Urbanscreen in den USA Wie Ideen an Fassaden projiziert werden

Die Macher des Bremer Unternehmens Urbanscreen haben zur Eröffnung des Deutschlandjahrs in Washington, Indianapolis und Atlanta riesige Lichtkunst- und Medieninstallationen konzipiert.
11.10.2018, 20:07
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Wie Ideen an Fassaden projiziert werden
Von Pascal Faltermann

Die Bilder sind zentimetergenau an die Fassade projiziert, auf jede Kante angepasst. Das Gebäude wird detailliert illuminiert, die bewegten Bilder sind sogar auf den Takt der Musik angepasst. Was die Macher des Künstlerkollektivs Urbanscreen konzipieren ist stimmig. Es sitzt, passt, wackeln nicht, hat aber Luft. Das Bremer Unternehmen aus der Alten Schnapsfabrik in der Neustadt ist bekannt für ortsspezifische Medieninstallationen und künstlerische Fassadenprojektionen.

Seit Anfang Oktober überzeugten sich die Amerikaner von den Werken aus der Hansestadt. Zur Eröffnung des Deutschlandjahrs kreierte das Team um die beiden Geschäftsführer Majo Ussat und Till Botterweck riesige Lichtkunst- und Medieninstallationen in Washington DC, Indianapolis und Atlanta. Drei Orte, drei unterschiedliche Ideen.

Urbanscreen hat in einer Ausschreibung des Goethe-Instituts überzeugt und sich den Job in den USA gesichert. Die drei Gebäude waren vorgegeben. In Washington DC die Residenz der deutschen Botschafterin Emily Haber, in Atlanta die Public Library und in Indianapolis das Athenaeum. Außerdem sollte es um die deutsch-amerikanischen Beziehungen gehen, alles im Zusammenhang mit der Architektur der Bauwerke.

"Eine riesige Liste an Worten"

„Diese kleine Tournee war schon anstrengend“, sagt Majo Ussat. Der 47-jährige ist seit 2011 bei Urbanscreen und fungiert seit zwei Jahren als Geschäftsführer. Er arbeitet in dem Bremer Unternehmen als Produzent und Projektmanager. „Es war durchweg ein toller Erfolg, das Feedback der Amerikaner war überwältigend“, sagt Ussat nur kurz nach seiner Rückkehr. Fast 30 Stunden verbrachten er und sein Team, das aus zwischenzeitlich zwölf Personen bestand, in Flugzeugen und an Flughäfen.

Los ging alles mit der Eröffnung auf der Residenz der Deutsche Botschafterin in Washington: Für geladene Gäste wie SPD-Außenminister Heiko Maas gab es einen Empfang mit musikalischem Abendprogramm. Auf die Live-Klänge des Heeresmusikkorps Koblenz abgestimmt warfen die Bremer die erste Projektion auf das Gebäude mit stringenter Architektur und Säulen davor.

Im Anschluss illuminierten sie zahlreiche Anglizismen auf die Säulen. „Wir haben dabei eine riesige Liste an Worten eingebaut. Es war nicht so geplant, aber der Titel des Deutschlandjahres ,Wunderbar together‘ passte da voll drauf“, sagt Till Botterweck. Die Abstimmung und das Zusammenspiel mit dem Heeresmusikkorps „klappte super“, berichtet Ussat.

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Nur zwei Tage später das nächste Großprojekt an der Public Library in Atlanta. Die Urbanscreen-Künstler setzten eine sehr grafische Arbeit in Zusammenarbeit mit lokalen Jugendgruppen, die zu Hip-Hop tanzen um. Für das Bauhaus-Gebäude des deutsch-amerikanischer Architekten Marcel Breuer mussten die Bremer mit den Projektoren in ein Gebäude und auf der anderen Seite auf das Dach einer Galerie. „Das war technisch richtig schwierig“, sagt Ussat.

Einen Tag nach Atlanta ging es weiter in Indianapolis zum Athenaeum. Dort strahlten die Projektoren das rot-weiße Backsteinhaus mit einer historisch, filigranen Architektur an. Die Arbeit mit den Mitarbeitern des Athenaeums habe laut Ussat bestens funktioniert. Auch dort wurde die deutsch-amerikanischen Beziehungen im Zusammenhang mit der Architektur der Bauwerke in den Fokus gestellt.

Bereits weitere Anfragen aus den USA

Auf der Fassade waren deutsche Personen wie Dirk Nowitzki, Albert Einstein, Marlene Dietrich, Max Ernst oder Werner Herzog zu sehen. Personen, die in den USA Berühmtheiten sind. „Die Resonanz der Besucher in Indianapolis war überragend“, sagt Ussat. Die Menschen dort, hätten so etwas vorher noch nicht gesehen.

Insgesamt sei es die größte Herausforderung gewesen, die Technik für drei Projekte in kürzester Zeit zum Laufen zu bringen. Das alles in hoher Qualität. Die Macher von Urbanscreen hatten kaum Vorbereitungszeit, kaum Zeit zum Proben. Alles sei nur durch viel Kommunikation und viel Planung im Vorfeld gegangen, erklärt Ussat. Noch in Bremen hatten die Lichtkünstler 3 D-Modellen erstellt, die aus Scans der Gebäude beruhen, um Projektoren virtuell einzusetzen.

Dass die Lichtkunst von Urbanscreen als Exportschlager funktioniert, zeigt auch, dass es bereits weitere Anfragen aus den USA gibt. Das Unternehmen ist ohnehin in der ganzen Welt bekannt. Es projizierte Arbeiten auf das Sydney Opera House, die Hamburger Galerie der Gegenwart oder die Rice University in Houston.

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