Folgen der aktuellen Corona-Zahlen

Wie reagiert Bremen auf die steigenden Infektionszahlen?

Die Zahl der neuen Corona-Infektionen in Bremen und umzu ist zuletzt stark angestiegen. Wie reagiert die Hansestadt auf die aktuelle Situation? Fragen und Antworten zu den anstehenden Änderungen.
09.10.2020, 11:54
Lesedauer: 4 Min
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Wie reagiert Bremen auf die steigenden Infektionszahlen?
Von Nina Willborn
Wie reagiert Bremen auf die steigenden Infektionszahlen?

Der Freipark in Bremen musste schon schließen.

Christina Kuhaupt

Wie entwickeln sich die Zahlen in den Landkreisen?

Vor allem westlich von Bremen färbt sich die Karte immer röter – die Zahlen der Corona-Infizierten steigen auch in den Landkreisen. Seit Donnerstag liegt der Landkreis Wesermarsch mit 56,4 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen über der kritischen Marke. An diesem Freitag werden dort Verschärfungen in Kraft treten, besonders in der Gemeinde Lemwerder. Dort liegt der Schwerpunkt der Infektionen, die sich seit drei Feiern von Großfamilien mit jeweils mehreren Hundert Gästen am vergangenen Wochenende in der Bevölkerung ausbreiten.

Auch die Stadt Delmenhorst meldete am Donnerstag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 63,7. Dort bleiben an diesem Freitag alle Schulen geschlossen. Der Landkreis Oldenburg (Inzidenzwert 43,5 am Donnerstag) nähert sich der Grenze. Den niedrigsten Wert im Bremer Umland hat derzeit der Landkreis Osterholz (9,7). Der Landkreis Rotenburg ist mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 26 zwar noch weit unter der kritischen Marke. Für die Gemeinde Gnarrenburg, wo es zuletzt eine Häufung von Infektionen gegeben hatte, gelten seit Donnerstag strengere Regeln für Zusammenkünfte.

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Was passiert mit dem kleinen Freimarkt?

Rund um Dom und Marktplatz sollte es ab Freitag, 16. Oktober, bis Sonntag, 1. November den kleinen Freimarkt geben – in der Zeit, in der auch der „normale“ Freimarkt gewesen wäre. Offiziell abgesagt worden ist die Veranstaltung noch nicht. Es ist aber laut Kai Stührenberg, Sprecher der Wirtschaftsbehörde, „eher unwahrscheinlich“, dass die Schausteller in der kommenden Woche aufbauen werden. Für den kleinen Freimarkt würde wie auch für den „Freipark“ auf der Bürgerweide eine Sondergenehmigung gelten, diese sind aber zurzeit ausgesetzt, bis die Sieben-Tage-­Inzidenz über einen längeren Zeitraum unter der 50er-Marke liegt.

Werden nun alle Veranstaltungen in den Messehallen abgesagt?

Das Tanzturnier „Bremen tanzt wieder“ in der ÖVB-Arena und die Terraristik-Messe in Halle 4 an diesem Wochenende sind abgesagt, der Sonderpostenverkauf in Halle 6 geschlossen. Besucher, die bereits Tickets für „Bremen tanzt wieder“ gekauft hatten, bekommen ihr Geld von Nordwestticket erstattet. Ob die Doppel-Veranstaltung Reiselust und Caravan (6. bis 8. November) abgesagt werden muss, steht noch nicht fest. Laut Sprecherin Kristin Viezens geht die Messegesellschaft M3B momentan davon aus, dass die Reisemessen stattfinden können. „Aber sowohl die Veranstalter als auch wir und die Besucher wissen natürlich um das Risiko, dass es kurzfristige Absagen geben kann“, sagt Viezens.

Gilt die Obergrenze von 25 Personen auch für Kneipen?

Nein. Für Kneipen und Gaststätten, in denen Alkohol verkauft wird, ergeben sich die Vorgaben durch die entsprechenden Abschnitte der Corona-Verordnung. Es gilt keine generelle Höchstzahl von Personen, die sich in einem Gastrobetrieb aufhalten dürfen. Sie errechnet sich durch die Auflagen, die sich die Betriebe durch ihre Hygienekonzepte selbst geben. Sämtliche Veranstaltungen in öffentlichen oder angemieteten Räumen oder im Freien, bei denen Alkohol ausgeschenkt wird, bleiben auf maximal 25 Personen beschränkt, bis der Inzidenzwert an sieben aufeinanderfolgenden Tagen niedriger ist als 50.

Wie viele Personen dürfen an Gottesdiensten teilnehmen?

Für Gottesdienste und alle anderen religiösen Versammlungen gilt, dass maximal 100 Personen zugelassen sind – so lange der Inzidenzwert höher ist als 50. Ist er an sieben aufeinanderfolgenden Tagen niedriger, sind bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen wieder maximal 250 Personen erlaubt, wenn die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können, und im Freien bis zu 400.

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Warum sagt die SPD ihren Landesparteitag ab, die FDP aber nicht?

Für politische Zusammenkünfte gelten Sonderregeln – auch die Bürgerschaft in dieser Woche. Die SPD hat ihren Landesparteitag freiwillig abgesagt – übrigens nun zum dritten Mal in diesem Jahr. „Wir schätzen die Lage so ein, dass es im Moment vernünftiger ist, die Regeln, die für alle gelten, einzuhalten“, sagt Landesgeschäftsführer Roland Pahl. Nachgeholt werden soll die Veranstaltung nun im späten Frühjahr 2021. Der Effekt: Der Landesvorstand wird seine Amtszeit um einige Monate überziehen, laut Pahl allerdings „in einem vertretbaren Rahmen“.

Die FDP wählt ihren neuen Landesvorstand beim Parteitag am Samstag. Hauke Hilz wird sich nach neun Jahren im Amt nicht wieder zur Wahl stellen. Von den Besucherzahlen her gesehen wird der Landesparteitag nicht sehr groß: Zur Verfügung stehen 62 Plätze, die Liberalen haben einen Saal im Ringhotel Munte gemietet. Vorab bekommen die Teilnehmer das Hygienekonzept zugeschickt, das unter anderem Mund- und Nasenschutz im gesamten Gebäude vorsieht.

Was passiert, wenn die Infektionszahlen weiter steigen?

Zuerst müsse man nun einige Tage abwarten und beobachten, wie die strengeren Maßnahmen wirken, hatte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) angekündigt. Es sei jedoch auch möglich, dass „nachgeschärft“ werden müsse. Denkbar ist, dass auch in Bremen wie in Berlin eine Sperrstunde für Kneipen und Restaurants eingeführt wird. München beispielsweise hatte Ende September eine Woche lang eine Maskenpflicht für Teile der Innenstadt beschlossen und Treffen von Menschen im privaten und öffentlichen Raum auf maximal fünf Personen oder zwei Haushalte beschränkt. In Frankfurt gilt seit diesem Freitag eine Mundschutzpflicht in Einkaufsstraßen. Außerdem ist ein Alkoholverbot in beliebten öffentlichen Parks in Kraft und Gastrobetriebe müssen spätestens um 22 Uhr schließen.

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