Altstadt

Wie weit sind die Hansekoggen gekommen?

Altstadt. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven ist das kleinste von acht Leibniz-Forschungsmuseen. Das bedeutet, dass es Bundesförderung bekommt für die Forschung, die dann wiederum in die Ausstellung einfließt.
27.08.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ina Schulze

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven ist das kleinste von acht Leibniz-Forschungsmuseen. Das bedeutet, dass es Bundesförderung bekommt für die Forschung, die dann wiederum in die Ausstellung einfließt. Ruth Schilling hat kürzlich in der Reihe „Wissen um elf“ im Haus der Wissenschaft über „Neue Forschungen und Projekte zur maritimen Geschichte im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven“ gesprochen.

„Wenn Sie in letzter Zeit einmal da waren, dann werden Sie gesehen haben, dass viele Ausstellungsteile und Gebäude einer Renovierung bedürfen“, sagte Schilling, die Neuere, Neueste Geschichte, Alte Geschichte und Gräzistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und der University of Leicester studiert hat. Die Koggenhalle ist ein Gebäudeteil, der ursprünglich an die Hansekogge selbst angepasst worden war. Diese Halle stehe nun am Anfang einer neuen Ausstellungskonzeption, so Schilling. Forschung und Ausstellung sollen stärker verzahnt werden. Über das 14. Jahrhundert hinaus wird sich das Projekt mit der ökonomischen Verflechtung zwischen Städten der Hanse und Anrainern des Nordatlantik befassen. Ein Spezialist für Tierreste zum Beispiel versucht zu analysieren, wo sich Handelsplätze befunden haben. Generell wolle man herausfinden, wie weit die Kogge gekommen ist und vor allem ab wann.

Im Museum genügen Karten nicht

Traditionell könne man Handelsgüter und Fahrten auf Karten darstellen. „Aber es fehlt die sinnliche Darstellung dieses Handels. Daher muss auch immer über Objekte nachgedacht werden.“ So wurde beispielsweise ein Fass mit der Kogge geborgen. Dessen Herkunft lässt sich unter anderem anhand des Holzes nachkonstruieren. Persönliche Objekte, wie Koffer oder Tischdecken, auf der sich die Besatzung verewigt hat, würden einen lokalen Bezug abdecken. Derzeit seien verschiedene Schiffsrümpfe zu sehen.

„Über Schifffahrt zu forschen, heißt über Kommunikation und Mobilität zu reflektieren“, sagt die Juniorprofessorin. Schiffe waren vor der Erfindung von Eisenbahnen und Flugzeugen oft das schnellste Transportmittel. „Und sie waren wetterfester als Kutschen oder Karren“, sagt Schilling, die Forschungs- und Ausstellungsaktivitäten am Deutschen Schifffahrtsmuseum koordiniert.

Dies sei auch ein Grund dafür, warum sich Menschen entlang der Flüsse und Meere angesiedelt haben. „Etwa 90 Prozent des Warenverkehrs werden noch heute über Containerschiffe abgewickelt.“ Da sich Schifffahrt nie nur auf einen Punkt fixiert, sei Schifffahrtsgeschichte immer auch Globalgeschichte. Mit den Schiffen reisten nicht nur Waren und Menschen, sondern auch Wissen, Sprachen und Geschichten. „Aber auch Krankheiten oder Tiere, Pflanzen und Vorurteile, die Stoff für Kriege boten. Die Schifffahrt steht für globale Vernetzung.“

Im Deutschen Schifffahrtsmuseum finden sich manche Besucher etwas schwer zurecht. Denn es gibt viele fließende Übergänge, keine abgeschlossenen Etagen oder Räume. „Ich gehe davon aus, dass die neue Ausstellung im Schifffahrtsmuseum, die wir im nächsten Jahr mit der Koggehalle als erstem Abschnitt eröffnen wollen, nicht ungeteilt Begeisterung und Zustimmung erfahren wird“, sagte Ruth Schilling. „Vielleicht sollte sie das auch gar nicht.“ Denn ein Museum sollte kritikfähig sein und zum Diskutieren einladen. Die Besucher sollen überdies zu einer virtuellen Sammlung über die Kogge beitragen. Dazu will das Museum in Bremerhaven demnächst einen Aufruf starten.

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