Sänger Angelo Kelly über seine Vergangenheit - Konzert im Bürgerhaus "Will ein besserer Mensch werden"

Vegesack. Wenn Angelo Kelly ein Konzert gibt, lässt er sich nicht von Pressefotografen ablichten. Er will seine Kinder vor Paparazzi schützen, sagt der jüngste Spross des legendären Kelly-Clans.
16.05.2014, 06:00
Lesedauer: 5 Min
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Wenn Angelo Kelly ein Konzert gibt, lässt er sich nicht von Pressefotografen ablichten. Er will seine Kinder vor Paparazzi schützen, sagt der jüngste Spross des legendären Kelly-Clans. Im Gespräch mit Patricia Brandt berichtet der Sänger über die Suche nach Wahrheit, irreführende Illusionen und seine Probleme als Heimwerker.

Angelo, Ihre Fans kennen Sie seit Ihrer Kindheit als Sänger. Neuerdings zeigen Sie sich auf Youtube aber auch als Heimwerker. Sie haben das Leben im Wohnmobil aufgegeben und ein Cottage in Irland gekauft. Was macht mehr Spaß – Singen oder Heimwerken?

Angelo Kelly: Die Musik. Das Heimwerken lerne ich gerade erst.

Ich habe im Internet gelesen, dass das Haus heruntergekommen ist. Was ist bei der Renovierung schiefgegangen?

Ach, es geht immer wieder etwas schief. Man lernt, einfach immer wieder von vorne zu beginnen. Ob es das Bad ist, die Wände, die Klempnerarbeiten oder die Elektrik.

Machen Sie alles selbst?

Meistens hole ich mir Hilfe aus der Gegend, aus der Nachbarschaft, dazu. Jemanden, der mir zeigt, wie es geht. Und wenn ich das Gefühl habe, ich kann‘s, dann mach ich es selbst.

Wir sehen im Internet ihr Haus mit einem Regenbogen darüber, Fotos Ihrer Kinder beim Angeln. Ihre Frau presst frischen Orangensaft. Ist die Idylle echt?

Ja, es ist echt. Ich versuche nicht, etwas vorzuspielen. Ich habe zehn Jahre nicht mein Privatleben gezeigt. Ich war immer sehr beschützend meiner Familie gegenüber. Aber heute leben wir in einer anderen Zeit. Ich habe ein gesundes Publikum. Das sind nicht mehr Leute, die mir nachjagen. Sie kommen gerne zu meinem Konzert, haben aber noch ihr eigenes Leben. Ich kann ruhigen Gewissens über mein Leben berichten. Gerade, wenn es so wichtige Schritte betrifft, wie ein autarkes Leben aufzubauen. Das kann auch inspirierend sein für andere.

Sie zeigen sich im Netz ganz privat, aber Pressefotografen haben Sie den Zutritt bei ihrem Konzert vor zwei Jahren in Vegesack verwehrt. Wie passt das zusammen?

Auf meiner Internetseite und meinen Plattformen bin ich sehr privat und trotzdem rechtlich geschützt. Ich kann selber auswählen, was gezeigt wird. Ich möchte meine Familie nicht ins offene Messer laufen lassen, deshalb erlaube ich auch heute noch keine Fotos bei Konzerten. Die Boulevardpresse ist gefühlskalt. Ich habe sehr schlechte Erfahrungen schon als Zwölfjähriger gemacht. Mein Vater, keiner von uns konnte darauf vorbereitet sein, was passiert. Viele Jahre war es extrem wild. Es hat mein Leben komplett verändert.

Ihre schlimmste Situation?

Die Verfolgungsjagd der Paparazzi. Ich hatte acht Jahre lang einen Security-Mann an meiner Seite, Tag und Nacht. Wenn ich frühstücken gehen wollte, musste ich klopfen, damit er nachsehen konnte, ob ich hinaus kann. Das hat sich nicht richtig angefühlt. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Ich hatte einen hohen Preis für den Erfolg zu bezahlen.

Noch mal zu Ihrem Versuch, autark zu leben. Sie sollen sogar eine eigene Wasserquelle am Haus haben. Warum ist Ihnen Unabhängigkeit so wichtig?

Wir haben eine Wasserquelle und einen Fluss. Fürs Heizen nehmen wir Holz aus unserem Wald. Auch einen eigenen Stromkreislauf werden wir hoffentlich nach ein paar Jahren haben. Mir geht es dabei nicht um die Umwelt. Es wäre falsch, das zu behaupten. Ich finde, jeder Mensch sollte so frei wie möglich sein. Obwohl wir einen so großen Informationsfluss mit dem Internet haben, werden die Möglichkeiten, autark zu leben, immer geringer.

Einige Ihrer neuen Songs handeln von der Suche nach Wahrheit. Welche Wahrheit meinen Sie?

