Durch öffentliche und private Projekte

Wie sich Grohn verändert

Neue Wohnquartiere, Geschäfte, zahlreiche Baumaßnahmen - und die Grohner Düne wird auch schöner. Viele Beteiligte sehen die Chance für einen Grohner Aufschwung.
16.12.2019, 21:58
Lesedauer: 4 Min
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Von Sylvia Wörmke
Wie sich Grohn verändert

Teamleiterin Ute Schlüter (vorn), Bereichsleiterin Simone Grannemann (SOS-Kinderdorf) begrüßen im Secondhand-Laden für Kinderartikel in der Grohner Düne inzwischen auch auswärtige Kunden.

Christian Kosak

Eine neue Seniorenresidenz, das Tauwerk-Quartier als Klimaschutz-Vorzeigeprojekt, reichlich Bauprojekte, die Ansiedlung von neuen Geschäften und der Umbau der Grohner Düne und ihrer Nachbarschaft – in Grohn passiert gerade eine ganze Menge. Weitere Pläne sind bekannt: Die Jacobs University will zusätzliche Colleges bauen, der Bahnhofsvorplatz in Reichweite des Ortsteils soll verschönert werden. Ob das als Aufschwung gesehen werden kann? Fakt ist für Grohn-Kenner: Es ist viel in Bewegung – und das könnte eine Chance sein.

Grohn und die Grohner Düne, das sind zwei unterschiedliche Dinge, dazwischen liegt die Grenze. Das sehen Menschen so, die sich im Ortsteil auskennen. Martin Möller zum Beispiel betreibt seit zehn Jahren eine Kfz-Meisterwerkstatt an der Friedrich-Humbert-Straße. Viel Bewegung bemerkt er, aber ob Grohn damit schöner wird und ob das immer positiv ist, wagt er zu bezweifeln. Er kommentiert die Bauprojekte mit: „Grohn wird vollgebaut.“ Sicherlich könne das für die Baufirmen einen Aufschwung bedeuten. „Aber für Grohn?“

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Die Zweiteilung des Stadtteils möchte Bremen aufheben. Darum befasst sich das vorliegende Integrierte Entwicklungskonzept auch hauptsächlich mit der Grohner Düne. Die Missstände, so heißt es, konzentrieren sich auf die Düne oder strahlen von ihr in den Stadtraum aus. Auch die „funktionale Schwäche des Einkaufszentrums Haven Höövt“, also die Insolvenz und damit verbundene Leerstände, wurden im Konzept als Missstand betrachtet. Bekanntlich hat sich daraus schon etwas Neues entwickelt. Das neue Shoppingcenter „Kontor am Alten Speicher“ mit Kaufland und anderen neuen Geschäften wurde vor Kurzem eröffnet, weitere Läden sollen hinzukommen.

In den kommenden Jahren ist am Hafen ein Mix von Arztpraxen, dem Polizeirevier und Wohnungen geplant. Junge Unternehmer haben in der Friedrich-Humbert-Straße eine gläserne Bäckerei und ein Möbel-Outlet eröffnet, dazu ist eine neue Pflegeeinrichtung gekommen. Ulrich Ipach, der Leiter des Arbeit- und Lernzentrums, der seit Jahren an Arbeitsgruppen teilnimmt, in denen es um die Verbesserung der Situation geht, sieht, was gerade in Grohn passiert. „Es kommt langsam Bewegung in den Stadtteil.“ Allerdings sei Grohn seiner Ansicht nach auch nie extrem negativ behaftet gewesen.

Es gebe aber gemischte Strukturen. Vom neuen Tauwerk-Quartier verspricht er sich durch den Zuzug junger Familien weiteren Schub. „Das könnte ganz neue Impulse geben und ist eine Chance für Grohn.“ Der Leiter des Arbeit und Lernzentrums hält sich zwar mit Jubel zurück. „Ich glaube aber tatsächlich daran, dass sich an der Friedrich-Klippert-Straße noch etwas entwickeln wird.“ Er denke, dass die Gohner Düne in zwei Jahren zeigen werde, dass sie besser sei als ihr Ruf. Auch für die Grohner Düne gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe von Veränderungen. Die neue Eigentümerin Grand Cjty Property renovierte Wohnungen und nahm Verbesserungen an den Gebäuden vor.

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In Zusammenarbeit mit der Stadt stimmte das Unternehmen zu, dass die Ladenzone im Erdgeschoss, wie berichtet, zu einer Service- und Begegnungsebene werden konnte. Soziale Träger bieten hier Projekte an. Als weitere Maßnahme verändert die Stadt zurzeit den gegenüberliegenden Bereich zu einer Freizeitfläche und sorgt dafür, dass die Straße zwischen den Gebäuden und der Grünfläche sicherer überquert werden kann.

„Eine Verbindung zwischen den Bevölkerungsgruppen wäre schön“, würde sich Diana von Rudkowski wünschen. Die Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Grohn gegenüber der Grohner Düne weiß, „dass es wenig Berührungspunkte“ zwischen den Grohnern und den Bewohnern mit einem hohen Armutsrisiko und einem oft niedrigen Bildungsniveau in der Grohner Düne gibt. „Es ist ein heterogener Stadtteil“, beschreibt sie die Situation. Zwischen Grohner Düne und Alt-Grohn gebe es eine Grenze.

Sie hofft, dass die Menschen aus dem Stadtteil künftig häufiger zum Beispiel in der Ladenzone einkaufen. Die Kita-Leiterin bezieht sich dabei auf den Secondhand-Laden für Kinderartikel des SOS-Kinderdorfes und die Kreativwerkstatt des ALZ. Grundsätzlich ist die Kita-Leiterin durch ihre Nähe zu den Bewohnern der Grohner Düne durch ihre Arbeit der Meinung: „Der schlechte Ruf ist nicht gerechtfertigt.“

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Mitarbeiterinnen in dieser SOS-Kinderdorf-Einrichtung erzählen, dass sie vereinzelt auch Kunden haben, nicht aus der Grohner Düne kommen. Auch an anderer Stelle verschwimmen Grenzen: Seit mehr als einem Jahr treffen sich regelmäßig geflüchtete Menschen aus arabischen Ländern mit deutschen Senioren im Sprachcafé im Seniorenheim Vier Deichgrafen.

Diana von Rudkowski arbeitet seit sechs Jahren in Grohn. Sie hat festgestellt: „Es gibt viel Bewegung hier und es entwickelt sich langsam zum Guten.“ Sie verspricht sich durchaus durch das Tauwerkquartier mit seinen Bewohnern, die neu in den Stadtteil kommen, eine positive Entwicklung. „Das kann einen Aufschwung bedeuten. Auch der Einzelhandel könnte aufblühen.“ Alle derzeitigen Maßnahmen und Planungen wertet sie: „Das kann nur gut für den Stadtteil sein. Grohn ist auf einem guten Weg.“

„Ich halte Grohn für einen hoch spannenden Ortsteil. Er ist sehr vielfältig“, kommentiert Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt die Entwicklungen. Er zeigt sich zuversichtlich, „dass es einen Aufschwung geben wird“. Er weist darauf hin, dass jetzt auch die flankierenden Maßnahmen für die Grohner Düne umgesetzt werden, die lange vorbereitet worden seien. Das bedeute aber nicht, dass die Hände in den Schoß gelegt werden könnten. „Das wäre fatal.“

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