Hype um Superfood Wie super Superfood wirklich ist

Goji- und Acai-Beeren, Chia-Samen und Granatapfel-Kernen werden von der Werbung besonders gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Was wirklich dran ist am sogenannten Superfood.
07.07.2019, 15:36
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Wie super Superfood wirklich ist
Von Sabine Doll

Sie sollen fit, schlank und schön machen. Sie sollen den Alterungsprozess verlangsamen, das Herz schützen und sogar Krebs vorbeugen. All diese gesundheitsfördernden Eigenschaften werden sogenanntem Superfood zugeschrieben. Aber was ist wirklich dran? Können Früchte wie südamerikanische Acai-Beeren, Granatapfel-Kerne, Chia-Samen oder asiatische Goji-Beeren diese Erwartungen tatsächlich erfüllen?

„Einzelne Lebensmittel, die unter dem Begriff Superfoods laufen, können zu einer abwechslungsreichen Ernährung beitragen. Dass sie aber vor Krankheiten wie Krebs schützen können, entbehrt jeder wissenschaftlicher Grundlage“, stellt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums klar. Der Dienst verfüge über eine umfassende Datenbank, die sämtliche wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Erkrankung Krebs, zu Vorbeugung, Früherkennung und Therapie enthalte. Weg-Remers: „Wir wüssten, wenn es dazu aussagekräftige Studienergebnisse gäbe.“

Die Expertin weist darauf hin, dass es sich bei dem Begriff Superfood um eine Erfindung der Marketingabteilungen handele, die bei Verbrauchern eine besonders hohe Qualität suggerieren solle. Jedes Produkt könne mit diesem Label versehen werden, es sei weder rechtlich geschützt, noch genau definiert. Dies sollte bereits ein Grund für Misstrauen bei Verbrauchern sein.

Dazu komme: Zwar gebe es experimentelle Studien, die den Nährstoffen von einigen Superfoods positive Eigenschaften bescheinigten. Viele Wissenschaftler seien dennoch kritisch. Denn die Studien seien nur an Zellen oder Tieren durchgeführt worden und untersuchten meist nur einzelne Wirkstoffe, nicht aber das Lebensmittel als Ganzes, teilt das Krebsforschungszentrum mit.

Um sich nährstoffreich zu ernähren, müssten Verbraucher nicht auf exotische Pflanzen – zumal noch in getrockneter Form, als Püree oder Extrakt – zurückgreifen. Auch einheimische Pflanzen wie Grünkohl, Rote Bete, Heidelbeeren, Karotten, Zwiebelgewächse oder Äpfel lieferten gesundheitsfördernde Nährstoffe. Für ausreichend Ballaststoffe sorgten Vollkornprodukte und Leinsamen. Der weitere Vorteil dieser Lebensmittel vor der Haustür sei, dass sie oft kostengünstiger und ihre Herkunft nachvollziehbar sei. „Superfood-Produkte kommen oft aus dem fernen Ausland, sind teuer und werden über das Internet vertrieben“, heißt es.

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Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt außerdem davor, dass exotische Lebensmittel – pur oder als Extrakt – immer auch ein gewisses Risiko für Überempfindlichkeitsreaktionen oder selbst Allergien bergen könnten. Zudem seien Wechselwirkungen von Superfood mit Arzneien möglich. Ähnlich wie bei der Grapefruit sollte etwa auch zwischen dem Verzehr von Granatapfel-Produkten und der Einnahme von Medikamenten ein zeitlicher Mindestabstand eingehalten werden, raten die Verbraucherschützer.

Goji-Beeren seien selbst in Marmelade riskant für Menschen, die bestimmte gerinnungshemmende Mittel einnehmen müssten. „Vor allem bei Anreicherungen ist Vorsicht geboten“, warnt die Verbraucherzentrale. Für Extrakte und Zubereitungen im Lebensmittelbereich gebe es keine Standardisierungen wie bei Arzneimitteln. Und: Bei Superfoods beispielsweise in Kapselform sei ebenfalls Vorsicht geboten, durch die sogenannte Aufkonzentrierung bestimmter reizender oder toxischer Stoffe könne es zu gesundheitlichen Problemen kommen.

Die Experten weisen darüber hinaus darauf hin, dass die sogenannten Superfoods mit Schadstoffen belastet sein könnten: „Es kommt immer wieder vor, dass als Superfood verkaufte Beeren, Samen, Algen oder getrocknete Pflanzen mit Pestiziden, Schwermetallen wie Arsen, Cadmium oder Mineralöl belastet sind“, heißt es im Internet-Portal der Verbraucherzentrale. Bei Studien des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart etwa seien Pestizid-Rückstände vor allem in konventionell angebauten Goji-Beeren gefunden worden.

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