Tischgespräch im Restaurant Edelweiss

Wie ein Kurzurlaub in Österreich

In seinem Restaurant Edelweiss tischt Klaus Prinke-Vesecky neben deftigen Klassikern der deutsch-österreichischen Küche auch ausgefallene Kreationen wie gebackene Weißwurst auf.
20.02.2020, 06:03
Lesedauer: 3 Min
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Wie ein Kurzurlaub in Österreich
Von Temi Tesfay
Wie ein Kurzurlaub in Österreich

Temi Tesfay im Gespräch mit Klaus Prinke-Vesecky.

Christina Kuhaupt

"Cheers“, sagt Klaus Prinke-Vesecky erleichtert, nachdem wir uns endlich für eine Vorspeise entschieden haben. Genauso wenig, wie ich mich in dieser an allen Ecken und Enden nach dem Verzehr von Bier schreienden Almhütte für meinen Weißwein schäme, geniert er sich für seine Gerichtswahl, die es in der Weise wohl in kaum einem anderen deutsch-österreichischen Lokal auf der Karte gibt. Ja, nicht mal auf seiner eigenen. Aber nachdem der Wirt seine gebackenen Weißwürste bei der TV-Show „Mein Lokal, Dein Lokal“ präsentierte, hätten viele Gäste die Abwandlung seines Schmankerls nachgefragt, sodass er sie nun auf Wunsch auch anbiete.

„Sicherlich sagen manche ,Pfui, Teufel’“, erzählt der 58-Jährige. „Aber für mich macht einen guten Koch aus, aus Klassischem mal was anderes zu machen.“ Ein Rezept, das zumindest bei der „Kabel-Eins“-Sendung aufging, wo das im Bahnhofsviertel gelegene Restaurant Edelweiss 2017 den ersten Platz belegte und fortan dauerhaft ausgebucht war. Prinke-Wesecky erzählt, dass sie wochenlang mehrere Dutzend Gäste nach Hause schicken mussten und er sich seitdem einen Wintergarten wünscht, aber bisher leider keine Genehmigung erhalten habe.

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Während der Wirt kurz vor dem zehnjährigen Jubiläum von weiteren Träumen erzählt, werden wir von der charmanten Kellnerin unterbrochen: Die gebackene Weißwurst (8,60), serviert mit Brezel und süßem Senf, ist da. Um es kurz zu machen: Die panierte und goldbraun frittierte Wurst ist nicht nur eine witzige Idee, sondern auch eine überzeugende.

Probiert und empfohlen: Aus der Kategorie „Bodenständiges“ geht es mit dem gebackenen Leberkäse (13,90) weiter. „Klassisch gibt’s den eigentlich mit Kartoffel-Gurken-Salat“, kommentiert Prinke-Vesecky den Teller. Nachdem es jedoch 80 Prozent Umbestellungen gab, habe man das Gericht lieber direkt „eingenordet“ und standardmäßig Bratkartoffeln angeboten. Vielleicht wäre die klassische Beilage aber doch besser gewesen, denke ich mir und weise darauf hin, dass mir die Bratkartoffeln nicht kross genug sind.

Die richtige Metzgerei musste erst gefunden werden

„Stimmt, man hätte sie länger in der Pfanne lassen können“, räumt mein Gegenüber ein. Am Leberkäse, typisch mit Spiegelei drapiert, gibt's hingegen nichts auszusetzen. Das 220 Gramm starke Stück sei „fest, aber nicht zu locker", befindet der Gastronom, der die Speise zu Beginn nicht auf der Karte hatte, da sein österreichischer Mann Heinz lange keine Metzgerei fand, die mit der gewohnten Qualität aus der Heimat mithalten konnte.

Abermals aus der Kategorie “Bodenständiges” wählen wir nun die Rinderroulade (16,80). „Eines meiner Lieblingsgerichte“, kündigt Prinke-Vesicky vollmundig an. Mal sehen, ob auch ich diesen mit Zwiebeln, Speck, Gurke und Senf gefüllten Rouladen samt Rotkohl und Semmelknödeln, allesamt hausgemacht, verfalle. Während ich noch probiere, tönen von anderer Seite schon die Lobeshymnen auf „top gegartem“ Fleisch, „gutem“ Knödel und „perfekt eingelegtem“ Rotkohl. In den Chorus kann ich aber leider nur begrenzt einstimmen.

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Das Schmorrind ist solide, mit der dunklen Sauce und dem vorzüglichen Rotkohl kombiniert sogar überaus schmackhaft, die Knödel verblassen für mich jedoch ganz im Geschmack. Ich erinnere Prinke-Vesecky scherzhaft daran, wie er vorhin noch zu mir sagte, dass er Köche, die zu wenig würzen, feige fände. “Ja, da war eindeutig zu wenig Salz im Wasser, sodass der Knödel ausgelaugt ist“, räumt er schließlich ein.

Der Koch im Krokettentest

„Eines der schönsten Gerichte, die wir auf der Karte haben“, bemerkt der Hausherr beim Anblick des abschließenden Gerichts: dem Ramsauer Speckhendl (17,10) mit zartem, im Speckmantel gebratenem Hähnchenbrustfilet, knackig-frischem Saisongemüse aus Paprika, Champignons, Sellerie und Prinzessbohnen sowie – notabene – hausgemachten Kroketten. „Diese hier haben nichts mit TK-Kroketten gemein“, betont der Koch, der besonders stolz darauf ist, für den Krokettentest der ZDF-Sendung WISO als Experte ausgewählt worden zu sein. Die Distinktion zur TK-Ware findet sich optisch in der kugelrunden Form angedeutet und geschmacklich in der besonders cremigen Konsistenz vollendet. Zur vollkommenen Zufriedenheit fehlen uns beiden jedoch einige Prisen Salz.

Der Gruß aus der Küche: Da er im eigenen Lokal zu Genüge deftige Fleischspeisen hat, mag Prinke-Vesecky es auswärts gerne anders: „Da gehe ich gern ins Fisherman’s und probiere mich kreuz & quer durch.“ Zudem empfiehlt er die ebenfalls am Wall gelegene Mühle, wo es ihn neben dem tollen Ambiente vor allem wegen des herzlichen Personals hinzieht.

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Zur Person

Temi Tesfay hat Hunger auf Bremen. Auf seinen wöchent­lichen Streifzügen durch die heimische Gastroszene hat er schon viele Küchen, Köche und ­kulinarische Schätze der Stadt kennengelernt. Unter dem Titel „Mahlzeit Bremen“ schreibt er außerdem einen Foodblog.

Weitere Informationen

Restaurant Edelweiss, Bahnhofsplatz 8, 28195 Bremen, Telefon: 0421 14688, Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 12.00 bis 24 Uhr, Sonntag von 12 bis 23 Uhr, nicht barrierefrei, www.edelweiss-bremen.de

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