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Gemeinsam nachhaltig Nachhaltigkeit ist sinnvoll und macht Spaß

Im Kleinen anfangen: Zahlreiche Beiträge zusammen können große Veränderungen bewirken!
29.09.2021, 14:19
Lesedauer: 4 Min
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Von Annika Häfermann

Gletscher schmelzen, Elefanten verdursten. Die Weltmeere sind von Plastik verseucht, und im Süden brennen die Wälder: Hiobsbotschaften wie diese schlagen in immer kürzerer Frequenz ein, sodass man am liebsten Augen und Ohren verschließen möchte. Doch den Kopf in den Sand zu stecken und nur auf die „Big Player“ zu verweisen, die an den großen Schrauben drehen können, ist nur wenig hilfreich. Vielmehr ist jeder einzelne gefragt. Denn auch zahlreiche kleine Beiträge können zusammengenommen einiges bewirken. Alte Gewohnheiten abzulegen, kann zunächst schmerzhaft sein – muss es aber nicht. Schließlich kann Umweltbewusstsein sogar richtig Spaß machen.

Den Sack zumachen

„Jute statt Plastik“ – an diesen Slogan, den sich das Fairtrade-Unternehmen Gepa vor mehr als 40 Jahren ausgedacht hat, werden sich manche vielleicht noch erinnern. Den automatischen Griff zur Plastiktüte an der Supermarktkasse haben wir uns zwar weitgehend abgewöhnt – und dennoch steigt der Plastikverbrauch stetig weiter an. Die aktuellen Zahlen des Umweltbundesamts vermelden einen neuen Rekord. Demnach ist der Pro-Kopf-Jahresverbrauch an Verpackungsmüll im Vergleich zum Vorjahr um ein weiteres Kilo gestiegen. Rechnerisch hat jeder Bürger in Deutschland im vergangenen Jahr 227,5 Kilogramm Plastikmüll produziert. Nach Angaben der Umweltbehörde wird derzeit weniger als die Hälfte des Kunststoffabfalls recycelt. Der Rest landet irgendwo – und viel zu oft in der freien Natur oder in den Meeren. Auch an den Stränden von Nord- und Ostsee wird Plastikmüll zu einem zunehmenden Problem und gefährdet nach Angaben der Bundesregierung Tausende Meerestierarten. Wer Lebensmittel lose auf dem Markt oder in einem Unverpacktladen erwirbt, auf doppelt- und dreifach verpackte Convenience-Produkte verzichtet, Pfandflaschen statt Tetrapacks wählt und den großen Joghurt im Glas statt mehrere kleiner Plastikbecher kauft, wird die Gewichtsabnahme im Mülleimer und im gelben Sack schnell bemerken.

Was uns Mode wert ist

Auch Kleidung ist längst zu einer Wegwerfware geworden. Eine Umfrage der Umweltorganisation Greenpeace ergab vor einiger Zeit, dass die deutsche Durchschnittsfrau pro Monat rund 100 Euro ausgibt – für Kleidung, Schuhe, Taschen und Accessoires, die sie meist überhaupt nicht braucht. Denn 40 Prozent der Einkäufe verkümmern selten oder nie getragen in den Kleiderschränken. Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sammeln sich in jedem Durchschnittskleiderschrank innerhalb von zwölf Monaten 18 Kilogramm neuer Kleidung an. Und laut Greenpeace landen jährlich 800.000 Tonnen Kleidung im Abfall. In den meisten Fällen nicht, weil sie kaputt ist, sondern um Platz für Neues zu schaffen. Das ist doppelt traurig, weil es nicht nur eine riesige Verschwendung an Ressourcen ist, sondern auch auf Kosten derjenigen Menschen in den Produktionsländern geht, die die Mode oft unter erbärmlichen Bedingungen anfertigen. Doch es geht auch anders und besser. Wer weniger, aber dafür gezielt fair und ökologisch produzierte Kleidungsstücke einkauft, und diese mit Wertschätzung mehr als ein, zweimal anzieht, spart Geld und trägt zu der Problemlösung bei. Dazu kommt, dass die Zeiten, in denen das Tragen gebrauchter Kleidung naserümpfend registriert wurde, längst passé sind. Secondhand ist gesellschaftsfähig geworden, und so mancher trendbewusste Modeliebhaber freut sich über einen Vintage-Fund auf dem Flohmarkt, einer Secondhandboutique oder einem Onlineshop für gebrauchte, neuwertige Kleidung.

