz am Unterricht teilhaben könnten, sagt Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde. Aber „um der besonderen, belastenden Situation gerecht zu werden“, plane die Bildungssenatorin „fachbezogen und auf die Bremischen Prüfungen zugeschnittene Vorbereitungskurse“, kündigt die Sprecherin an. Diese würden voraussichtlich ab Januar angeboten – für die Schüler und Schülerinnen der Abschlussklassen, die es wünschen. „Für das Abitur läuft gerade die Bedarfsabfrage über die Oberstufenleitungen, für den MSA beginnen wir damit im Januar.“ Die Kurse fänden außerhalb des Unterrichts statt.

Für Abitur und MSA soll es laut Behörde keine inhaltlichen Anpassungen der Prüfungsaufgaben geben. Geplant sei aber insofern eine Veränderung, dass Lehrkräfte bei den Aufgaben gezielt Themen wählen könnten. Dies soll aber nur für das Fach Mathematik gelten. Weitere Veränderungen bei den Prüfungen – wie zum Beispiel von Schulen eingereichte Aufgaben – würden derzeit nicht geprüft. In den Fächern Mathe, Chemie, Physik und Biologie sei es aber ohnehin grundsätzlich möglich, eine zentral gestellte durch eine selbst entwickelte Aufgabe zu ersetzen.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+