Pläne für Bremens City

Wie die Innenstadt autofrei werden soll

Die Bremer Innenstadt soll autofrei werden. Doch wie kann das funktionieren? Die Bremer Aufbaugemeinschaft, die Handelskammer und die Opposition haben konkrete Vorstellungen und Forderungen.
10.09.2019, 20:12
Lesedauer: 3 Min
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Wie die Innenstadt autofrei werden soll
Von Pascal Faltermann

Bis 2030 soll die Bremer Innenstadt autofrei werden – das treibt die handelnden und betroffenen Personen um. Denn das geplante Autoverbot zwischen Wall und Weser wirft zahlreiche Fragen auf. Wohin mit dem Verkehr? Was passiert mit den Parkhäusern? Wie wird der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) verbessert? Und: Wie kann das alles funktionieren? Während die Aufbaugemeinschaft Bremen mehr Mut fordert, warnt die Handelskammer vor Aktionismus. Die CDU hingegen macht der Regierung Druck. Der rot-grün-roten Regierungskoalition ist bewusst, dass sie liefern muss: Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) bezeichnete die Schritte hin zu einer Innenstadt ohne Autos in seiner Regierungserklärung als konsequent.

„Wir müssen mutige Entscheidungen treffen und nicht als Bedenkenträger auftreten“, sagt Uwe Nullmeyer, Vorsitzender der Aufbaugemeinschaft. Er wünscht sich einen breiten Diskurs. Bereits nach der Bürgerschaftswahl hatte der Verein in einem Positionspapier Impulse für die Innenstadt gefordert. Dabei setzt die Aufbaugemeinschaft, die sich als Forum für Stadtentwicklung bezeichnet, auf Verlegung der Straßenbahn von der Obernstraße in die Martinistraße. Dadurch soll die zentrale Achse der Innenstadt attraktiver werden.

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Eine Idee, die es seit den 90er-Jahren gibt. „Wir müssen für eine Belebung der Innenstadt sorgen, indem der Fußverkehr in den Mittelpunkt gestellt wird“, sagt Nullmeyer. In einer autofreien Innenstadt müsse mehr für Kinder und Familien getan werden. Wichtig ist ihm, dass junge Leute in die Stadt gelockt werden. Zudem werde Ersatz für die Parkhäuser Mitte, Katharinenklosterhof und am Dom (Violenstraße) benötigt wie auch ein Parkhaus für Fahrräder. Und: „Der Nahverkehr muss ausgebaut werden.“

Dem Leitgedanken der weitgehend autofreien Bremer Innenstadt zwischen Wall und Martinistraße bis zum Jahr 2030 kann sich die Handelskammer anschließen. „Es muss geklärt werden, was das aber genau bedeutet“, sagt Olaf Orb, Innenstadtbeauftragter der Handelskammer. Gehe es um autofrei, autoarm oder nur vom Durchgangsverkehr befreite Zonen, fragt er. Klar sei, dass parallel der öffentliche Personennahverkehr deutlich attraktiver gemacht werden müsse. Die Handelskammer hat dazu bereits zu Jahresbeginn konkrete Vorschläge für einen City-ÖPNV gemacht.

Wichtig ist aus Sicht der Innenstadtwirtschaft die grundsätzliche Erreichbarkeit der City mit allen Verkehrsträgern sowie insbesondere auch der Altstadt-Parkhäuser für auf die Nutzung des PKW angewiesene Besucher aus entfernteren Stadtteilen und dem Umland. „Politik und Verwaltung aber sollten nicht in Aktionismus verfallen, sondern müssen in einem Prozess ein stimmiges Gesamtmobilitätskonzept für die Bremer Innenstadt entwickeln“, fordert Orb.

„Die autofreie Innenstadt ist keine neue Erfindung der rot-rot-grünen Koalition, sondern die CDU-Fraktion hat diese bereits 2012 in einem Positionspapier gefordert„, sagt Heiko Strohmann, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Die historische Innenstadt vom Verkehr zu entlasten, würde die Aufenthaltsqualität verbessern, den Schadstoffausstoß verringern und zum Klima- und Lärmschutz beitragen, ist er sicher. “Damit Menschen jedoch bewusst auf das eigene Auto verzichten, müssen Alternativen bereitgestellt werden„, so Strohmann. An erster Stelle stehe dabei der Ausbau des ÖPNVs und auch die Preisstruktur müsse überarbeitet werden.

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Es sei derzeit für manche Menschen günstiger mit dem Auto in die Stadt zu fahren als andersherum. “Doch in den vergangenen zwölf Jahren ist unter grüner Ressortverantwortung leider kaum etwas passiert„, kritisiert der CDU-Mann. Gleiches gelte für die Fertigstellung der A281 – der Ringschluss sei wichtig, um Verkehre aus dem Innenstadtbereich herauszuhalten. “Die wichtigste Voraussetzung für eine autofreie Stadt ist aber eine handelnde Regierung, die Vorhaben umsetzt statt sie nur zu anzukündigen“, so Strohmann.

Was alle politischen Parteien eint, ist die Forderung nach neuem Parkraum. Außerhalb der Innenstadt müssen ausreichend Parkplätze bereitgestellt werden. Im Koalitionsvertrag steht als Ersatz für die Parkhäuser in der City eine Stärkung der bestehenden Park & Ride‐Möglichkeiten.

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