Fachforum zum Austausch der Partnerstädte Wie Frauen in Bremen und Danzig arbeiten

Viele Frauen aus dem Ausland arbeiten als Pflegekräfte in deutschen Privathaushalten. Da ein großer Teil von ihnen aus Polen stammt, war dies Schwerpunkt des 1. Deutsch-Polnischen Forums Frau und Beruf.
11.03.2017, 17:32
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Wie Frauen in Bremen und Danzig arbeiten
Von Sabine Doll

Viele Frauen aus dem Ausland arbeiten als Pflegekräfte in deutschen Privathaushalten. Da ein großer Teil von ihnen aus Polen stammt, war dies Schwerpunkt des 1. Deutsch-Polnischen Forums Frau und Beruf.

Rund 200 000 Frauen ausländische Pflegekräfte arbeiten nach Schätzungen in deutschen Privathaushalten. „Viele von ihnen kommen aus Polen, bei einem großen Teil ist die Arbeit in dem privaten Umfeld allerdings undokumentiert, das heißt, sie arbeiten schwarz.“ Patrycja Kniejska ist Expertin auf diesem Gebiet, sie hat sich in ihrer Doktorarbeit mit der Situation der sogenannten Pendelmigrantinnen aus Polen befasst.

Am Sonnabend war das Thema Schwerpunkt des 1. Deutsch-Polnischen Forums Frau und Beruf, zu dem die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen in Zusammenarbeit mit dem Bremer Frauenausschuss eingeladen hat. Das Forum, zu dem 13 Frauen aus Bremens Partnerstadt Danzig angereist waren, hat am Mittwoch begonnen und lief bis zum Sonnabend.

An der Abschlussveranstaltung war auch die Bremer Heimstiftung beteiligt, die sich intensiv mit dem Thema Pflegekräfte aus dem Ausland befasst. „Rund 20 Prozent der Beschäftigten in unseren Einrichtungen kommen aus Polen“, sagte Alexander Künzel, Vorstandsvorsitzender der Heimstiftung. Aktuell entwickele die Heimstiftung Pläne für eine Agentur, die künftig Pflegekräfte aus Polen in Bremen vermitteln soll. „Der Bedarf an Pflegekräften ist überall in Deutschland groß, in den Einrichtungen, aber auch in der häuslichen Pflege“, betonte Patrycja Kniejska, die bei der Bremer Heimstiftung für dieses Thema zuständig ist. „Das ist ein Grund. Viele Frauen sind aber auch aufgrund der Arbeitsmarktsituation in Polen zur Pendelmigration gezwungen.“

Mangelndes Vertrauen in Institutionen

In ihrer Doktorarbeit befasste sich Patrycja Kniejska aber vor allem mit der privaten Beschäftigung polnischer Pflegekräfte. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen, weil ein Großteil der Pflegebedürftigen so lange wie möglich zu Hause betreut werde. Unter anderem, weil Angehörige dies aus unterschiedlichen Gründen nicht in Vollzeit selbst leisten könnten. Patrycja Kniejska hat 26 polnische Pflegekräfte, die in deutschen Privathaushalten arbeiten für ihre Dissertation interviewt.

Den meisten Frauen seien legale Beschäftigungsmöglichkeiten zwar einigermaßen bekannt, dennoch würden sich viele ganz bewusst für eine undokumentierte Tätigkeit entscheiden. „Sie erklären dies unter anderem mit dem mangelnden Vertrauen den Vermittlungsagenturen und anderen Institutionen gegenüber. Sie befürchten, dass diese Unternehmen auf ihre Kosten verdienen, sie über Arbeitsbedingungen nicht richtig informieren würden oder für die anstellenden Familien zu teuer sind. Das erklärt diese Schattenzone zu einem großen Teil, die in Deutschland ein offenes Geheimnis ist und eine große Akzeptanz hat“, so die Expertin.

Austausch auch nach Forum fortsetzen

Die deutschen und polnischen Teilnehmerinnen aus der Partnerstadt Danzig diskutierten während ihres Aufenthalts in Bremen eine ganze Reihe von Themen rund um den Schwerpunkt „Frau und Beruf“. So ging es unter anderem um die Entlohnung von Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, Erfahrungen bei der Wiederaufnahme der Arbeit nach der Geburt von Kindern und um die Situation alleinerziehender Mütter.

Uwe Metschke ist Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen. Er kündigte an, dass der Austausch auch nach dem Forum fortgesetzt werden soll. „Es gibt sehr viele Parallelen zwischen Bremen und Danzig, bei einer ganzen Reihe von Themen.“ Arbeitsmigration sei eines davon, betonte Jolanta Murawska, sie ist im Danziger Rathaus zuständig für Städtepartnerschaften.

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