Markt der Möglichkeiten

Wie Bremerinnen und Bremer Flüchtlingen helfen

Ilka Strubelt und Konrad Kreutzer haben für Menschen einen Ort der Begegnung geschaffen: die Plattform "Bremer Willkommenkultur". Ihr Konzept präsentierten sie am Sonnabend auf dem "Markt der Möglichkeiten".
06.02.2016, 20:00
Lesedauer: 5 Min
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Wie Bremerinnen und Bremer Flüchtlingen helfen
Von Frauke Fischer
Wie Bremerinnen und Bremer Flüchtlingen helfen

Nicht „für“ die Flüchtlinge, sondern „mit“ ihnen – so soll die „Bremer Willkommenskultur“ von Konrad Kreutzer und Ilka Strubelt als Plattform von Begegnungen funktionieren.

Frank Thomas Koch

Ilka Strubelt und Konrad Kreutzer haben für Menschen einen Ort der Begegnung geschaffen: die Plattform "Bremer Willkommenkultur". Ihr Konzept präsentierten sie am Sonnabend auf dem "Markt der Möglichkeiten".

Dass Ilka Strubelt und Konrad Kreutzer seit ein paar Monaten viel Zeit mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern verbringen, hängt mit ihrer Überzeugung zusammen. „Integration funktioniert nicht, wenn Menschen keine Kontakte bekommen“, haben die beiden jungen Akademiker festgestellt.

Netzwerken und Kennenlernen

Unter dem Titel „Bremer Willkommenskultur“ haben sie deshalb eine Plattform auf den Weg gebracht, die genau das ermöglicht: die Begegnung von Menschen, die in Bremen, ihrem Wohn- und Lebensort, ankommen und sich heimisch fühlen möchten. Sportgruppen, Fahrradtouren, Spieleabende und anderes werden seitdem organisiert. Aber nicht „für“ die anderen, sondern „mit“ ihnen. „Die Begegnung fängt schon in der gemeinsamen Organisation an“, sagt Ilka Strubelt.

Mit ihrem Konzept haben sich die beiden Freiwilligen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ am Sonnabend in der Volkshochschule präsentiert. Ihr Motto passt zum Veranstaltungstitel „Miteinander – füreinander“. Für über 100 Initiativen, Verbände und Vereine, in denen viele Ehrenamtliche, aber zum großen Teil auch professionelle Kräfte aktiv sind, ist es ein Tag zum Austausch untereinander, zum Netzwerken und Kennenlernen geworden.

Viele Möglichkeiten für Engagement

Auch interessierte Bürgerinnen und Bürger, die noch keiner Initiative angehören, sowie Flüchtlinge nutzten die Gelegenheit, sich über Anlaufstellen zu informieren. Regina Heyn zum Beispiel. Die Bremerin, von Haus aus Kunsthistorikerin, unterrichtet „als Hilfslehrerin“, wie sie sagt, Deutsch in einer Flüchtlingsunterkunft. Beruflich sei sie viel in arabischen Ländern gereist und dort immer auf große Hilfsbereitschaft gestoßen. „Ich habe das Bedürfnis, etwas zurückzugeben“, sagt sie. Auf der Messe hoffte Heyn, Ansprechpartner für ihre vielen Fragen zu finden. „Es ist oft so mühsam, herauszufinden, wer was macht und anbietet.“

Auch die Psychologin Rania Enan vom Arabischen Frauenbund war gekommen, um Initiativen für Kooperation und Vernetzung zu finden. An Angebot mangelte es nicht, vielleicht an Übersichtlichkeit und Abgrenzung. So war von mehreren Seiten zu hören, es sei nicht klar genug geworden, an wen sich die Veranstaltung eigentlich richte. Zumal in wenigen Wochen, am 6. März, die „Aktivoli“ im Rathaus über die vielfältigen Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements in Bremen informieren wird.

Große Bereitschaft

Ob auf der „Aktivoli“ oder auf dem „Markt der Möglichkeiten“ – es zeigt sich die Bereitschaft von Bremerinnen und Bremern, andere Menschen unterstützen zu wollen, mitzuhelfen, um Lebenssituationen zu verbessern. „Die Vielfalt ist beeindruckend“, sagte denn auch die Bremer Integrationsbeauftragte Silke Harth, die für die erkrankte Schirmherrin, Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), zum Veranstaltungsauftakt sprach. Zur Vielfalt der Angebote gehören auch solche, in denen Ehrenamtliche Entlastung und Hilfestellung erfahren. „Sie brauchen Orte, wo sie aufgefangen werden“, sagte Harth. Kirchen, Freiwilligenagentur, die Ehrenamtskoordinatoren in den Stadtteilen und andere seien Anlaufstellen mit solchen Angeboten.

Neben den „Klassikern“ wie Kirchen, Deutsches Rotes Kreuz oder anderen Verbänden machte Silke Harth unter den Teilnehmern auf dem „Markt der Möglichkeiten“ auch viele Einzelpersonen, auch migrantische Organisationen aus, die sich engagieren. „Viele verbinden es gar nicht mit dem Label Ehrenamt“, sagte sie. Die Bereitschaft käme spontan, aus der Situation heraus. Dass sich inzwischen so viele Initiativen auch in der Flüchtlingsarbeit engagierten, ist aus Sicht der Integrationsbeauftragten „eine große Chance für die interkulturelle Arbeit“.

Welcome-Broschüre in Bremen erhältlich

Die Bürgerstiftung Bremen, die neben der Volkshochschule und der Friedrich-Ebert-Stiftung den Bremer Rat für Integration bei der Veranstaltung unterstützt hat, präsentierte eine ab kommender Woche erhältliche Welcome-Broschüre. Das Lehr- und Lernheft für den Einstieg in die deutsche Sprache wird von der Münchner Flüchtlingshilfe herausgegeben. Die Bremer Ausgabe in den Sprachen Englisch und Arabisch erscheint nun in einer Auflage von 10 000 Stück und kann bei der Bürgerstiftung Bremen kostenlos per Mail angefordert werden unter: info@buergerstiftung-bremen.de.

Zeichen der Solidarität

Anne Frisius hat das Projekt "Mittelmeerschleifen" gegründet, damit Menschen Solidarität mit Flüchtlingen zeigen können.

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Foto: Frank Thomas Koch
mittelmeerschleife@freenet.de

Vehikel der Integration

Gabriele Hüttinger und Andreas Petry kümmern sich um Fahrräder für Flüchtlinge.

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Foto: Frank Thomas Koch
info@fahrraeder-fuer.fluechtlinge.de

Politisches Dagegenhalten

Annika Behrje und Kira Behrje bieten Menschen mit ihrem Bund "Katzensprung" Raum für politischen Austausch.

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Foto: Frank Thomas Koch
www.katzensprung.blogsport.de
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