Medikament als Heroin-Ersatz

Wie ein Schmerzmittel helfen kann

Süchtige können in einem speziellen Programm das Schmerzmittel Methadon erhalten. Es soll ihnen helfen, abstinent zu werden. Wie das funktioniert, erklären Experten.
04.08.2017, 20:09
Lesedauer: 3 Min
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Wie ein Schmerzmittel helfen kann
Von Jan-Felix Jasch
Wie ein Schmerzmittel helfen kann

Wolfgang Adlhoch und Cornelia Barth in der Methadon-Ausgabe.

Frank Thomas Koch

Das Schmerzmittel Methadon ist ein Medikament. Es kann Heroinabhängigen helfen, auf den intravenösen und illegalen Gebrauch der Droge zu verzichten. Die Wirkungen und Nebenwirkungen von Methadon gleichen im Wesentlichen denen des Heroins. Das Arzneimittel erzeugt ebenfalls eine hohe Abhängigkeit.

Der Vorteil in der Behandlung ist, dass Methadon in flüssiger Form eingenommen werden kann. Anders als Heroin verursacht es im Körper keinen „Kick“ – ein schnell eintretendes Gefühl des Wohlbefindens. Um längerfristig Methadon erhalten zu können, müssen Süchtige volljährig und mindestens zwei Jahre heroinabhängig sein.

Ziel der sogenannten Substitutionsbehandlung ist es, eine Heroinfreiheit oder zumindest eine gesundheitliche Stabilisierung zu ermöglichen. In Bremen bieten mehrere Arztpraxen sowie die Comeback GmbH Substitutionsbehandlungen an. Rund 1400 Menschen nehmen in der Hansestadt das Angebot in Anspruch, sagt Malte Hinrichsen, Sprecher des Gesundheitsressorts, auf Anfrage.

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Die Comeback GmbH hat spezielle Programme für Frauen, für Männer und bietet die sogenannte Überbrückungssubstitution an. Diese dient dazu, Betroffene im Anschluss an einen Krankenhaus- oder Haftaufenthalt weiter zu behandeln. In den Projekten werden die Teilnehmer gleichzeitig psychosozial begleitet.

Einen Substitutionsplatz zu finden, sei häufig schwierig, weiß Cornelia Barth, Sozialarbeiterin bei Comeback. Viele Mediziner seien nicht bereit, sich in diesem Bereich zu engagieren, weil dieser stark reguliert werde und die Sorge vor Strafverfolgung groß sei.

Bei manchen dauert es Jahre

"Außerdem darf ein einzelner Arzt in der Regel nur 50 Patienten aufnehmen. Da einige dieser Plätze auf sehr lange Zeit vergeben sind, kommt es mitunter zu langen Wartezeiten“, sagt sie. Einigen Substituierten gelingt die Abstinenz und soziale Integration innerhalb von Wochen, bei anderen dauert es Jahre.

„Manche Menschen benötigen die Substitutionsbehandlung auch lebenslang, da ohne sie eine Verschlimmerung der gesundheitlichen und sozialen Situation nicht verhindert werden kann“, sagt Barth. Langzeitsubstituierte müssen sich jedoch rechtfertigen und die Notwendigkeit der Behandlung begründen, weil diese laut Gesetz derzeit nur für den Übergang vorgesehen ist.

Zu Beginn einer Behandlung muss zunächst die passende Dosierung gefunden werden. Doris Bollhagen, Ärztin und Betreuerin des Substitutionsprogramms für Männer, setzt dabei auf die Mithilfe ihrer Patienten. Sie verabreicht zunächst kleinere Mengen und steigert diese in Absprache mit dem Patienten bis zu einer ausreichenden Dosis.

Kaum mit einem normalen Job vereinbar

Die benötigte Medikation variiert individuell sehr stark. Es gibt bei der Methadon-Abgabe Unterschiede von zwei bis 20 Milliliter oder mehr. In den Vergabestellen darf nur die Dosis für den jeweiligen Tag ausgegeben werden. Das macht den Patienten das Arbeiten schwer, da die meisten Praxen nur während der Dienstzeit geöffnet haben. „Das ist mit einem normalen Job kaum vereinbar“, sagt Barth.

Nur für stabile Patienten gibt es eine sogenannte Take-Home-Regelung. Betroffene können ein Rezept für bis zu sechs Tage in einer Apotheke einlösen. Dies gilt jedoch in der Regel nur bei Abgabemengen unter zehn Millilitern. Für den Großteil der Substituierten erfolgt die Vergabe auch am Wochenende und an Feiertagen täglich – entweder in der Arztpraxis oder über einen mit geschultem Personal besetzten Bus. In Bremen fährt dieser vier verschiedene Haltepunkte an.

„Ein Problem bei der Behandlung Substituierter ist die nicht ausreichende psychosoziale Betreuung“, sagt Barth. Eine angemessene Unterstützung sei zwar in den ergänzenden Methadon-Programmen möglich, aber sobald die Süchtigen in einer Arztpraxis substituiert werden, fällt diese Gelegenheit weg. Die Kapazitäten der Beratungsstellen reichten nicht aus. Dann bleibe den Patienten nur die Möglichkeit, im Rahmen des betreuten Wohnens diese psychosoziale Unterstützung zu erhalten.

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