Im Team klappt es besser

Wie sich Familie und Beruf vereinen lassen

Familie haben und beruflich erfüllend arbeiten? Das ist für viele Frauen eine Zerreißprobe. Aber es kann funktionieren. Jenny und Boris Bortchen erzählen, wie sie mit ihren drei Kindern den Alltag wuppen.
20.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Evelyn Steinbach

Kinder und Karriere – beides wollen viele Frauen unter einen Hut bekommen. Ein Selbstläufer ist das aber nicht, schon gar nicht jetzt in Corona-Zeiten. Und auch ohne Pandemie kann es häufig nur gelingen, wenn der Mann zurücksteckt und dafür mehr Zeit mit den Kindern und im Haushalt verbringt. So wie Boris ­Bortchen, dreifacher Vater aus Hamburg. Er arbeitet in Teilzeit, damit seine Frau Jennifer beruflich durchziehen kann.

Ein normaler Tag bei der PR-Managerin: Um 6.30 Uhr aufstehen, frühstücken, die zwei Jüngsten (zwei und sechs Jahre) in die Kita bringen, der Große (elf Jahre) fährt selbst zur Schule. Wieder nach Hause fahren, eine kleine Runde laufen und sich an den Schreibtisch setzen, Telefonate erledigen, E-Mails schreiben, Pressearbeit für die Kunden planen. Um 13.30 Uhr kommt der Große von der Schule, das heißt: kochen und zusammen essen. Zurück am Schreibtisch bis 15 Uhr, dann kehrt Ehemann Boris von seinem Job in einer Werbetechnikfirma mit den beiden Kindern aus der Kita zurück. An zwei bis drei Tagen pro Woche arbeitet Jennifer Bortchen, kurz Jenny genannt nachmittags, häufig in einem Café, da es daheim zu laut wird.

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Spätestens um 17.30 Uhr geht es aber zurück. Das gemeinsame Abendessen folgt. Nachdem die Kinder im Bett sind, setzt sie sich manchmal noch an einen Pressetext. Durch ihre freie Zeiteinteilung schafft sie es, zwei Nachmittage pro Woche mit der Familie zu verbringen.

„Wir haben lange darauf hingearbeitet, dass dies alles so funktioniert“, erzählt Jenny Bortchen. Nach ihrem Studium, verschiedenen Praktika und dem Volontariat in einer großen PR-Agentur arbeitete sie sich bis zum Account Director hoch.

Dazwischen kamen Kind eins und Kind zwei. Den Sprung in die Selbstständigkeit wagte sie 2016 nach der Elternzeit des zweiten Sohnes. „Ich konnte mich weder finanziell, noch von der Position her im damaligen Unternehmen weiterentwickeln“, erzählt sie. „Dabei hatte ich Lust zu zeigen, wie Karriere mit Kindern funktionieren kann.“

Mehr Geld in weniger Arbeitszeit

Ihr Mann Boris unterstützt den Weg seiner Frau. „Ich habe schon immer gesagt: Wenn meine Frau sich selbstständig macht, schafft sie es, in weniger Arbeitszeit mehr Geld ranzuschaffen.“ Tatsächlich verdient Jenny Bortchen heute mehr als in ihrer Angestelltenzeit. Mehr noch: Sie bringt den größten Anteil des Familieneinkommens ein. Damit sich ihr Mann nachmittags um die Kinder kümmern kann, ermöglichte ihm sein Arbeitgeber, Stunden zu reduzieren. An manchen Abenden geht er als DJ noch seinem Zweitberuf nach. „Von anderen Männern wird mir oft mit Neid begegnet, dass ich in Teilzeit arbeiten kann. Denn viele Väter wollen ihre Kinder öfter sehen“, sagt er.

Stefanie Gundel kennt die Problematik. Sie coacht in Düsseldorf berufstätige Mütter. „Irgendwann kommt jede Mutter an den Punkt, wieder etwas für sich selbst in der beruflichen Karriere tun zu wollen“, sagt sie. Ein Grund sei häufig der Wunsch nach Wertschätzung, da Kinderbetreuung in der Gesellschaft nicht so hoch angesehen wird wie eine feste Arbeit. „Wenn aber die Gewissenskonflikte sehr groß sind, sollte man im ersten Schritt überlegen, welches Motiv hinter dem Wunsch steckt, wieder zu arbeiten“, erläutert sie. Was bekomme ich dadurch, abgesehen vom Geld? Was möchte ich meinen Kindern mitgeben? Welche Werte möchte ich vorleben? Diese Fragen sollten Mütter für sich zuvor beantworten.

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Jenny Bortchen kennt den Zwiespalt. „Klar denke ich, wenn ich im Café sitze, arbeite und drei Mütter mit ihren Kindern Eis essen sehe, dass dies jetzt auch schön wäre“, gibt sie zu. „Auf der anderen Seite hatte ich das schon mal und bin froh, dass ich meine Erfüllung auch wieder im Job finde.“

Was machen aber Paare, in denen beide Partner einen Karrierewunsch haben? Um zu organisieren, wie ein solcher Alltag mit Kindern aussehen kann, rät Stefanie ­Gundel, sich mit dem Partner als Team zu verstehen und einen Plan aufzustellen, wie alle glücklich werden können.

Schnelle Lösungen

Organisation steht bei den Bortchens ganz oben auf der Liste: „Ein Termin auswärts mit Übernachtung wird immer dann schwierig, wenn der andere auch abends Termine hat“, erzählt Jenny Bortchen. Ebenso müssen schnelle Lösungen her, wenn ein Kind erkrankt. Das Paar hat das Glück, dass die Großeltern in Hamburg leben und einspringen können. Zusätzlich stehen zwei Babysitter bereit.

Reden hilft: Jeden Sonntag erstellt Jenny Bortchen einen Wochenplan für ihre Familie. „Wir sprechen dann alles gemeinsam durch. Wer übernimmt was? Wo könnte es eng werden? Welche Lösungen gibt es?“ Doch auch eine gute Planung kann manchmal scheitern. „Mein Stresslevel steigt enorm, wenn ich zu spät losgehe mit den Kleinen. Dann nervt es mich, dass ich mein Zeitmanagement falsch eingeschätzt habe“, sagt sie. Da die Familie wochentags viele Termine einhalten muss, versuchen die Bortchens, sich am Wochenende nicht zu viel vorzunehmen. „Wichtig ist, gemeinsam zu überlegen, was der Kernfamilie guttut. Auch, wenn das Ergebnis Faulenzen heißt.“

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