Es gibt nur eine Wahrheit. Die Frage ist eher, wie kommt man da hin.

Hat das etwas mit Religion zu tun?

Für manche bestimmt auch. Letztendlich ist es eine Lebenseinstellung. Eins plus eins macht zwei und nicht eineinhalb oder zweieinhalb. Die Frage ist, ob man es sieht. Ich will ein besserer Mensch werden.

Ihre Familie gilt als die neue Kelly-Family. Sie gehen wie einst Ihr Vater nun mit Ihren eigenen vier Kindern auf Tour. Wie schaffen Sie es, dass Ihre Kinder die ganze Zeit artig mitmachen? Geben sie doch mal ein paar Erziehungstipps.

(lacht) Ich kann keine Erziehungstipps geben. Für meine Frau und mich ist es das Wichtigste im Leben, Kinder zu haben. Wir haben nicht einfach Kinder, sondern beschäftigen uns mit ihnen. Wir sind nicht super streng. Gehauen wird bei uns gar nicht. Aber die Kinder sollten vor Autoritätspersonen Respekt haben, die ihnen sagen, in welche Richtung es geht. Wenn ich etwas sage, hören sie, weil es sonst Konsequenzen gibt.

Erpressen Sie Ihre vier Kinder auch mal? So nach dem Motto: Entweder du singst jetzt mit oder du darfst kein Fernsehen?

Das Singen hat wenig mit Erziehung zu tun. Es ist etwas, was wir gemeinsam machen. Etwas, das sich entwickelt hat. Auf jeder Tour machen die Kinder mehr. Sie haben Lust, immer mehr Aufgaben zu übernehmen. Ich weiß nicht, wie lange das noch geht. Für mich ist das ähnlich spannend wie fürs Publikum.

Wie oft proben Sie mit den Kindern?

Wenn wir auf Tournee sind, proben wir nicht so viel. Zu Hause vielleicht ein- oder zweimal am Tag. Jeder kann selbst entscheiden, ob er etwas macht.

Sie selbst wurden in Ihrer Kindheit in Köln von Ihrem Vater unterrichtet, was damals für Schlagzeilen sorgte. Schicken Sie Ihre Kinder zur Schule?

Meine Kinder gehen nicht zur Schule. Meine ältesten Kinder waren drei und zwei Jahre in Deutschland in der Schule. Dann haben meine Frau und ich entschieden, auf Reisen zu gehen. Wir haben einen Bus gekauft und alles hinter uns gelassen. Wir sind drei Jahre quer durch Europa gereist. Die ersten Jahre habe ich nur auf der Straße gespielt. Das war toll, weil wir viel gemeinsame Familienzeit hatten. In Irland und vielen anderen Ländern in Europa ist Home-Schooling erlaubt. Außer in Deutschland. Da ist man sehr zurück in der Zeit. Nicht für jede Familie ist das Schulsystem in Deutschland geeignet.

Wer unterrichtet Ihre Kinder?

Das macht hauptsächlich meine Frau. Wir nutzen aber auch externe Quellen für Musik, Tanz, Kunst und Sport.

Wegen des Andrangs musste Ihr Konzert in Vegesack ins Gustav-Heinemann-Bürgerhaus verlegt werden. Was, meinen Sie, lieben die Leute an den Kellys? Ist es die Musik oder die Art zu leben?

Vielleicht die Mischung aus beidem. Meine Musik ist Ausdruck meiner Gedanken. Ich bin kein Schauspieler, der auf die Bühne geht und eine Rolle übernimmt.

Wir wissen also alles über Angelo Kelly?

Wenn ihr mich nicht kennt, kenn’ ich mich selber nicht. Von vielen Leuten im Showbiz, Managern oder Plattenlabels, höre ich oft: Angelo, du musst dich mystischer machen – nicht so anfassbar sein. Nach den Konzerten rede ich stundenlang mit den Leuten und gebe Autogramme. Illusionen aufzubauen, finde ich ganz ganz schlimm. Das ist nicht für den Künstler gesund und nicht fürs Publikum. Das führt dazu, dass Leute jahrelang etwas auf einen Menschen projizieren und ihr eigenes Leben nicht weiterführen können.

Zur Person: Angelo Kelly, Jahrgang 1981, lebt mit Ehefrau Kira und vier Kindern in Irland. Bekannt wurde er in den Neunzigern als jüngstes Mitglied der Pop- und Folkband The Kelly Family, die mehr als 20 Millionen Tonträger verkauft hat. Das Konzert findet statt am Freitag, 23. Mai, um 20 Uhr im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus. Die Karten kosten 22 Euro (plus Vorverkaufsgebühren) und an der Abendkasse 26 Euro. Kinder bis zwölf Jahren zahlen 16 Euro.

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