Jugendliche beschäftigten sich einen Tag lang mit ihrem Konsum und seine Konsequenzen für andere auf der Welt

Wie die Welt zusammenhängt

Hulsberg. Was können wir hier in Bremen schon bewirken? Was hat unser Alltag mit dem Rest der Welt zu tun? Und warum sollte uns das kümmern? Mit einem Wort lassen sich fast alle Fragen beantworten: Konsum. Wie genau das, was wir kaufen, essen, wegschmeißen mit dem Leben von Menschen auf entfernten Erdteilen zu tun hat, haben Schülerinnen und Schüler aus vier Schulen in Bremen und Niedersachsen beim Eine-Welt-Tag in der Gesamtschule Mitte (GSM) untersucht.
30.10.2017, 00:00
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Von Liane Janz
Wie die Welt zusammenhängt

Wie präsentiert man ökofaire Mode? Schon die Generalprobe in der Aula der Gesamtschule Mitte hat den Jugendlichen und den Referentinnen Spaß gemacht.

Walter Gerbracht

Hulsberg. Was können wir hier in Bremen schon bewirken? Was hat unser Alltag mit dem Rest der Welt zu tun? Und warum sollte uns das kümmern? Mit einem Wort lassen sich fast alle Fragen beantworten: Konsum. Wie genau das, was wir kaufen, essen, wegschmeißen mit dem Leben von Menschen auf entfernten Erdteilen zu tun hat, haben Schülerinnen und Schüler aus vier Schulen in Bremen und Niedersachsen beim Eine-Welt-Tag in der Gesamtschule Mitte (GSM) untersucht. Was sie dabei herausgefunden haben, stellten sie öffentlich vor.

„Der Weg der Schokolade“ war beispielsweise ein Thema. Die Jugendlichen recherchierten den Weg von Anbau und Ernte der Kakaobohne in Afrika und Südamerika bis zur Produktion der Schokolade und dem Verkauf in Europa und Nordamerika. Die Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern von Kakao sind prekär: kein Arbeitsschutz, kein gerechter Lohn, kein Urlaub, keine Krankenversicherung. Sollte man so etwas wirklich unterstützen?

Ähnliche Überlegungen stellte die Gruppe an, die sich mit Mode beschäftigte. „Am Anfang haben wir uns über die Hintergründe der Textilindustrie unterhalten“, erzählt die Referentin Randy Haubner, die gemeinsam mit zwei weiteren Fachfrauen den Mode-Workshop leitete. Welchen Weg legt eine Jeans zurück? Auch dabei spielten die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken und die Rohstoffe eine Rolle. „Wir haben gemeinsam überlegt, was man tun kann“, sagte Hübner. Das fange bei der Kaufentscheidung an, die Einfluss auf die Lebensbedingungen der Näherinnen habe, habe mit den Labels zu tun, die möglichst billig produzieren möchten, und mit der Politik, die bessere Rahmenbedingungen schaffen könnte. Die Gruppe ging ins Viertel, sah sich in Läden um und stieß auf Konzepte, wie man nachhaltiger mit Mode umgehen kann. Einige Läden haben sich auf den Handel mit fair produzierter Kleidung spezialisiert, aber auch Second-Hand-Handel ist nachhaltig. Man könnte auch im Freundeskreis oder auf Tauschpartys Klamotten tauschen oder sie einfach ganz lange tragen und sich nicht zu jeder Saison etwas Neues kaufen, überlegten die sieben Schülerinnen und Schüler. Einige Läden stellten ihnen Kleidung für eine öko-faire Modenschau zur Verfügung.

Weitere Schwerpunkte der insgesamt 13 Workshops waren unter anderem Tourismus, Müll, nachhaltige Mobilität und virtuelles Wasser. Das ist das verbrauchte Wasser, das niemand sieht, der sich eine neue Hose oder einen Cheeseburger kauft. 2600 Liter seien das für einen Cheeseburger, wusste ein Schüler am Ende zu berichten.

Auch mit Hip-Hop kann man sich ausdrücken. Drei Schülerinnen wollten das ausprobieren und meldeten sich für den Workshop „Hip Hop Hurray“ von Kefaet Prizreni und Abil Misini an. Kefaet Prizreni und sein Bruder Selami haben das Projekt mit Hilfe der Unicef im Kosovo ins Leben gerufen. Dorthin waren die Roma-Brüder, die in Essen aufgewachsen sind und deren Familien in Essen leben, im Jahr 2010 abgeschoben worden. Vier Jahre später waren sie wieder in Deutschland.

Selami Prizreni ist inzwischen ein zweites Mal abgeschoben worden, weshalb sein Bruder Kefaet einen Freund, den DJ Abil Misini, mit nach Bremen brachte. Über Kefaet Prizrenis Status ist noch nicht entschieden. An der GSM trainierten die beiden die drei Hip-Hop-Neulinge. Das Ergebnis zeigten sie am Eine-Welt-Tag auf der Bühne.

Für die Workshops sollten gezielt Referentinnen und Referenten eingesetzt werden, die nicht an den Schulen lehren, sagt Birte Habel vom Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (biz), das den Eine-Welt-Tag in Bremen zusammen mit dem Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB) organisiert hatte.

Das biz stellte die Fachleute, und die Lehrkräfte der Schulen erfuhren in einem eigenen Seminar mehr über globales Lernen. Die Idee hinter dem Projekt „globo:log – Regionale Eine-Welt-Tage Bremen/Niedersachsen“ sei, globales Lernen an den Schulen zu etablieren, sagt Birte Habel.

Die erste Runde der Eine-Welt-Tage ist mit dem Tag in der Gesamtschule Mitte abgeschlossen. In Bremen war die GSM die einzige Schule, an der die Veranstaltungen liefen, die anderen fünf Orte waren in Niedersachsen. Für den Tag waren Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium Hamburger Straße, der Freien Gemeinschaftsschule in Sebaldsbrück und der Integrierten Gesamtschule Oyten in die GSM an der Hemelinger Straße gekommen.

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