Corona-Einfluss bei Kindern

Vierlinge aus Arsten freuen sich auf mehr Normalität

Wie erlebt die achtköpfige Familie Stührenberg die Corona-Wochen daheim.
07.05.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Vierlinge aus Arsten freuen sich auf mehr Normalität
Von Frauke Fischer
Vierlinge aus Arsten freuen sich auf mehr Normalität

Familie Stührenberg verbringt derzeit mehr Zeit zusammen als sonst üblich: Lea, Joel (oben, v.l.), Marten, Janine, Liv (Mitte, v.l.), Fin und Fiona (unten, v.l.).

Frank Thomas Koch

Das „Wir“ spielt eine besondere Rolle, wenn die Familie aus acht Personen besteht. Wenn acht Interessen Raum bekommen sollen. Wie das funktionieren kann, erleben Janine und Jörn Stührenberg, ihre Kinder Joel, Lea und die inzwischen elfjährigen Vierlinge Fin, Fiona, Liv und Marten derzeit in ihrem Haus in Arsten.

Der mittlerweile 20-Jährige Joel hatte nach all den Jahren mit seinen fünf jüngeren Geschwistern erstmals eigene Pläne in die Tat umsetzen wollen: mit dem ersten Job und der ersten eigenen Wohnung. Doch das war vor Corona. Und mit der Krise kam die Kündigung. „Nun möchte ich schnell eine neue Arbeit finden“, sagt er. Dass er eigentlich auch hätte ausziehen wollen, ist genauso in den Hintergrund geraten wie seine anstehende Führerscheinprüfung.

„Im Moment habe ich kaum feste Struktur, ich schreibe Bewerbungen und lerne für den Führerschein“, sagt er. Doch auch in dieser Situation erkennt Joel Stührenberg etwas Gutes: „Ich lerne meine Familie ganz neu zu schätzen.“ Der 16-jährigen Lea geht es ähnlich wie ihrem großen Bruder. „Ich hätte meinen Alltag gern wieder“, sagt sie. „Mit Schule, Oma und Opa, meiner Gemeinde und meinen Freunden.“

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Die Vierlinge Fin, Liv, Fiona und Marten sind nun elf Jahre alt. Sahen sie sich als Babys noch sehr ähnlich, so wird immer deutlicher, dass die beiden Brüder und ihre Schwestern nicht nur unterschiedlich aussehen. Sie haben auch unterschiedliche Ansichten. Der Blick aufs Leben, auf Familie und Freunde ist individuell geprägt. Das war den Eltern von Beginn an wichtig: Die Vierlinge sollten nicht alle in die gleiche Kindergruppe oder in eine Klasse gehen.

Fin sagt nun: „Mein Wunsch ist es, wieder in die Schule zu können.“ Ein Wunsch, der am Donnerstag in Erfüllung geht: Dann beginnt für ihn der Unterricht an seiner Schule. Auf Schlagzeugunterricht fernab des PCs und Schwimmtraining wird der Elfjährige zunächst aber weiter verzichten müssen. Auch Marten freut sich darauf, bald wieder direkt mit seinen Freunden lernen zu können.

Fiona dagegen sehnt das erste Treffen mit ihren Großeltern herbei. „Ich möchte mal wieder mit ihnen kuscheln“, so die Elfjährige. „Im Moment mache ich Hausaufgaben zu Hause und meine Eltern sind wie meine Lehrer. Ich möchte außerdem mal wieder reiten und schwimmen.“ Schwester Liv, die ähnliche Hobbys hat wie Fiona, freut sich zudem auf richtige Gottesdienste in der Kirche. „Derzeit kann ich ja nicht in die Gemeinde, sondern feiere an Sonntagen Online-Gottesdienst zu Hause.“ Dafür habe sie im Moment viel mehr Zeit für ihre Haustiere.

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Janine Stührenberg ist 39 Jahre alt und hält die Großfamilie zusammen. Sie ist eine berufstätige Mutter, die ihre Arbeit in einer Kindertagesstätte auch nach der Geburt der Vierlinge nicht aufgegeben hat. Kann sie sich vorstellen, dass die Krise nicht nur negative Auswirkungen haben kann? „Ich glaube, dass man seine Prioritäten jeden Tag neu überdenken muss: Wie viel Zeit widme ich was und was ist vielleicht auch nicht wichtig? Andere Dinge bekommen eine neue Wichtigkeit“, sagt sie.

Einerseits sei sie dadurch, dass Termine wegfallen, entschleunigt; aber auf der anderen Seite werde man mit dem Acht-Personen-Haushalt, dem Home Schooling und der Arbeit jeden Tag aufs Neue gefordert. „Geduld muss neu gelernt werden“, sagt sie. Und im Familienalltag müsse sich jeden Tag bewusst Zeit füreinander genommen werden: „Mittag- und Abendessen, zusammen lesen, eine Familienandacht abhalten – das gehört dazu“, sagt sie. Aber da sei noch mehr: „Miteinander lachen, reden, spielen, lernen.“

Wenn der Familie die Decke auf den Kopf falle, gingen alle zusammen spazieren oder es werde die Feuerschale im Garten entzündet. Es werde gekocht, gebacken und die Acht hätten auch Kartenspiele neu für sich entdeckt. „Wir versuchen, das Beste daraus zu machen, und ich bin total dankbar, dass die Kinder das trotz der Dinge, auf die sie verzichten, im Moment so gut mitmachen“, sagt die Mutter. Es sei nicht einfach und verlange allen in ihrer Familie viel Kraft und guten Willen ab. Das stellen die Stührenbergs täglich aufs Neue fest.


Der WESER-KURIER begleitet die Arster Familie Stührenberg in unregelmäßigen Abständen seit mehr als zehn Jahren.

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