Frank-Walter Steinmeier kommt Wie sich Bremen auf den präsidialen Besuch vorbereitet

Wer sitzt wo? Welche Flaggen hängen am Rathaus? Und wo genau liegt das Goldene Buch? Wenige Tage vor dem Besuch des deutschen Staatsoberhauptes in Bremen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.
23.02.2018, 20:42
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Wie sich Bremen auf den präsidialen Besuch vorbereitet
Von Ina Bullwinkel

Seit 380 Tagen wartet Birgitt Rambalski auf seinen Besuch. Als Frank-Walter Steinmeier im Februar vergangenen Jahres zum Bundespräsidenten gewählt wurde, bedeutete das für sie vor allem eines: Bald kommt er nach Bremen. Am Dienstag ist es soweit: Steinmeier kommt nach Bremen, am Mittwoch ist Bremerhaven dran.

Der Besuch will geplant sein. Von ihr. Rambalski ist Chefin des Protokolls. In der Bremer Senatskanzlei leitet sie die „Abteilung 3“, bei ihr laufen die Fäden für Staatsbesuche zusammen. Viel mehr: Sie ist der rote Faden. Alles, was Steinmeier an seinen zwei Tagen in der Hansestadt zu sehen bekommt, hat Rambalski entweder vorgeschlagen oder abgenickt – immer in Absprache mit dem Bundespräsidialamt.

Es gibt nichts, was das Protokoll nicht regelt: Wen trifft der Bundespräsident? Welche Flaggen hängen vor dem Rathaus? Wo genau liegt das Goldene Buch? Wer sitzt wo? Und wer muss stehen?

Tische und Stühle werden zurechtgerückt

In einem Seitenflur im Rathaus wartet auf einem Rollwagen schon der Tisch für das Goldene Buch. Die Pressestelle der Senatskanzlei hat eine Woche vor dem Besuch ein Probefoto mit Erinnerungsalbum und silbernem Miniatur-Roland arrangiert. In Rambalskis Büro im sogenannten Protokollflur liegt das Goldene Buch auf einem Regal. Ein Din-A4-Zettel ist um das obere Drittel der Seite gelegt, die Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender unterschreiben werden. Ohne Gruß – so steht es im Protokoll. Ein Kalligraf wird später die Namen der Beiden in Schönschrift über die Unterschrift setzen.

Am meisten Arbeit haben aber die Hausmeister. Alexey Hübscher und Jens Liermann kurbeln bei Sonnenaufgang mit einer Spezialvorrichtung drei Flaggen heraus: die bremische, die deutsche und die europäische. Wie Kanonenrohre wirken die weißen Masten, die auf Rollen herausgeschoben werden. Abends, wenn die Sonne untergeht, fahren sie die Flaggen wieder ein und befestigen sie an einer speziellen Konstruktion, damit sie nicht knittern.

Hübscher und Liermann sind auch dafür verantwortlich, dass alle Tische und Stühle im richtigen Saal stehen. Sie rücken das Rednerpult samt Leselampe in der Oberen Rathaushalle zurecht, befestigen den roten Teppich, über den Steinmeier das Rathaus betreten wird, mit Stangen und Ösen auf der Treppe, stellen die Blumen auf die Tische.

Immer im Hintergrund

Rambalski hat all das im Blick. Vor Steinmeier hat sie bereits seine vier Vorgänger in Bremen begrüßt. Tatsächlich ist sie die Erste, die dem Staatsoberhaupt und seiner Frau am Flughafen die Hand schüttelt. „Der Bundespräsident kommt ‚still‘ am Flughafen mit einer Entourage aus Mitarbeitern an“, sagt sie. Still ankommen – das bedeute ohne politischen Empfang und damit ohne roten Teppich. So steht es im Protokoll. Rambalski ist diskret. Zu den kleineren Momenten, die nicht im Protokoll stehen, wird sie nichts sagen. „Die Gäste sind in unserer Hand. Ob sie Aspirin brauchen oder ein Absatz vom Schuh abgeflogen ist – dafür sind wir im Hintergrund da. Das ist das Protokoll.“

Hinter jedem Programmpunkt stecken viele Einzelschritte. Dutzende Telefonate, zahlreiche E-Mails und viele Orte, die vorab besucht werden mussten. Für das Bundespräsidialamt sind Rambalski und ihre Kollegin Kerstin Lührßen immer erreichbar. „Das geht morgens um sieben Uhr los und geht bis abends um 21 Uhr. Samstags und sonntags haben wir unsere Laptops zu Hause, damit wir schnell reagieren können“, sagt Rambalski. Immer wieder seien Termine geändert worden.

