Familie Kühl aus Aumund gibt Einblicke in die Krankheit ihres Kindes Wie Diabetes das Leben verändert

Die Diagnose ist für viele ein Schock, doch mit der Krankheit lässt sich leben. Diese Erfahrungen haben Menschen gemacht, die Diabetes haben. Sie berichteten bei den 5. Diabetestages für Kinder, Jugendliche und Familien, zu dem am Sonnabend das Klinikum Bremen-Nord und der Förderverein Diabolo auf das Gelände der Jacobs University eingeladen hatten.
19.08.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulf Buschmann

Die Diagnose ist für viele ein Schock, doch mit der Krankheit lässt sich leben. Diese Erfahrungen haben Menschen gemacht, die Diabetes haben. Sie berichteten bei den 5. Diabetestages für Kinder, Jugendliche und Familien, zu dem am Sonnabend das Klinikum Bremen-Nord und der Förderverein Diabolo auf das Gelände der Jacobs University eingeladen hatten.

Grohn. "Ich geh mal klettern." Nils Kühl ist gerne in Bewegung. Fußballspielen möchte der Achtjährige aus Aumund auch noch – am liebsten mit Papa Henner. Eigentlich, so scheint es, ist bei Nils alles normal. Zumal er nicht nur an diesem Sonnabend, sondern auch sonst gerne Sport treibt: Nils spielt Fußball bei der DJK Blumenthal und schwimmt bei der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack.

Und doch ist etwas anders bei Nils. Er und seine Eltern haben vor gut vier Monaten die Diagnose bekommen, dass der Aumunder an Diabetes erkrankt ist. Wie die meisten Kinder und Jugendlichen ist Nils Diabetiker des Typs 1. Dabei, so das Internetportal www.diabetes.de, zerstöre das körpereigene Immunsystem "die insulinproduzierenden Betazellen und die Bauchspeicheldrüse kann kein Insulin liefern".

Einen Hinweis darauf, dass mit Nils etwas nicht stimmt, lieferte kurz vor Pfingsten der Kinderarzt. Ihn hatte die Familie aufgesucht, weil ihr Nachwuchs ständig Durst hatte. Die Blutuntersuchung brachte es an den Tag. Statt in den geplanten Urlaub ging es ins Krankenhaus.

In den kommenden zwei Wochen kümmerte sich das Team der Kinderdiabetologie um Leiterin Dr. Silke Herrlinger um die Familie. "Das war Chaos auf ganzer Linie", erinnert sich Nils‘ Mutter Ute Kühl an die Zeit, die das Leben der Familie von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellte.

Seitdem rechnen die Kühls wie auch Eltern anderer Kinder mit Diabetes, was in welchem Lebensmittel an Zucker, der Glucose enthalten ist. "Dieses Buch ist unser ständiger Begleiter", zeigt Ute Kühl auf ein dickes Nachschlagewerk. Darin sind viele Tabellen enthalten, aber auch viele Bilder. Es macht das Verstehen für Kinder leichter. Vor allem aber sind sie und ihr Mann Henner den Mitarbeitern der Kinderdiabetologie dankbar, dass die Familie auf das neue Leben mit der Krankheit gut eingestellt worden ist.

Anstrengende Wochen

Gleichwohl waren die ersten Wochen nach dem Krankenhaus hart. "Wir wollten alles ganz korrekt machen", erinnert sich Nils’ Vater: "Das war schon anstrengend." Mutter Ute kam schließlich die Aufgabe zu, ihren Sohn die ersten zwei Wochen nach der Klinik in die Schule zu begleiten. Ihre Sorgen: Klappt es mit eigenständigen Messen des Blutzuckerwertes? Isst Nils auch das, was er darf? Und wie regieren die Lehrer?

Darüber muss sich die Mutter inzwischen weniger einen Kopf machen, im Gegenteil. Die Eltern sind stolz auf ihren Nachwuchs. "Es ist erstaunlich, wie Nils an dieser Krankheit gewachsen ist", sagt Ute Kühl, während ihr Mann schmunzelnd nickt. Kurioserweise habe die Erkrankung des Sohnes dazu geführt, dass sein Selbstbewusstsein mächtig gewachsen sei.

Inzwischen müssen Ute und Henner Kühl zum Beispiel keine Angst mehr davor haben, dass Nils bei einem Kindergeburtstag genau das ist, was er nicht darf oder dass es zu viel ist. Den Beweis dafür, dass es klappt, liefert die Mutter prompt: "Erst vor kurzem war Nils zu einem Geburtstag. Ich hatte vorher mit der Mutter des Kindes telefoniert und ihr die Situation erklärt. Vor dem Essen hat Nils gemessen und mir die Werte durchgegeben. Ich hatte vorher schon gerechnet und ihm gesagt, was er darf. Das hat wunderbar geklappt."

Selbst den geplanten Türkeiurlaub hat die Familie nicht absagen müssen. Diese Befürchtung hatte Ute Kühl während der Chaostage. Doch Diabetologie-Leiterin Herrlinger wusste es besser. "Sie fahren in den Urlaub", erinnert sich Ute Kühl an die Worte der Ärztin – sie sollte Recht behalten. Letztlich hat der Urlaub dazu geführt, "dass wir lockerer wurden", wie sich Henner Kühl ausdrückt. Wesentlich dazu beigetragen hat wohl Nils‘ 16-jähriger Bruder, der laut Ute Kühl "wirklich gut auf ihn aufgepasst hat".

Um sich mit anderen auszutauschen und vielleicht das eine oder andere Neue zu erfahren, können sich die Kühls beim Diabetestag informieren. An diesem Sonnabend ist es die fünfte Ausgabe gewesen, den das Klinikum Bremen-Nord und der vor einigen Jahren gegründete Förderverein Diabolo auf dem Gelände der Jacobs University Bremen organisieren. Neben viel Bewegung für die Kinder und Jugendlichen hat es unter anderem zahlreiche Vorträge gegeben. Nils jedoch hat neben dem Klettern nur Augen für das Minifußballfeld. "Papa, kommst Du mit?", fragt er kurz, bevor er zum Rutschen läuft.

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