Um die Ecke gedacht

Über kaum ein anderes Thema lässt sich so heftig streiten wie über das Automobil. Es ist eine geniale Erfindung. Sie macht unabhängig und frei, verbindet schnell und bequem Menschen, Orte und Güter. Gleichzeitig gibt es gute Gründe, sich zu fragen: Brauchen wir wirklich so viele Autos in der Stadt? So gut wie alle deutschen Großstädte leiden unter verstopften Straßen, und das nervt auch die Fahrer selbst, die in den Staus stehen und nirgendwo einen Parkplatz finden. Erst recht die Fußgänger – besonders die Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren und Kinderwagen – die auf den Gehwegen kein Durchkommen finden. Ganz zu schweigen von den Rettungsfahrzeugen, die in den bis in die letzte Ecke zugeparkten Wohnstraßen im Notfall kostbare Zeit verlieren.

Noch immer wächst die Fahrzeugdichte von Jahr zu Jahr auf neue historische Höchststände. In Bremen sind aktuell mehr als 290.000 private und gewerbliche Kraftfahrzeuge angemeldet. Im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten sind das nicht wenige. Mit rund 430 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner liegt die Hansestadt ungefähr gleichauf mit Frankfurt und Hamburg, sowie deutlich über Berlin, Leipzig oder Heidelberg, die unter der 400er-Marke bleiben. Nach Angaben des Bundesumweltamts kann ein Carsharing-Auto zehn oder mehr private Pkws ersetzen. Fahrgemeinschaften auf dem Weg zur Arbeit, die Anreise mit dem Fahrrad oder E-Bike oder die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV): Auch dies trägt zu einer Entspannung auf den Straßen bei.

Für Menschen, die dennoch nicht auf das Auto verzichten können, weil sie auf dem Land mit einer schlechten ÖPNV-Anbindung leben, das Fahrzeug beruflich brauchen oder oft weitere Strecken zurücklegen müssen, gibt es inzwischen von fast jedem Hersteller eine umweltfreundliche Alternative in Form von Elektro- oder Hybridautos. So können auch Vielfahrer ihren Beitrag für die Umwelt leisten.

Die Welt ist erschöpft

Seit Jahren errechnet das Global Footprint Network den Erderschöpfungstag als Datum, an dem alle nachhaltig nutzbaren Ressourcen verbraucht sind. Im Jahr 2021 war dies bereits am 29. Juli erreicht. Vor 40 Jahren fiel der Erd­überlastungstag noch auf den 11. November. Wären alle Länder so verschwenderisch wie Deutschland, bräuchte man die Ressourcen von drei Erden.

Doch es gibt Möglichkeiten, diese Frist deutlich zu verlängern, sagt das Netzwerk: Wenn halb so viel Fleisch konsumiert würde, verschöbe sich der Earth Overshoot Day um 15 Tage. Weitere zehn Tage wären gewonnen, wenn wir nur halb so viele Lebensmittel wegwerfen würden. Wenn wir halb so oft Auto fahren, ein Drittel der Fahrten durch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmitteln ersetzen, und den Rest zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs wären, brächte es weitere zwölf Tage. Die Aufforstung von 350 Millionen Hektar Wald würde das Datum um acht Tage nach hinten verschieben. Und die Reduktion der CO2-Emissionen der fossilen Brennstoffe um die Hälfte würde den Erderschöpfungstag sogar um 93 Tage nach vorn verlegen.

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