Lesen Sie auch

Am Dienstag, wenn Steinmeier nach Bremen kommt, werden Rambalski und Lührßen um sieben Uhr morgens an ihren Schreibtischen sitzen. „Wir sind da, falls irgendetwas passiert, jemand krank geworden ist, oder es Verzögerungen am Flughafen gibt. Wir schauen wie das Wetter ist, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden und alle Zugänge frei sind“, sagt Lührßen.

Erst vor zwei Wochen habe sie sich zur Sicherheitsbesprechung mit der Polizeileitung getroffen. Die Senatskanzlei habe die Planungen für den Besuch eng mit der Polizei Bremen und dem Bundeskriminalamt abgestimmt. Die Wege, die der Bundespräsident nimmt, welche Straßen seine Kolonne befährt – Informationen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, aber im Protokoll festgehalten werden. „Die Polizei Bremen plant Maßnahmen entsprechend der Schutzwürdigkeit des Bundespräsidenten“, sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen. Der Einsatz werde mit zivilen und uniformierten Kräften begleitet.

Das Protokoll ist eigentlich eine Choreografie. Einstudiert bis ins letzte Detail. Die Protagonisten heißen Steinmeier und Büdenbender, alles andere tanzt drum herum. Die Bremer Inszenierung beginnt mit der Ehreneskorte vom Flughafen in die Innenstadt. Sieben Motorräder der Bremer Polizei begleiten die schwarzen Limousinen des Bundespräsidenten bis zum roten Teppich vor dem Bremer Rathaus. Mit dabei: Rambalski. So steht es im Protokoll.

Lesen Sie auch

Was dann passiert, folgt einem minutiösen Zeitplan. Die Protokollchefin kann ihn herunterbeten, ohne ein einziges Mal in ihrem dicken Ordner zu blättern. Sitzordnungen wurden bestimmt, Fahrtrouten geplant, Räume reserviert. Zwei Tage Programm in Bremen und Bremerhaven – von dem die Öffentlichkeit nur einen Teil mitbekommt. Neben dem Rathaus besucht der Bundespräsident die Bürgerschaft und die Handelskammer. Auch hier schütteln Steinmeier und Büdenbender die Hände vieler Leute, tragen sich in Gästebücher ein und kommen ins Gespräch. Das musste für die Planung berücksichtigt werden: Der Bundespräsident will junge Bremer treffen, die sich besonders engagieren. Solche Wünsche machen den Aufenthalt aus, findet Rambalski. „Unabhängig vom Amt ist die Persönlichkeit eine wichtige Folie für den Besuch“, sagt sie. Deswegen hat sie zusammen mit der Bürgerschaft 83 Jugendliche ausgewählt, die ihre Projekte vorstellen, und deswegen trifft der Bundespräsident in der Handelskammer neben dem Präses auch Auszubildende.

Es gibt die Highlights wie das Händeschütteln mit Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) oder den Eintrag ins Goldene Buch. Zu dem Antrittsbesuch gehören aber auch die leisen Momente wie eine Kranzniederlegung am Bunker Valentin in Bremen-Farge – den Kranz und die Schleifen hat natürlich Rambalski bestellt. Dafür, dass Steinmeier auch die Thünen-Institute in Bremerhaven besucht, ist Rambalskis Kollegin Sabine Ollech-Zietelmann zuständig. Auch sie sei den Zeitplan zigfach durchgegangen. „Wir sind vor allen anderen da und nach allen anderen weg“, sagt sie. So steht es im Protokoll.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+