Vorbereitungen auf den Blackout

Wie sich Bremen auf einen totalen Stromausfall vorbereitet

Derzeit leuchten überall die Weihnachtslichter. Doch Bremen kann schnell im Dunkeln sitzen: Die Gefahr eines Strom-Blackouts nimmt zu. Wie sich die Stadt auf einen solchen Fall vorbereitet.
20.12.2019, 21:52
Lesedauer: 3 Min
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Wie sich Bremen auf einen totalen Stromausfall vorbereitet
Von Florian Schwiegershausen
Wie sich Bremen auf einen totalen Stromausfall vorbereitet

Blackout: Wenn der Strom ausfällt, muss schnell gehandelt werden. Das Bremer Innenressort erarbeitet gerade, was bei einem totalen Stromausfall für Maßnahmen zu ergreifen sind.

Daniel Naupold

Vor den Gefahren eines Blackouts warnt der Präsident des Technischen Hilfswerks (THW), Albrecht Broemme. Das Risiko steige, weil wegen der zunehmenden Digitalisierung die Stromversorger leichter Ziel von Cyberangriffen sein können. Zudem ist das Stromnetz selbst ein Problem: Aufgrund des hohen Verbrauchs stand Deutschland im Juni bereits mehrfach am Rande eines totalen Stromausfalls. Ob Hackerangriff oder Überlastung: Bremen muss darauf vorbereitet sein, wenn der Strom ausfällt – insbesondere, wenn das über mehrere Tage der Fall ist. Das Innenressort erarbeitet gerade eine feinere Planung der ­Abläufe für ein Blackout-Szenario. „Bis zur Fertigstellung wird das noch Zeit in Anspruch nehmen“, sagte Sprecherin Rose Gerdts-Schiffler.

Im Klinikum Mitte gibt es für so ein Szenario einen Dieselgenerator und gebunkerten Treibstoff, um den Betrieb am Laufen zu halten, wie Rolf Schlüter, Referent bei der Gesundheit Nord, erläutert: „Das würde für eine Woche reichen, danach könnte es kritisch werden.“ Dass ein Krankenhaus unter Druck geraten kann, zeigte sich im August 2018: Im Klinikum Links der Weser kam die Klima­anlage an ihre Grenzen. Damit auf der Intensivstation alles weitergehen konnte wie bisher, rückte die Feuerwehr aus und überbrückte für die Zeit des Ausfalls mit einem Generator.

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THW mit Notstromaggregaten von 150.000 Watt

„Wir als Feuerwehr sind für die kurzfristigen Einsätze da“, sagt der stellvertretende Sprecher Andreas Desczka. Um aber längerfristig an neuralgischen Punkten in der Stadt die Infrastruktur mit Strom zu versorgen, fehle der Bremer Feuerwehr die Ausstattung. „Da wären auch nicht wir gefragt, sondern in so einem Fall das Technische Hilfswerk“, ergänzt Desczka. Rechtzeitig würde dann das THW anrücken, das über Notstromaggregate mit Leistungen von 150.000 Watt und mehr verfügt. Ebenso wäre es das THW, das in der Stadt mit Dieselgeneratoren die wichtigste Infrastruktur aufrechterhalten würde. Die Feuerwehr könnte in ihrer Zentrale am Wandrahm mit eigenem Notstromaggregat und dem gebunkerten Diesel drei Tage autark auskommen, um Leitstelle, Krisenräume und auch den Digitalfunk im Betrieb zu halten. „Früher war das mal ein Tag.“

Sollte der Strom mehrere Tage ausfallen, würden bei der Feuerwehr alle Kräfte des Krisenstabs zusammenkommen. Sie wären auf zwei Räume im Erdgeschoss und einen im Keller verteilt. In einem säße Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) mit seinen Mitarbeitern. Zuvor würde er aus formalen Gründen die Katastrophenwarnung ausrufen. Das stand im Dezember 2013 beim Sturmtief Xaver laut Desczka beinahe an: Damals bedrohte das Hochwasser das Weserstadion und stand nur noch sechs Zentimeter unterhalb der Deichkrone.

Im Falle eines Blackouts wären die Telefone in den Räumen des Krisenstabs bei der Bremer Feuerwehr auch an den Digitalfunk gekoppelt. Die Festnetztelefone in der Stadt würden nicht funktionieren, weil das Netz längst internetbasiert läuft.

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Sicherzustellen ist außerdem die Lebensmittelversorgung für die Bevölkerung. Schließlich würden auch die Kühlschränke ausfallen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz (BKK) empfiehlt jedem Bürger, daheim einen Vorrat für mindestens zehn Tage anzulegen. Pro Person wären das 20 Liter Getränke und 14,5 Kilogramm haltbare Lebensmittel.

36 Millionen Euro zur „Zivilen Verteidigung“

2020 soll auch das BKK Mittel erhalten, um zu bunkern: Vom Bundesinnenministerium soll es knapp 36 Millionen Euro bekommen, um das Konzept „Zivile Verteidigung“ auszubauen, wie die „Bild“ berichtete. Es soll dazu dienen, bis zu 5000 Personen im Katastrophenfall zu versorgen. Das THW soll bundesweit 33,5 Millionen Euro für 670 zusätzliche Notstromaggregate erhalten. Das Bremer THW will langfristig ein Aggregat mit einer Leistung von 650.000 Watt anschaffen. Im Katastrophenfall würden die vier Bremer THW-­Ortsverbände Kräfte aus dem Umland anfordern, sollten die eigenen Helfer nicht reichen.

Einen totalen Blackout in Bremen hält SWB-Sprecher Christoph Brinkmann für unwahrscheinlich. Auch 2019 habe keine Gefahr bestanden: „Die SWB hätte sogar Kapazitäten abgeben können, um das Netz zu stützen.“ Dennoch gebe es bei der SWB Notfallstäbe, die regelmäßig Übungen abhalten.

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