Keine Aktivitäten des Rocker-Clubs seit März Wie gefährlich sind die Osmanen Germania wirklich?

Die Polizei hat in Bremen seit März keine Aktivitäten des Rocker-Clubs registriert - Recherchen von Medien zeigen aber, wie gefährlich die Gruppe ist.
14.12.2017, 19:57
Lesedauer: 3 Min
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Wie gefährlich sind die Osmanen Germania wirklich?
Von Jan Oppel

Die Osmanen Germania gelten als der am schnellsten wachsende Rocker-Club in Deutschland. Ende 2014 hat sich der Verein gegründet und soll in Deutschland bereits mehr als 20 Ortsgruppen und rund 2500 Anhänger haben. Im Juli sorgten die Osmanen auch in Bremen mit einem größeren Treffen in der Bahnhofsvorstadt für Aufsehen. Nach Angaben der Polizei konnte sich die Gruppe hier aber bislang nicht etablieren.

„In der ersten Gründungsphase der Ortsgruppe Bremen wurden sieben Mitglieder gezählt“, teilt Polizeisprecher Horst Göbel auf Nachfrage des WESER-KURIER mit. Alle seien den Sicherheitsbehörden namentlich bekannt. Seit März dieses Jahres seien in Bremen aber keine Aktivitäten des Clubs mehr registriert worden. „Daher lässt sich zum heutigen Zeitpunkt weder eine aktuelle Mitgliederzahl einschätzen noch eine Gefahr bewerten.“

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Anders als etwa die Hells Angels oder die Bandidos sind die Osmanen Germania kein Motorradclub. Sie geben sich stattdessen als harmloser Boxverein aus, die Polizei führt sie aber als „rockerähnliche Gruppierung“ mit engen Verbindungen zur organisierten Kriminalität. In der Gründungsphase diente der hiesigen Ortsgruppe nach Polizeiangaben ein Haus am Steffensweg in Walle als gelegentlicher Treffpunkt.

„Dort hat die Polizei in den letzten Monaten aber keine Treffen der Mitglieder mehr feststellen können, sagt Sprecher Horst Göbel. „Ein Clubhaus oder regelmäßiger Treffpunkt ist uns zu keiner Zeit bekannt geworden.“ Bei einer Zusammenkunft im März 2017 kontrollierte die Polizei dort mehrere Mitglieder der Osmanen Germania. Zurzeit zeigen die Bremer Anhänger vor allem im Internet Präsenz. Ihre Facebook-Seite hat rund 320 Mitglieder. Auf verschiedenen Fotos posieren Mitglieder des Clubs mit geballten Fäusten.

Kontakte zum türkischen Geheimdienst

Anfang Juli hatten sich die Osmanen Germania in der Bremer Bahnhofsvorstadt getroffen. Spezialkräfte der Polizei stürmten daraufhin den Saal eines Veranstaltungslokals am Herdentorsteinweg. Mit einem Großaufgebot waren die Beamten in der Innenstadt aufgelaufen und kontrollierten etwa 80 Mitglieder des Clubs.

„Wir haben klargemacht, dass wir derartige Treffen nicht dulden“, sagte ein Polizeisprecher damals. Die Anhänger der Osmanen Germania waren aus dem Umland, anderen Bundesländern und den Niederlanden angereist. Das Bremer Landeskriminalamt geht davon aus, das einzelne Mitglieder auch Kontakte zum türkischen Geheimdienst haben. Ein aktueller Fall aus Stuttgart scheint diese These zu stützen.

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Das LKA prüfe zurzeit, ob die Gruppe politisch vom Ausland gesteuert werde, sagte Baden-Württembergs Landeskriminaldirektor Klaus Ziwey am Mittwoch. Laut dem LKA-Chef haben die Osmanen Verbindungen zur Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). Diese gilt nach Angaben des Innenministeriums in Deutschland als inoffizielle Auslandsorganisation der AKP. Das ist die Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Das ZDF-Magazin Frontal 21 und die Stuttgarter Nachrichten berichten unterdessen, dass ein türkischer Politiker mit guten Verbindungen zu Erdogan ebenfalls enge Beziehungen zu den Osmanen gepflegt haben soll. Die Medien geben unter Berufung auf Abhör- und Observationsprotokolle deutscher Sicherheitsbehörden an, Metin Külünk, AKP-Abgeordneter und enger Freund Erdogans, habe Geld an führende Mitglieder der Osmanen übergeben oder übergeben lassen.

Die Ermittler gingen demnach davon aus, dass von dem Geld auch Schusswaffen gekauft worden seien. Nach den Recherchen sind vor allem in Deutschland lebende Kurden sowie Erdogan-Kritiker Ziel möglicher Angriffe durch die Osmanen Germania.

Ärger mit Jan Böhmermann

Külünk soll den Recherchen zufolge auch daran mitgewirkt haben, die Proteste gegen die Armenier-Resolution des Bundestages im vergangenen Jahr zu organisieren. Ein Kontaktmann Külünks, der frühere Osmanen-Chef Mehmet Bagci, sitzt derzeit wegen anderer Tatvorwürfe mittlerweile in Untersuchungshaft.

Nach Berichten der beiden Medien geriet auch der Bremer TV-Moderator Jan Böhmermann ins Visier der Osmanen Germania: Ende März 2016 hatte er in seiner ZDF-Sendung Neo Magazin Royale ein Schmähgedicht auf den türkischen Staatspräsidenten Erdogan vorgetragen. Daraufhin habe ein UETD-Funktionär aus Mannheim am 1. April den Osmanen-Präsidenten Bagci angerufen.

Der sollte mit seinen Männern „eine Bestrafungsaktion bei einem ­Kritiker des türkischen Staatspräsidenten durchführen“, heißt es. Es gehe um eine Person, „die beim ZDF in Mainz arbeitet“. Ermittler der Polizei warnten daraufhin Jan Böhmermann und beschützten ihn. Daraufhin schaltete sich erneut der AKP-Abgeordnete Metin Külünk ein: Der habe die UETD aufgefordert, Anhänger zu mobilisieren, Strafanzeigen gegen Böhmermann wegen der Beleidigung des türkischen Präsidenten zu stellen, heißt es in den Berichten.

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