Schulmuseum Auf der Hohwisch

Wie zur Jahrhundertwende gelernt wurde

Im neuen Jahr will das Schulmuseum das neue Kooperationsprojekt „Zeit-Sprünge“ auf den Weg bringen. Damit sollen neue Zugänge zum Thema Nationalsozialismus geöffnet werden.
05.01.2019, 18:49
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Wie zur Jahrhundertwende gelernt wurde
Von Detlev Scheil
Wie zur Jahrhundertwende gelernt wurde

Das sind die Jungen und Mädchen der Schule Hohwisch im Jahr 1950, es handelt sich um den Einschulungsjahrgang 1945. Hella Gutjahr aus Berlin sucht jetzt nach ihren früheren Mitschülern.

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Hastedt. Auch im neuen Jahr hat das Schulmuseum Bremen, Auf der Hohwisch 61-63, einiges vor. Zwar gebe es 2019 keine große Sonderausstellung, aber das Erscheinungsbild des Museums im Ortsteil Hastedt solle sich zum Positiven wandeln, berichtet die Leiterin, Frauke Hellwig.

Bisher liegt der Eingang des Museums relativ versteckt an der Seite des Gebäudes. Weil die Hausmeisterwohnung unlängst frei geworden ist, sind nun Umgestaltungen möglich. Frauke Hellwig: „Statt des von der Hohwisch aus wenig wahrnehmbaren Eingangs über den Schulhof werden wir den Museumseingang sichtbarer an die Ecke Hohwisch/Fährstraße verlegen.“ Auch ein neuer Informationspunkt mit Anmeldung, Kasse und Shop solle neu gestaltet werden. Die Museumsleiterin hofft, dass zum Beginn des Schuljahres 2019/20 in diesem Sommer alles fertig ist.

Zufrieden ist Frauke Hellwig im Rückblick auf 2018 mit der Sonderausstellung „Trau keinem über 30! Schule und Jugendkultur 1960 bis 1975“ in der Unteren Rathaushalle. Immerhin mehr als 17 000 Besuchern wurden innerhalb von nur vier Wochen im Sommer 2018 gezählt.

Bewährtes und Neues im neuen Jahr

Im neuen Jahr erwartet die Museumsgäste vor allem bei den Führungen und museumspädagogischen Angeboten sowohl Bewährtes als auch Neues. Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Schulmuseum als außerschulischer Lernort. Bereits seit einigen Jahren werden im Schulmuseum verschiedene Modulthemen zur Abteilung „Bremer Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus“ für Schulklassen angeboten.

„Als einen neuen Schwerpunkt bei der Arbeit für Schulen haben wir in Kooperation mit mehreren Bremer Institutionen das Projekt ‚Zeit-Sprünge‘ entwickelt“, berichtetet Frauke Hellwig. Es solle Schulen die Möglichkeit eröffnen, zwei oder drei Projekttage an verschiedenen Orten zu verbringen, die Programme zum Thema Nationalsozialismus anbieten. Frauke Hellwig: „Dadurch soll in dieser Kooperation eine neue Möglichkeit entstehen, die historische Aufarbeitung der NS-Geschichte unter verschiedenen Aspekten wahrzunehmen und mit aktuellen Fragestellungen zu verbinden.“

Unter dem Titel „Von Propaganda zur Hatespeech“ und „Krieger – Ritter – Helden?“ bietet das Schulmuseum in dieser neuen Kooperation vielfältige Programme mit dem Servicebureau Jugendinformation und mit dem Volksbund Deutsche Kriegsfürsorge an. Das gemeinsame Projekt „Zeit-Sprünge“ wird am Donnerstag, 7. Februar, mit allen Kooperationspartnern der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt, am Montag, 1. April, wird dazu eine Fortbildung für Lehrkräfte am Landesinstitut für Schule (LIS) starten.

Schulalltag um 1900

„Ene mene Tintenfass – Schulkind sein um 1900“ heißt ein Programm für Grundschulen, das den Kindern im Schulmuseum mit historischem Unterricht, Schreibübungen und anderen Elementen aus dem Alltag um 1900 an mehreren Vormittagen Aspekte zur Geschichte vermittelt. Auf der Erfahrungsebene ihres eigenen Schulalltags können sie Vergleiche ziehen mit der kaiserzeitlichen Schule und historisches Verständnis entwickeln. Zugleich ermöglicht das Programm sinnliche Erfahrungen zum Anfassen und Schmecken. Ein gemeinsames, kreativ gestaltetes Lexikon präsentiert zum Abschluss anschaulich die Erfahrungen der Kinder mit historischen Räumen und Objekten. Der Verein Bremer Schuloffensive unterstützt dieses Projekt.

„Lehren und Lernen um 1900“ ist ein museumspädagogisches Programm, das für Klassen ab der Vorschulzeit bis zum sechsten Schuljahr geeignet ist und dabei auf die unterschiedlichen Altersgruppen eingeht. Ein historisches Frühstück kann dieses Programm abrunden. Eine Führung durch alle Abteilungen, die die Zeit vom späten 19. Jahrhundert bis um 1960 vorstellt, bietet das Schulmuseum unter dem Titel „Pädagogik im Wandel“ für Berufsschulen mit pädagogischen Ausbildungsgängen, Pädagogikprofilen von Oberstufen, aber auch Studenten- oder Referendarsgruppen an.

Neu sind im neuen Jahr museumspädagogische Programme zur Nachkriegszeit ab 1945. Für unterschiedliche Altersgruppen können Führungen mit kreativen Elementen oder mit Quellenarbeit genutzt werden.

80-Jährige sucht Klassenkameraden

Das Schulmuseum bietet aber nicht nur Programme für Schulklassen. Beliebt sind Führungen auch für Erwachsenengruppen, Senioren oder anlässlich von Klassentreffen. Die alten Schulbänke, die von den Bremer Schülern der 1950er-Jahre noch gedrückt wurden, rufen schnell Erinnerungen wach und initiieren angeregte Gespräche über alte Zeiten. Zu den Klassentreffen gehören auch immer wieder Gruppen, die noch in der Hohwisch auf die Schule gegangen sind.

Momentan sucht die 80-jährige Hella D. Gutjahr aus Berlin-Spandau ihre Hohwisch-Klassenkameraden von 1945 bis 1950. Gern würde sie die Mitschüler, die noch leben, wiedersehen, schreibt Hella Gutjahr in einem Brief an unsere Zeitung. „Ich kann mich an Namen wie Lutz, Horst, Otto, zweimal Elke, Marlies, Inge und Annegret sowie die Lehrerin Fräulein Schierenbeck noch gut erinnern“, berichtet die Seniorin. Sollte sich anhand ihrer Schilderung oder des Fotos jemand wiedererkennen und an einem Treffen interessiert sein, kann er sich per Postkarte oder Brief an Hella D. Gutjahr, Altstädter Ring 15, 13597 Berlin, wenden.

Weitere Informationen

Nähere Informationen über das Schulmuseum im Internet unter www.schulmuseum-bremen.de, Telefon 696 23 30 sowie E-Mail schulmuseum@bildung.bremen.de.

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