Jochem Wolff sprach über das venezianische Theater „La Fenice“ Wie der Phönix aus der Asche

Ostertor. „Kulturvermittlung für alle Altersschichten ist mir wichtig“, sagt Jochem Wolff. Der frühere Vize-Intendant des Bremer Theaters sorgt sich um die Zukunft des Theaters.
20.11.2017, 00:00
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Von Gerald Weßel

Ostertor. „Kulturvermittlung für alle Altersschichten ist mir wichtig“, sagt Jochem Wolff. Der frühere Vize-Intendant des Bremer Theaters sorgt sich um die Zukunft des Theaters. Deutschland genieße national wie international ein sehr großes kulturelles Ansehen, der künstlerische Nachwuchs sei fantastisch, die Ideen seien toll, aber das Publikum fehle. Vor allem auch junge Menschen möchte der Dozent fürs Theater gewinnen.

Der Publizist, Dramaturg und Dozent war in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren in der Intendanten-Ära von Tobias Richter Chefdramaturg am Bremer Theater, 1992 Vize-Intendant, wie später in Kassel. In der nordhessischen Stadt wohnt er nun, nachdem er unter anderem in Italien, Frankreich und Skandinavien gelebt hat. Jochem Wolff ist viel unterwegs, macht Vortragsreisen, gibt Seminare, Gastvorlesungen und Workshops und unternimmt Abstecher in den Rundfunk.

Auf Einladung der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Bremen war Jochem Wolff in der Villa Ichon am Goetheplatz, um über die italienische Oper im Allgemeinen und über die damit eng verbundene Geschichte des Opernhauses „La Fenice“ in Venedig zu sprechen. Jochem Wolff geht es nicht nur um Musik oder um Oper im Speziellen. Für ihn ist die Musik ein Kind ihrer Zeit, das Strömungen aus Politik, Gesellschaft und Technik ausgesetzt ist. Erst so werden die Werke der Komponisten zu Meisterwerken, die über ihre jeweilige Entstehungsgeschichte hinauswirken.

Bei seinem Vortrag „Wie der Phönix aus der Asche: das Gesamtkunstwerk ,La Fenice' im Lichte des 450. Geburtstages von Claudio Monteverdi“, handelte es sich um einen Streifzug durch Jahrhunderte italienischer Operngeschichte, mit Schlaglichtern auf Meister der Zunft wie Claudio Monteverdi und Gioacchino Rossini, Gaetano Donizetti, Giuseppe Verdi und den zeitgenössischen Komponisten Luigi Nono. Angereichert und gewürzt hat er den Vortrag mit Musik vom Band und Anekdoten aus seinem Arbeitsleben.

Von Dramatik geprägt ist die Geschichte des „La Fenice“ in Venedig, das zu den schönsten Opernhäusern der Welt zählt. Kurioserweise begann bereits seine Geschichte mit einem Feuer. 1774 war das Teatro San Benedetto abgebrannt. Die einstigen Betreiber begannen im April 1790 mit dem Bau eines eigenen kulturellen Zentrums in der Lagunenstadt. Am 16. Mai 1792 wurde ihre Oper, „La Fenice“, eingeweiht und entstieg buchstäblich, wie der Phönix, nach dem es benannt ist, aus der Asche.

Die Brandgefahr war damals allgegenwärtig, denn in Theatern und Opernhäusern wurde viel Holz verbaut. Ein Meer aus Kerzen, dessen Wirkung oftmals mit Spiegeln vervielfacht wurde, beleuchtete den Raum, bevor das elektrische Licht erfunden wurde. Stimmungsvoll, aber eben auch brandgefährlich. Notiz am Rande: Im Theater ist das Pfeifen aus gutem Grund verpönt, denn auch die Nachfolger der Kerzen, die Gaslampen, hatten ihre Tücken. Strömte Gas aus, machte es ein ähnliches Geräusch wie Pfeifen. Deshalb, erklärte Jochem Wolff, gelte im Theater: „Wer pfeift, fliegt raus.“

Im Jahr 1996 ging "La Fenice" durch Brandstiftung erneut in Flammen auf. Der Phönix wurde wieder zur Asche, doch wie es mit diesem legendären Vogel nun einmal ist: „La Fenice“ konnte im Dezember 2003 neu eröffnet werden – auch dank zahlreicher Spenden aus Bremen. Keine Oper ohne Stars: Ein Einblick in das tragische Leben von Maria Callas durfte in dem Vortrag nicht fehlen. Jochem Wolff hatte das Glück, „la divina“ ("die Göttliche“) auf ihrer letzten Deutschland-Tournee zu interviewen.

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“, wie Victor Hugo schrieb. Doch gibt es auch viel über die Musik hinaus zu erzählen, über das zu schweigen sehr schade wäre. Jochem Wolff lebt und lehrt in diesem Bewusstsein.

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