Bremer Diversity Preis Wie Menschen mit einer bunten Gesellschaft umgehen

Zum fünften Mal ist am Montagabend der Bremer Diversity-Preis verliehen worden. Im Rathaus hat unter anderem die Professorin Yasemin Karakasoglu den „Bunten Schlüssel“ für ihr Engagement für Vielfalt und Verständigung erhalten.
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Wie Menschen mit einer bunten Gesellschaft umgehen
Von Alexander Tietz

Botschafter der Vielfalt

Zum fünften Mal ist am Montagabend der Bremer Diversity-Preis verliehen worden. Im Rathaus hat unter anderem die Professorin Yasemin Karakasoglu den „Bunten Schlüssel“ für ihr Engagement für Vielfalt und Verständigung erhalten. Neben zwei Unternehmen und einer Beratungseinrichtung gehören auch die Initiatoren des Internationalen Cafés zu den Preisträgern – sie sind die jüngsten an diesem Abend.

Der ehemalige Bürgermeister Henning Scherf ist gut aufgelegt. Nachdem mehrere Frauen, unter anderem die Schauspielerin, Ärztin und Buchautorin Marianne Koch sowie Staatsrätin Ulrike Hiller die Preisverleihung eröffnet haben, ist der 76-Jährige der erste Mann, der an diesem Abend ans Rednerpult tritt. „Ganz klar“, posaunt Scherf ins Mikrofon, „ich bin der Quotenmann.“

Freilich ein nicht ganz ernst gemeinter Scherz. Aber ein passender. Denn der Umgang mit dem anderen Geschlecht, der anderen Kultur oder sexuellen Orientierung steht am Montag in der Oberen Rathaushalle im Mittelpunkt. Es geht um Diversität, um Vielfalt. „Um Respekt und Anerkennung, vor allem vor der Andersartigkeit des anderen“, sagt Henning Scherf vor den rund 300 Gästen. Es sei wichtig, Vielfalt und Offenheit für Kulturen nicht nur im Kopf zu tragen, sondern auch zu leben, sagt er.

Was es heißt, Offenheit zu leben, beweisen die Studentinnen und Studenten des Internationales Cafés (InCa). Die Initiatoren des Cafés gehören zu den fünf Preisträgern des Diversity-Preises, der von der Hochschule Bremen und vom Mercedes-Benz-Werk unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Jens Böhrnsen verliehen wird.

InCa wird an diesem Abend mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Er ist mit 2000 Euro dotiert. „Wir sind sehr stolz, diesen Preis entgegenzunehmen“, sagt die 26-jährige Inga Ridder, die beim Internationalen Café mitarbeitet. Sechsmal im Jahr lädt das Internationale Café zu Treffen mit Flüchtlingen ein. Dabei werde über Probleme gesprochen, sagt Ridder: „Über ihre und unsere.“ Die Treffen finden auf Augenhöhe statt – dabei geht es nicht um Hilfe. „Austausch ist das bessere Wort“, sagt die 26-jährige Bachelor-Absolventin, die die Verleihung im Saal aufmerksam verfolgt.

Zu den drei Hauptpreisträgern gehören in diesem Jahr das Haarstudio „Hairliner’s Hagens und Kaemena“, das Unternehmen Röhlig Logistics sowie das „Rat&Tat-Zentrum für Schwule und Lesben“. Sie erhalten ein Preisgeld von jeweils 1000 Euro und einen „Bunten Schlüssel“ – eine Bronzestatue, gefertigt von der Worpsweder Künstlerin Gisela Eufe. Ulrike Baum, Personalvorstand bei Röhlig, sagt: „Die Auszeichnung ist ein schönes Signal für uns und unsere Mitarbeiter.“

Den undotierten Preis als Bremer Diversity-Persönlichkeit 2014 erhält die Erziehungswissenschaftlerin und Professorin für Interkulturelle Bildung an der Universität Bremen, Yasemin Karakasoglu. „Für mich ist es ein Ansporn, Stereotypen weiterhin entgegenzuwirken und für die Selbstbestimmtheit des Menschen zu werben“, sagt Karakasoglu. Es gelte, Talente aller Menschen zu nutzen, unabhängig davon, woher sie kommen.

