Neue Zahlen zum Leben im Stadtstaat

Wie Bremen sich verändert

Einwanderung, Single-Haushalte und wieder mehr Kinder verändern die Gesellschaft in Bremen und Bremerhaven. Die neusten Zahlen des statistischen Landesamtes geben Einblicke in das Leben im Zwei-Städte-Staat.
04.01.2020, 17:51
Lesedauer: 2 Min
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Von Sara Sundermann

Bevölkerung und Wirtschaft in Bremen sind gewachsen, es wurden zuletzt mehr als doppelt so viele Ehen neu geschlossen wie geschieden, und mehr als 7000 Kinder kamen zur Welt. Das kürzlich erschienene Statistische Jahrbuch 2019 gibt Auskunft über das Leben der Bremerinnen und Bremer im Jahr 2018. Dabei kommt Erstaunliches und Wissenswertes zutage. Hätten Sie gewusst, dass jeder zweite Haushalt nur aus einer Person besteht? Und dass die Bremerinnen und Bremer im Schnitt erst mit über 30 heiraten?

Im Zwei-Städte-Staat lassen sich Entwicklungen beobachten, die schon seit vielen Jahren fortschreiten: So steigt zum Beispiel schon seit längerer Zeit die Zahl der allein lebenden Menschen in Bremen und Bremerhaven. Zugleich schrumpfen die christlichen Gemeinden in der Stadt: Evangelische und katholische Kirche verlieren kontinuierlich Mitglieder – seit 1970 hat sich die Zahl der Protestanten beispielsweise mehr als halbiert, zuletzt gehörten knapp 184 000 Menschen den evangelischen Gemeinden an. Die Zahl der Katholiken im Stadtstaat ist traditionell geringer, auch sie sank seit 1970 um ein Viertel auf zuletzt knapp 69 000.

Und schon seit Jahren wird die Stadtgesellschaft in Bremen und Bremerhaven stärker von Einwanderung geprägt. Immer mehr Menschen sind entweder selbst Einwanderer oder als Kinder und Enkelkinder von Einwanderern hier in der Stadt aufgewachsen. Zuletzt stieg auch die Zahl der Einbürgerungen: mehr Menschen nahmen die deutsche Staatsbürgerschaft an. Inzwischen hat nach Angaben des Landesamtes für Statistik ein Drittel der Bremer Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Mehrsprachigkeit wird damit ein immer wichtigeres Thema im Stadtstaat.

Es gibt aber auch neue Entwicklungen: Erstmals seit langem gab es in den letzten Jahren Anzeichen dafür, dass sich wieder mehr Menschen in Bremen politisch einbringen wollen. Erstmals seit langem stieg die Wahlbeteiligung. Zuerst stellte man dies bei der Bundestagswahl 2017 im Stadtstaat fest: Es wählten 71 Prozent der Berechtigten, die Wahlbeteiligung stieg erstmals seit 1998. Bei der Europawahl 2019 gab es dann einen richtigen Sprung: Statt zuvor nur 40 Prozent gingen 63 Prozent wählen – so stark wie in Bremen war der Zuwachs in keinem anderen Bundesland. Die Bremerinnen und Bremer interessieren sich offenbar stärker für Europa. Und auch bei der Bürgerschaftswahl 2019 stieg die Wahlbeteiligung um fast 14 Punkte auf 64 Prozent – es war das erste Mal seit 2003, dass wieder mehr Menschen für Bremen ihre Stimme abgaben.

Klar ist: Bremens Bevölkerung wächst seit Jahren. Grund dafür ist nicht nur, dass in den vergangenen Jahren wieder mehr Menschen Kinder bekamen, sondern ganz wesentlich auch die Zuwanderung. Denn trotz der hohen Geburtenzahl würde Bremen ohne Zuzug von außen schrumpfen. Es gibt viele ältere Bremerinnen und Bremer, und auch 2018 gab es mehr Todesfälle als Geburten. Während die Stadt Bremen kontinuierlich Einwohner an das niedersächsische Umland und andere Gebiete in Deutschland verliert, gewinnt sie neue Einwohner aus dem Ausland hinzu: Mehr als 13 100 Menschen zogen im Jahr 2018 aus dem Ausland nach Bremen. Die meisten von ihnen, nämlich mehr 7200 Menschen kamen aus verschiedenen europäischen Ländern. Der größte europäische Zuzug kam dabei aus Bulgarien, Polen, Rumänien und Italien.

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