Untersuchung des Leibniz-Instituts

Wie lange Schüler in Bremen sitzen

Für eine Woche haben die Kinder der Klasse 2B der Schule an der Lessingstraße Bewegungsmesser getragen. Das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie untersucht damit, wann und wie lange Kinder sitzen, liegen oder sich bewegen.
15.10.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Julius Heeke
Wie lange Schüler in Bremen sitzen

Der siebenjährige Lennart hat an der Studie teilgenommen.

Christina Kuhaupt

Für eine Woche haben die Kinder der Klasse 2B der Schule an der Lessingstraße Bewegungsmesser getragen. Ein münzgroßer Chip, der auf dem Oberschenkel festgeklebt wurde. Duschen konnten die Kinder damit, nur zum Schwimmen oder Baden musste er abgenommen werden. „Der hat voll den Abdruck hinterlassen“, beschwert sich Lennart. Wahrgenommen hat er den Chip allerdings kaum. So ging es den meisten seiner Klassenkameraden.

Das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie untersucht damit, wann und wie lange Kinder sitzen, liegen oder sich bewegen. Neben den Daten des Messgeräts füllen die Eltern der Kinder im Anschluss einen Fragebogen aus: Wobei und warum hat sich ein Kind bewegt oder eben nicht?

"Frau Kötti, können wir endlich raus?"

Insgesamt sollen 100 Kinder und Jugendliche Bremer Schulen untersucht werden. Dabei sind neben der Grundschule an der Lessingstraße und an der Augsburgerstraße, die Wilhelm-Olbers-Schule und die Oberschule am Leibnizplatz. Im Fokus stehen dabei die zweite und die neunte Stufe. „In der Grundschule bewegen sich die Kinder zwischendrin einfach noch mehr als später“, erklärt Projektleiterin Antje Hebestreit. Die Studie wurde von der Europäischen Union initiiert. Bisher fehlt es an verlässlichen Daten über das Sitzverhalten von Kindern und Jugendlichen, insbesondere im Hinblick auf den gestiegenen Medienkonsum.

Die Kinder waren leicht für das Projekt zu begeistern. Ausschlaggebend für die Eltern war, dass die Daten anonymisiert ausgewertet werden und keine Rückschlüsse auf einzelne Personen gezogen werden können. Nach der Erhebung erhält jeder Teilnehmer eine Rückmeldung zu seinem Bewegungsverhalten. Das Ergebnis der Studie wird Anfang 2016 vorgestellt. Parallel zu Bremen wird sie auch in Berlin und Limerick (Irland) durchgeführt.

Langes Sitzen erhöht unter anderem das Risiko von Fettleibigkeit. 60 Minuten aktive Bewegung pro Tag empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation. In der Klasse 2B ist das kein Problem: „Irgendwann merke ich, dass sie unruhig werden, dann wird etwas gespielt oder wir singen ein Lied“, sagt Klassenlehrerin Janina Kötteritzsch. Bewegung ist Teil des Unterrichts, außerdem gibt es viele lange Pausen im Hof.

„Frau Kötti, können wir endlich raus?“ – Lennart und seine Mitschüler werden langsam ungeduldig. So lange wie jetzt bei diesem Pressetermin müssen sie sonst nicht still sitzen.

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