Der Diversity-Preis ist gestern bereits zum fünften Mal verliehen worden. Er gilt als Symbol für interkulturelle Kommunikation, Chancengleichheit, Anerkennung der Religionen, Geschlechter und Nationalitäten. Bei ihrer Eröffnungsrede sagt Staatsrätin Ulrike Hiller, dass der Preis nach fünf Jahren endgültig in Bremen angekommen sei. „Wir sind eine weltoffene Stadt, mit einem friedvollen Miteinander der Kulturen“, sagt Hiller. Explizit richtet sie ihren Dank an die Hochschulprofessorin Jutta Berninghausen, die den Preis vor fünf Jahren maßgeblich ins Leben gerufen hatte. Berninghausen sagt heute, dass der Preis an Zuspruch gewinne. „Jedes Jahr“, sagt sie, „findet er mehr und mehr Gehör.“

Diversity gleich Vielfältigkeit?

◼ Beim Diversity-Preis geht es nicht nur um „Diversity“ (deutsch: Vielfältigkeit) im wörtlichen Sinn. Laut Katrin Nissel, Mitbegründerin des Preises, gehe es um weit mehr – um „Vielfalt, die aktiv angestrebt wird“. Es gelte, Vielfalt als Ziel auszurufen und zu gestalten. Davon könnten Nissel zufolge beispielsweise Unternehmen und Initiativen, die sich „auf internationalem Parkett“ bewegen, profitieren.

HAIRLINER’S HAGENS UND KAEMENA

Bewusst auf Vielfalt gesetzt

Das Haarstudio Hairliner’s unterscheide sich deutlich von üblichen Unternehmen, meint die Jury des Diversity-Preises. Das Unternehmen an der Schwachhauser Heerstraße setze bewusst auf Vielfalt, konkret auf Hairstylistinnen und -stylisten, die aus zwölf Ländern stammen. „Damit hat Hairliner’s Vorbildcharakter“, so die Jury in ihrer Begründung.

RAT & TAT-ZENTRUM

Bewahrer der Intimsphäre

Das „Rat & Tat-Zentrum für Schwule und Lesben“ an der Theodor-Körner-Straße hat die Jury durch sein Engagement bei Fragen zur sexuellen Vielfalt überzeugt. Die Einrichtung vertrete die Interessen von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender-Personen wirksam in der Öffentlichkeit und kläre bei der Bekämpfung von Homophobie auf.

RÖHLIG LOGISTICS

Auf den Nachwuchs gesetzt

Familienfreundlichkeit und internationale Nachwuchsförderung werden beim Logistikunternehmen Röhlig groß geschrieben. Die Jury beschreibt die Kultur des Betriebs als „ermutigendes Beispiel für andere Mittelständler“ und lobt besonders die gleichberechtigte Förderung von Frauen und Männern.

YASEMIN KARAKASOGLU

Unermüdlich für die Bildung

Die Professorin für interkulturelle Bildung an der Universität Bremen, Yasemin Karakasoglu, zeichnet laut Jury ihr langjähriges „unermüdliches bildungspolitisches Engagement“ aus. Sie treibe wichtige interkulturelle Fragen voran, unter anderem die Frage nach dem Verhältnis zwischen Religion und Erziehung.

INCA – INTERNATIONALES CAFÉ

Mit Flüchtlingen im Austausch

Das „InCa“ in der Bremer Spedition hat sich nach Meinung der Jury rasant überregionale Aufmerksamkeit verschafft. Der von Studenten initiierte interkulturelle Treff bringt Flüchtlinge mit Bremern zusammen. Neuartig und zukunftsweisend sei der Ansatz, Flüchtlingen einen Einblick in die Arbeitswelt zu geben.

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