Ausbildung und duale Studiengänge

Wie Bremen um Fachkräfte wirbt

Was tut Bremen bei der Suche nach Fachkräften? Mit Kampagnen, Ausbildung und dualen Studiengängen will die Hansestadt dem Mangel entgegenwirken. Doch die Situation bei Ingenieuren dürfte sich noch verschärfen.
10.01.2020, 20:03
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Wie Bremen um Fachkräfte wirbt
Von Pascal Faltermann
Wie Bremen um Fachkräfte wirbt

Die Nachfrage nach IT-Kräften ist durch die Digitalisierung gestiegen.

Monika Skolimowskam /dpa

Arbeit gibt es viel, entsprechend ausgebildete Leute aber nicht genug. Bremens Behörden und auch die Wirtschaft in der Hansestadt suchen händeringend Fachkräfte. „Ja, man kann allgemein sagen, dass auch der öffentliche Dienst vom Fachkräftemangel betroffen ist“, sagt Dagmar Bleiker, Sprecherin der Finanzbehörde. Spürbar sei dies besonders in den Bereichen Ärzte, Sozialpädagogen, IT-Fachleute, Lehrer, Erzieher und Ingenieure. Deshalb gebe es auch die bundesweit geregelte Möglichkeit, in bestimmten Fällen eine Zulage von bis zu 1000 Euro zu zahlen für eine begrenzte Zeit. Doch was tut Bremen sonst, um entsprechende Mitarbeiter für den Staatsdienst zu bekommen?

Die Freie Hansestadt Bremen ist die größte Arbeitgeberin im Land Bremen. Mit gezielten Maßnahmen will sie dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Vor allem die Ausbildung sei dabei ein zentrales Thema, wird immer wieder in den Behörden betont.

40 Ausbildungsberufe

Seit Jahren gibt es die ressortübergreifende Ausbildungskampagne „Du bist der Schlüssel ... für Deine Zukunft und Deine Stadt“. Damit sollen junge Menschen für eine Ausbildung im bremischen öffentlichen Dienst begeistert werden. Um auf sich aufmerksam zu machen, wirbt der Senat unter anderem mit dem Slogan „Mach Bremen zu Deinem Beruf“ auf einer Straßenbahn für eine Karriere im öffentlichen Dienst.

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Fast 40 verschiedene Ausbildungsberufe bietet die Hansestadt an und bewirbt diese umfangreich. Hervorgehoben wird dabei, wie vielfältig das Berufsspektrum im öffentlichen Dienst sei, die Ausbildungspalette reiche vom Biologielaboranten bis zur IT-Managerin. „Wir gehen auf Messen, in Schulen und haben mit dem Karriereportal einen modernen Internetauftritt, auf dem alle Stellenangebote gebündelt sind“, sagt Behördensprecherin Bleiker. Zudem werde mit verschiedensprachigem Informationsmaterial auf die Angebote aufmerksam gemacht.

Da durch die Digitalisierung zahlreiche ganz neue Berufsfelder entstanden sind, für die noch nicht ausgebildet wurde, kooperieren die Behörden auch mit der Universität Bremen. „Wir bieten duale Studiengänge in den Bereichen Bauingenieure, Facility-Management, Geoinformation und IT-Management an“, so Bleiker.

Digitalisierung als Daueraufgabe

Seit Mai 2019 hat die Universität Bremen zudem eine neue Stiftungsprofessur für „Digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung (E-Government)“ im Fachbereich Mathematik und Informatik erhalten, die vom Finanzressort und Dataport (IT-Dienstleister für die öffentliche Verwaltung) finanziert wird. „Die Digitalisierung ist und bleibt eine unserer Daueraufgaben – im Sinne einer effizient arbeitenden, serviceorientierten öffentlichen Verwaltung“, sagte die ehemalige Finanzsenatorin Karoline Linnert damals.

Bei den Ausbildungsgängen verweist das Finanzressort immer wieder darauf, dass in fast allen Bereichen die Sollzahl erreicht, wenn nicht sogar überschritten wurde. „Die Ausbildungsvergütung im öffentlichen Dienst rangiert im oberen Drittel aller Ausbildungsberufe“, sagt Bleiker. Generell könne man sagen, dass die Zahl der Bewerbungen zwar sinke, aber weiter ausreiche, um die ausgeschriebenen Stellen zu besetzen. Auf dem Karriereportal der Hansestadt sind derzeit 301 Jobs ausgeschrieben (Stand Freitagabend).

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Der Mangel an Fachkräften wird aber weiterhin eine große Herausforderung bleiben. Gerade erst wurde bekannt, dass die Deutsche Bahn für die kommenden zehn Jahre eine Rekordinvestition in Eisenbahnbrücken plant. Für rund neun Milliarden Euro sollen in diesem Zeitraum etwa 2000 Brücken modernisiert oder erneuert werden. Dafür werden zahlreiche Ingenieure gesucht und benötigt. Die Situation beim Bremer Amt für Straßen und Verkehr (ASV), das mit einer Dauerausschreibung für mehrere Bauingenieure sucht (wir berichteten), wird das noch verschärfen, sagt ASV-Sprecher Martin Stellmann.

Öffentlicher Dienst will mit weichen Faktoren überzeugen

„Bei speziellen Fachkräften zahlt die Wirtschaft mehr, da können wir mit der Höhe des Gehalts nicht punkten“, sagt Finanzressortsprecherin Bleiker. Deswegen versuche der öffentliche Dienst mit den sogenannten weichen Faktoren zu überzeugen: verschiedenste Teilzeit-Möglichkeiten, Aufstiegschancen, einem sicheren Arbeitsplatz oder Angeboten wie Sabbatjahr, Home-Office, Jobticket oder Firmenfitness.

Die Ausbildung und der Fachkräftemangel im Handwerk werden in der kommenden Woche zum Thema. Vertreter der Handwerkskammer Bremen treffen sich am Dienstag, 14. Januar, 11.30 Uhr, mit den Mitgliedern des Senats zu einer gemeinsamen Sitzung im Rathaus.

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