Thomas Claßen erläutert verschiedene Aspekte

Wie Grünflächen die Gesundheit fördern

Bürgerpark, Wallanlagen, das Hollerland oder der Rhododendron-Park lassen keinen Zweifel daran, wie grün Bremen an manchen Stellen ist. Wie wichtig Grünflächen für die Gesundheit und für das Befinden eines Menschen sind, erläuterte Thomas Claßen in seinem Vortrag „Alles im grünen Bereich.
07.05.2015, 00:00
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Von Ina Schulze

Bürgerpark, Wallanlagen, das Hollerland oder der Rhododendron-Park lassen keinen Zweifel daran, wie grün Bremen an manchen Stellen ist. Wie wichtig Grünflächen für die Gesundheit und für das Befinden eines Menschen sind, erläuterte Thomas Claßen in seinem Vortrag „Alles im grünen Bereich. Wie Stadtgrün die Gesundheit fördert“ im Alten Fundamt.

Es gibt unterschiedliche Einflussfaktoren auf die Gesundheit, dazu zählen laut Claßen Lebensziele, das eigene soziale Kapital, körperliche Aktivitäten oder eben auch die bebaute und natürliche Umwelt oder der Klimawandel. „Es gibt gesundheitsfördernde Aspekte auch in urbanen Räumen“, sagte Thomas Claßen, der seit 2011 die Junior-Forschungsgruppe „StadtLandschaft & Gesundheit“ an der Universität Bielefeld leitet.

In Städten sei laut Claßen aber auch eine hohe Versorgungsdichte eine wichtige Gesundheitsressource. „Auf dem Land hat man es schwerer, entsprechend ärztliche Versorgung sicher zu stellen“, betonte Claßen. Auch die vielfältige Mobilität und kurze Wege seien positiv zu bewerten. Aber: „Grünstrukturen als Teil der Ökosystemleistung sind ein Minderungspotenzial in Hinblick auf Luftverschmutzung, Umweltlärm oder Schadstoffsenke von Feinstaub“, so der Diplom-Geograf. Stadtgrün bewirke eine angenehme Geräuschemission dadurch, dass sie Stadtlärm entgegensetzt werde. Außerdem haben Grünflächen laut Claßen eine klimatologische Ausgleichsfunktion, wie zum Beispiel eine gehobene Feuchtigkeit in der Stadt oder Kühlungseffekte am Tag. Graue Betonwüsten seien oft heißer, sagte er.

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Darüber hinaus würden Grünflächen auch als Erlebnis-, Begegnungs-, Bewegungs- oder Entspannungsräume wahrgenommen. „Zahlreiche Studien haben belegt, dass das Naturerlebnis insbesondere die psychische und körperliche Erholung fördern kann“, berichtete der Referent. Im Alltag sei ständig eine starke Aufmerksamkeit gefordert, man müsse immer präsent sein. Natürliche Reize wie Stadtgrün, Landschaften, Pflanzen und Tierkontakte würden zwar auch Aufmerksamkeit fordern, „das Interessante ist aber, dass die geistige Ermüdung meist nicht einsetzt“, sagte Thomas Claßen. In einer Studie sei festgestellt worden, dass Patienten mit Blick aufs Grüne schneller genesen und weniger schmerzlindernde Medikamente benötigten, als Patienten, die nur auf puren Beton schauen mussten.

Durch die Kombination von unterschiedlichen Bewegungsmöglichkeiten im öffentlichen Stadtgrün werde die emotionale Stimmung aufgehellt und das Selbstbewusstsein gestärkt, fuhr der Referent fort. Und auch das Angstempfinden würde gelindert, sofern Parks und öffentliche Grünanlagen gut ausgeleuchtet seien.

„Eine verbesserte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit sieht man insbesondere bei Kindern, die zum Beispiel ein Aufmerksamkeitsdefizit Syndrom haben“, sagte Claßen. Generell sei eine vielfältige Reizumgebung für die kindliche Entwicklung wichtig, sie fördere die Kreativität. „Natur bietet relative Kontinuität“, fuhr er fort. „Ein Baum wächst langsam, aber trotzdem ist er ständig im Wandel.“

Studien aus der USA belegen laut Uni-Vertreter außerdem, dass Menschen sich bei einer höheren Baumdichte oder mehr Grünflächen lieber im Freien aufhalten. Das wiederum fördere die soziale Interaktion, sagte Thomas Claßen, und wirke aggressions- und kriminalitätsmildernd.

Auch wenn die Bedürfnisse, Wahrnehmungen und Nutzungen von Grünflächen von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind, haben sie offenbar viele Vorteile. Daher müssten sie geschaffen, gepflegt oder erhalten bleiben, bilanzierte Claßen. Es gebe zwar viele Erkenntnisse zur Natur und ihrer gesundheitlichen Wirkung, „aber es sind oft nur Studien, die das quasi hintenherum belegen – durch Assoziationen. Über die Wirkungsweise und Höhe dieses Effektes weiß man noch wenig.“

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