Mit Leinwand über Grenzen hinweg Bremerhavener Galerist vereint Handwerk und Kunst im Land Bremen

Julian Schmonsees ist gelernter Rahmenbauer und gibt anderen Künstlern die Möglichkeit, ihre Werke in seiner Galerie zu präsentieren. Er wird dabei von dem Bremer Künstler Christian Przygoda unterstützt.
17.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Helmut Stapel

Es ist wie eine Geschichte aus dem Bilderbuch. Ein 15-jähriger Junge betritt schüchtern einen Kunsthandel mit Galerie. Unter dem Arm hat er eine Mappe mit eigenen Bleistift-Zeichnungen. Sein Ziel: Er möchte seine Bilder gern ausstellen. 20 Jahre später ist er slbst Inhaber des Geschäftes, gelernter Rahmenbauer und gibt anderen Künstlern die Möglichkeit, ihre eigenen Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren – unter anderem aus der Stadt Bremen.

Julian Schmonsees sieht die Welt anders als andere Menschen. Sie besteht aus Farben, Formen, Linien und Geschichten – aus Bildern, die etwas zu sagen haben. „Ein Rahmen darf ein Bild nicht erdrücken. Er unterstützt die Bildsprache, unterstreicht ein paar Wörter in dem Satz, den das Bild zu sagen hat“, erklärt der 35-Jährige.

Kunst des Bilderrahmens hat Ursprung in Italien

Er steht in seinen Werkstatträumen hinter der Galerie. In einer Bilderrahmen-Schmiede in Venedig könnte es nicht besser aussehen. Holzrahmen, Baumwoll-Lappen, Arbeitsflächen, Hammer und Nagel, einzelne Flaschen mit geheimnisvollem Inhalt, gerahmte Bilder stehen in der Ecke. „Tatsächlich hat die Kunst des Bilderrahmens ihren Ursprung in Italien“, sagt Julian Schmonsees. „Im 15. Jahrhundert fingen die Leute an, den Stil der Stuckleisten von den Zimmerdecken auch für Wandgemälde zu nutzen, um sie zu verschönern.“

Unterstützt wird Schmonsees bei seiner Arbeit vom Bremer Künstler Christian Przygoda. Er berät Kunden bei der Bilder- und Rahmenauswahl, fertigt Rahmen an und stellt seine eigene Kunstwerke auch im Verkaufsraum aus. Der 54-Jährige ist in Bremen unter anderem bekannt durch seine Arbeiten als Kinoplakat-Maler für die Kinos Schauburg, City und Europa sowie Ausstellungen in der Villa Sponte und im Schnoorviertel.

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„Den ersten Kontakt hier zur Galerie hatte ich bereits vor zehn Jahren“, erzählt Przygoda. „Mit Julians Geschäftsübernahme vor zwei Jahren hat sich das dann intensiviert.“ Dazu gehört neben der gemeinsamen Arbeit in der Werkstatt auch die Kunstpräsentation. Großformatige Porträts von Musikern sind eine Spezialität von Christian Przygoda. So hängen im vorderen Verkaufsraum unter anderem die Sängerin Björk, Paul McCartney oder auch mal Bob Marley. „Das liegt an meiner zweiten Leidenschaft, der Musik“, sagt Przygoda.

„In herkömmlichen Galerien muss man oft Referenzen“

Für Inhaber Julian Schmonsees ist es zweitrangig, woher welche Kunst kommt. „Ich bin da sehr offen für viele verschiedene Kunstrichtungen“, sagt er und das sieht man beim Stöbern im Verkaufsraum neben der Galerie. Pop-Art, alte Klassiker, Impressionisten, Griffelkunst, Drucke, Poster, Fotos, Ölbilder, Skulpturen – mehrere hundert Kunstwerke warten darauf, entdeckt zu werden. Julian Schmonsees vereint mit seinem Unternehmen als Einziger in Bremerhaven den Rahmenbau mit dem Kunsthandel und der Galerie. „Mich treibt es an, anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Kunst auszustellen. In herkömmlichen Galerien muss man oft Referenzen vorweisen. Das muss man bei mir nicht“, sagt Julian Schmonsees.

So bietet er auch Raum für die Bremer Künstlerin Sarah Hillebrecht. Die Lebensgefährtin von Christian Przygoda ist gelernte Holzbildhauerin und hat ihre Ausbildung in Süddeutschland gemacht. In der Bremer Kulturszene ist sie durch ihren Unterricht im Kubo Ostertor und Kooperationen im Schnoor-Viertel bekannt.

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In Bremerhaven stellt Hillebrecht verschiedene Skulpturen aus, die sie in ihrem Atelier in Bremen-Peterswerder herstellt – einer ehemaligen Apotheke mit Außenbereich. „Hier bearbeite ich draußen auch größere Holzstücke mit der Kettensäge“, erzählt sie. An der Präsenz in der Bremerhavener Galerie schätzt sie vor allem die unkomplizierte Zusammenarbeit und die persönliche Nähe zu den Kunstinteressierten.

Julian Schmonsees hat inzwischen in der Werkstatt den Rahmen für das Bild eines Kunden fertig. Es ist eine Zeichnung von Horst Janssen. „Ich selbst habe einiges von Janssen in meinem Besitz. Ich mag seinen Stil“, erzählt er. Ganz so oft wie früher kommt Julian Schmonsees durch die Arbeit in seinem Geschäft nicht mehr zum Zeichnen. Aber ganz legt er den Bleistift garantiert nicht aus der Hand: „Das zieht sich durch mein Leben wir ein roter Faden und bleibt auch so.“

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