Ausstellung der gemeinnützigen Firma Quartier in der Unteren Rathaushalle / "Ein Deutsches Requiem" von Brahms im Dom Wie sich Kinder den Tod vorstellen

Das Generationenprojekt "Ich komm als Blümchen wieder" hat sich mit Sterben und Tod auseinandergesetzt. Hemmungen, beispielsweise mit Kindern über das Thema zu sprechen, haben nicht nur Eltern, sondern auch pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kindertagesstätten. In der Friesenstraße sind kleine Särge entstanden, die seit gestern in der Unteren Rathaushalle ausgestellt werden.
22.03.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Edwin Platt

Das Generationenprojekt "Ich komm als Blümchen wieder" hat sich mit Sterben und Tod auseinandergesetzt. Hemmungen, beispielsweise mit Kindern über das Thema zu sprechen, haben nicht nur Eltern, sondern auch pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kindertagesstätten. In der Friesenstraße sind kleine Särge entstanden, die seit gestern in der Unteren Rathaushalle ausgestellt werden.

Bremen. "Ich komm als Blümchen wieder." Unter dieser Überschrift haben sich Künstler und Kinder mit dem Thema "Leben und Sterben" befasst. Über 30 von Künstlerinnen und Künstlern begleitete Projekte sind seit gestern bis Donnerstag, 29. März, mit Installationen, Bildern, Filmen und Fotografien in der Unteren Rathaushalle vertreten. Parallel dazu führt das Theater Bremen "Ein Deutsches Requiem" von Brahms im St.-Petri-Dom auf. Schirmherr des Projektes ist Bürgermeister Jens Böhrnsen.

In der Kunst- und Holzwerkstatt des Kinder- und Familienzentrums Friesenstraße hat der Bremer Künstler Tobias Lange den Kindern erst einmal einen Film gezeigt, in dem es um einen ganz anderen Umgang mit Särgen ging, als er in Deutschland üblich ist. In Ghana lassen sich Angehörige der Oberschicht zu Lebzeiten ausgefallene Särge nach eigenen Vorstellungen anfertigen, wie beispielsweise überdimensionale hochhackige Damenschuhe oder Colaflaschen. Die stehen dann in der Wohnung und dienen etwa als Wäscheschränke.

In der Friesenstraße falteten und klebten die Kinder zunächst Särge aus Papier zusammen, in der Werkstatt arbeiteten sie dann auch mit Sperrholz. Kerstin Buricke, die Leiterin des zur Kita Bremen gehörenden Kinder- und Familienzentrums Friesenstraße, ist dabei, eine Plastikflasche durchzusägen, um den kleinen hölzernen Sarg einzusetzen, während Tobias Lange aus engmaschigem Drahtgeflecht einen nach oben offenen Stöckelschuh formt.

Selda gefällt die Form nicht auf Anhieb. "Kann der Schuh noch steiler stehen?" fragt sie. Tobias Lange befürchtet, dass der Sargkasten dann zu weit übersteht. Selda hat das kleine Behältnis mit rotem, fein glänzendem Stoff ausgeschlagen und den Untergrund ausgepolstert wie ein Bett: "Da soll Schmuck rein", wischt sie andere Assoziationen beiseite. Statt der hochhackigen Pumps sind später flache Turnschuhe gewünscht, denn in diese Form ist das Drahtgeflecht leichter zu bringen.

Eine der Mütter kommt vorbei. Sie ist froh über das Projekt, auch wenn sie selbst Friedhöfe meidet und sich ungern mit dem Tod auseinandersetzt. Ihr Sohn hat einen Colaflaschensarg gebaut und möchte ihn als Spendendose aufstellen. "60 Euro reichen für ein Werdertrikot", sagt er. Der Tod und das Sterben sind bei der Werkstattarbeit an diesem Tag kein Thema, Ehrfurcht vor Särgen nicht erkennbar. "Ich komm als Blümchen wieder" regt zu Gesprächen mit Kindern über das Leben und Sterben an, aber es zwingt ihnen solche Themen nicht auf. Kinder fragen häufig nur dann nach der Bedeutung des Todes, wenn es einen konkreten Anlass dazu gibt.

An dem Kinderkulturprojekt von Quartier haben in Bremen und Bremerhaven über 500 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 17 Jahren und auch einige Seniorinnen und Senioren teilgenommen. Das Ganze wird von der Kultur- und der Sozialbehörde, von der Jugend-Kunst-Stiftung Start, mit Geld aus dem Programm Wohnen in Nachbarschaften (WiN), von Beiräten und der Stadtteilstiftung Hemelingen in Kooperation mit dem Theater Bremen und dem St.-Petri-Dom finanziert.

Triptychon und Buch

18 Kinder der zweiten Klasse der Schule Rechtenflether Straße in Woltmershausen haben sich ebenfalls an dem Projekt beteiligt und gemeinsam mit dem Künstler Antonio Velasco Munoz und Andrea Stücke vom Kulturhaus Pusdorf gemalt und geschrieben. Entstanden sind ein Triptychon mit dem Titel "Wo alle gleich sind" und ein Buch mit Zeichnungen und Texten zum Thema. Die Arbeiten werden auch in den Unteren Rathaushalle gezeigt und anschließend im Kulturhaus Pusdorf.

Die Bilder, Filme, Installationen, Fotos und Objekte sind in der Unteren Rathaushalle und im Bibelgarten des Doms bis Donnerstag, 29. März, zu sehen. Es gibt ein Begleitprogramm, zu dem unter anderem auch Aufführungen von Brahms' "Ein deutsches Requiem" im Dom gehören, inszeniert vom Theater Bremen. Der Eintritt in die Ausstellung selbst ist frei. Es werden Mitmachaktionen und Führungen angeboten. Größere Gruppen sollten sich bei Quartier anmelden.

Kontakt: Projektleiterin Andrea Siamis von Quartier, Telefon 424631, mehr im Internet auf der Website tenever@quartier-bremen.de. Die Ausstellung ist bis zum 29. März täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, an Aufführungsterminen des Requiems - 24. bis 29. März - bis 20 Uhr. Nächste Station ist die Pauluskirche, Hafenstraße/Ernst-Reuter-Platz in Bremerhaven (Eröffnung am Mittwoch, 25. April, um 11 Uhr, Näheres unter 0471/1428825). Einiges wird auf der Messe "Leben & Tod" am 10. und 11. Mai in der Messehalle 4, Findorffstraße, zu sehen sein.

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