Kontakt über Facebook Wie verhalten sich Lehrer und Schüler richtig?

Bremen. Eine Freundschaftsanfrage ist schnell abgeschickt, stellt den Empfänger allerdings häufig vor das Problem: Muss ich meinen Lehrer als Freund akzeptieren und ihm Einblicke in mein Privatleben ermöglichen? Lehrer stehen umgekehrt vor derselben Frage.
10.09.2011, 17:32
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Miriam Keilbach

Bremen. Um Schüler vor sexuellen Übergriffen zu schützen, wollte ein Gesetz im US–Bundesstaat Missouri Lehrern den Kontakt zu Schülern in sozialen Netzwerken verbieten. Der Lehrerverband klagte auf Verfassungswidrigkeit, und erhielt Recht. Das Problem aber ist ein anderes: Wie sollen sich Lehrer und Schüler auf Facebook verhalten?

Leo Mühlbrandt hat einen eigenen Weg gefunden. „Zwei meiner Lehrer sind meine Freunde. Eine Lehrerin, mit der ich immer gut klargekommen bin, habe ich auf Facebook gesehen und angefragt“, sagt der 18-Jährige vom Schulzentrum Blumenthal. „Ein anderer Lehrer hat mich angefragt, ich habe ihn nicht abgelehnt, weil ich im Unterricht auch gut mit ihm kann.“

Beide Lehrer können sehen, wenn Leo Bilder ins Netz stellt oder private Nachrichten als Status schreibt – sie bekommen den gleichen Einblick in Leos Privatleben wie seine Freunde. „Allen Lehrern würde ich das nicht erlauben“, sagt er. Aber wo die Grenze ziehen? Das Problem haben auch Lehrer: Muss ich alle Schüler als Freunde akzeptieren, wenn ich eigentlich nur mit einem befreundet sein möchte?

Markus Gerstmann von jugendinfo.de, einer Jugendschutzorganisation in Bremen, warnt vor allem jüngere Schüler vor einem zu privaten Kontakt mit Lehrern im Netz. „Ich sehe keinen Grund, warum Lehrer Privates von den Kindern mitlesen sollten“, sagt er. Von den Lehrern fordert er Transparenz. „Lehrer sollten Facebook im Unterricht thematisieren und ansprechen, warum sie sich mit Schülern nicht anfreunden.“ So haben Kinder nicht das Gefühl, von ihren Lehrern abgelehnt zu werden.

Der Lehrer als Kontaktperson

Gerstmann rät, die Möglichkeiten, die Facebook bietet, auszuschöpfen. Lehrer können sich beispielsweise Fanseiten zulegen, so können Schüler jederzeit via Pinnwand kontaktieren, Lehrer sehen allerdings nichts Privates von Schülern. „Oder sie nutzen die Gruppenfunktion und öffnen eine ansonsten gesperrte Gruppe für eine Klasse, in der sich Schüler und Lehrer austauschen können.“

Gerstmann sieht sehr wohl positive Effekte, „der Lehrer ist dann nicht mehr nur Pädagoge, sondern Kontaktperson und Ansprechpartner, auch außerhalb der Schulzeit“. Außerdem lernten auch Kinder den Umgang mit Mails und sozialen Netzwerken, wenn Lehrer diese Kompetenzen anböten. Allerdings kennt Gerstmann auch Fälle, wo via Facebook erworbenes Wissen im Unterricht missbraucht wurde. „Ein Schüler hatte seine Hausaufgaben nicht, woraufhin der Lehrer sagte, dass der Schüler gestern doch gepostet hätte, er höre Musik“, sagt Gerstmann. „Dass schlechte Leistung in Zusammenhang zu privaten Aktivitäten gestellt wird, geht nicht.“

Außerdem stellt er die Frage, inwieweit sich Lehrer verpflichten, Schülern zu helfen. „Wenn jemand schreibt, dass es ihm schlecht geht, muss der Lehrer eigentlich eingreifen. Für solche Probleme gibt es bislang keine Lösung.“

Timo Helken hat eine Lösung für sich selbst gefunden. Der 18-jährige Schüler der Wilhelm-Wagenfeld-Schule in Huchting ist mit keinem seiner Lehrer befreundet. Anfragen nimmt er nicht an. „Ich würde es komisch finden, wenn meine Lehrer genau wüssten, was ich am letzten Wochenende so gemacht habe und anschließend vielleicht noch im Unterricht fehle, weil ich krank bin.“ Die Gruppenfunktion unterstützt er: „Wenn etwa der Unterricht ausfällt, wissen es sofort alle, und da die Gruppe eine E-Mail-Adresse hat, kann der Lehrer ganz schnell alle erreichen.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+