QR-Codes an Sehenswürdigkeiten Wikipedianer wollen Bremen bekannter machen

Viele Texte über bekannte Bremer Bauten bei Wikipedia stammen von Jürgen Howaldt und Norbert Kück. Beim Tag des offenen Denkmals haben sie ihre Arbeit im Landesamt für Denkmalpflege gezeigt.
12.09.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Wikipedianer wollen Bremen bekannter machen
Von Kristin Hermann

Viele Texte über bekannte Bremer Bauten bei Wikipedia stammen von Jürgen Howaldt und Norbert Kück. Beim Tag des offenen Denkmals haben sie ihre Arbeit im Landesamt für Denkmalpflege gezeigt.

Wenn jemand einen Fehler in den Artikeln von Jürgen Howaldt und Norbert Kück findet, dann ärgern sie sich sehr darüber. Schließlich sind sie bei ihrer Recherche peinlich genau, belegen die Fakten immer mit Quellen. Doch manchmal schleicht sich auch bei ihnen eine kleine Ungenauigkeit ein – und sei es nur ein Kommafehler. Das fällt aber meistens schnell auf, denn das, was Howaldt und Kück schreiben, wird von der breiten Masse der Internetgemeinschaft überwacht, und ständiges Verbessern und Erweitern von Texten ist Teil des Konzepts.

Die beiden Bremer sind Wikipedianer. Sie gehören zu den Menschen, die ihre Stadt in der großen Internet-Enzyklopädie ein bisschen bekannter machen wollen.

Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag haben sie ihre Arbeit im Haus Heineken, dem Sitz des Landesamtes für Denkmalpflege, gezeigt. Denn ein Großteil der Texte über bekannte Bremer Bauten stammt von ihnen. Wie in anderen Teilen Deutschlands und der Welt auch, haben die freiwilligen Autoren mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Deshalb stellen sie ihre Tätigkeit seit geraumer Zeit alle zwei Wochen im Heimathaus Lesum unter dem Motto „Wikipedia vor Ort“ vor.

Stammtisch für Wikipedianer aus Bremen

„Quasi eine Sprechstunde für alle Interessierten“, sagt Norbert Kück. Außerdem gibt es einmal im Monat eine Art Stammtisch für Wikipedianer aus Bremen. Dorthin kämen regelmäßig fünf bis sechs Leute, „es schreiben aber mehr Menschen in Bremen“, sagt Howaldt.

Etwa 5000 Fotos zu Artikeln und Biografien rund um Bremen gebe es, 350 Artikel widmeten sich alleine den Bremer Denkmälern, sagen die beiden Hobby-Autoren. Ihre Motivation, bei dem Langzeitprojekt mitzumachen, ist ganz unterschiedlich. Für Norbert Kück ging alles mit einem Fehler in einem Computer-Beitrag los, den er unbedingt verbessern wollte.

Seitdem kümmert er sich vor allem darum, technische Dinge zu optimieren und Listen und Tabellen korrekt anzulegen. Das Programmieren hat er sich selbst beigebracht. Und wenn er doch mal Texte selbst verfasst oder korrigiert, dann immer unter dem Leitspruch: „Sei mutig und schreib es einfach, aber sorge immer dafür, dass du es auch belegen kannst.“

Ausgezeichneter Artikel über die St.-Martini-Kirche

Jürgen Howaldt dagegen ist vor allem für das Fotografieren zuständig. In den elf Jahren, in denen er dabei ist, hat der 77-Jährige aber auch schon 100 Artikel geschrieben. Für sein Hobby wendet der Rentner viel Zeit auf. „Zwei Stunden täglich“, sagt er und muss grinsen. Seine Frau habe sich mittlerweile daran gewöhnt, Wikipedia sei sogar zu einer gemeinsamen Leidenschaft geworden. „Meine Frau textet oft die Artikel, während ich die Bilder dazu mache“, sagt Howaldt.

Besonders viel Arbeit hat er in einen Artikel über die St.-Martini-Kirche investiert. Diesen Text stufte Wikipedia als besonders lesenswerten Beitrag ein – er gilt als ein Beispiel für einen guten Artikel. Das sind für die Wikipedianer die kleinen Auszeichnungen für ihre Arbeit. Auch im Urlaub sei die Kamera stets mit dabei, um Berichte über kulturelle Stätten aus anderen Ländern in Deutsch zu verfassen, erzählt Howaldt. Die Wikipedia-Gemeinde versucht, die Beiträge zu einzelnen Themen in so vielen Sprachen wie möglich zu schreiben. Allein über das Bremer Rathaus gibt es Artikel in fast 30 Sprachen.

Bei der Recherche zu den Texten habe sich auch der Blick auf die Informationsbeschaffung verändert. Howaldt geht meistens in Bibliotheken und zieht Fachliteratur heran. „Man lernt dadurch, Quellen kritischer zu hinterfragen“, sagt Ulrich Lamm, ein anderer Wikipedianer aus der Bremer Runde. Nicht selten sehe er Reiseführer oder andere Bücher, in denen die Inhalte einfach nicht korrekt seien, sagt er.

Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege

Die Bremer Wikipedianer arbeiten mittlerweile eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammen. Monatlich bekommen sie eine aktualisierte Liste, auf der alle Denkmäler im Land Bremen stehen. „Wir freuen uns über die Arbeit dieser Leute. Sie helfen uns, die Gebäude und Anlagen bekannter zu machen“, sagt Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki.

In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Bremer Touristik-Zentrale hat der Wikipedia-Kreis in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass etwa 140 Informationstafeln an architektonisch bedeutsamen Gebäuden in der Innenstadt um QR-Codes erweitert wurden. Die Quick-Response-Codes ermöglichen es Nutzern von Smartphones oder Tablet-PCs, im Internet weiterführende Informationen über die Gebäude zu erhalten. Wird der Code mithilfe einer App gescannt, gelangt der Nutzer auf die entsprechende Wikipedia-Seite.

Dieses Projekt wollen sie nun auch an berühmten Bremer Plastiken fortführen. Die Männer ärgert es, dass es beispielsweise an den Bremer Stadtmusikanten am Rathaus keine richtige Infotafel gibt. Mit einem QR-Code, der zu Wikipedia-Artikeln in verschiedenen Sprachen führt, könnte das aufgefangen werden, sagen sie. Das Problem dabei: Die Plastiken fallen in den Zuständigkeitsbereich verschiedener Organisationen und Einrichtungen, zu denen Howaldt, Kück und die anderen Engagierten erst einmal Kontakt aufnehmen müssen. Und am Ende, sagt Howaldt, bliebe natürlich noch zu klären, wer die Kosten dafür übernimmt.

Nähere Informationen zu den Bremer Wikipedia-Schreibern gibt es unter der E-Mail-Adresse bremenpedia@wikipedia.de.
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