Scharfe Kontroverse zwischen Böhrnsen und Loske

Winterchaos: Kliniken brauchen mehr Betten

Bremen. In der Vorbesprechung zur Senatssitzung hat es zwischen Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) und Umweltsenator Reinhard Loske (Grüne) offenbar richtig geknallt. In der Frage um das richtige Management im Winterdienst sind der Regierungschef und der Senator aneinander geraten. Der eisige Winter beschäftigte auch die Bremer Kliniken: Im Klinikum Mitte wird eine zusätzliche Station eingerichtet.
10.02.2010, 01:40
Lesedauer: 2 Min
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Winterchaos: Kliniken brauchen mehr Betten
Von Wigbert Gerling
Winterchaos: Kliniken brauchen mehr Betten

Wegen der vielen Verletzten muss das Klinikum Bremen-Mitte eine zusätzliche Station eröffnen.

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Bremen. In der Vorbesprechung zur Senatssitzung hat es am Dienstag zwischen Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) und Umweltsenator Reinhard Loske (Grüne) offenbar richtig geknallt. In der Frage um das richtige Management im Winterdienst auf den Straßen, so hieß es nach der Kabinettssitzung, seien der Regierungschef und der Senator aneinander geraten. Der eisige Winter beschäftigte gestern auch die Bremer Kliniken: Die Unfallstationen sind voll mit Patienten, die auf glatten Wegen gestürzt sind. Im Klinikum Mitte wird daher eine zusätzliche Station eingerichtet.

Die Berichte über den offenen Senatskonflikt zwischen Bürgermeister Jens Böhrnsen und Reinhard Loske, Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa, unterscheiden sich gestern nur in der Wortwahl bei der Beschreibung. In etwas zurückhaltenderen Kommentaren hieß es, es habe 'starke Irritationen' gegeben, die traditionelle 'Frühstücksrunde' sei von 'Emotionalität' geprägt gewesen. Andere berichteten, Loske sei 'der Kragen geplatzt' und die Stimmung beider Kabinettsmitglieder habe in Richtung 'wutschnaubend' tendiert.

Ausgangspunkt war demnach eine Einlassung von Böhrnsen, der sich über die schwierigen Witterungsverhältnisse und die glatten Straßen äußerte. Das kam offenbar unter anderem als Kritik am Winterdienst an. Reinhard Loske habe sich sofort vor die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestellt, die nun schon seit Langem im vollen Einsatz seien, um die Lage auf den Straße zu entschärfen.

Wie es hieß, kam auch ein Vorschlag der Senatskanzlei nicht gut an, wonach das Loske-Ressort im eigenen Haushalt Geld von anderer Stelle loseisen solle, um etwas mehr für den Winterdienst zu haben. In einer Krisenlage, so anschließend kritische Kommentare dazu, sei es eher Aufgabe der Regierung insgesamt, die Probleme zu bewältigen.

Tatsächlich sind diese Probleme offenbar größer, als so mancher Politiker wohl gerne zugeben mag. Wie angespannt die Lage auf den Straßen, Rad- und Gehwegen noch immer ist, zeigt etwa ein Blick in die Krankenhäuser in Bremen und in der Region. Die unfallchirurgischen Abteilungen sind voll mit Menschen, die auf spiegelglatten Straßen und Wegen gestürzt sind. Die Lage in den Kliniken ist inzwischen so ernst, dass sie nach Angaben der Krankenhaus-Dachgesellschaft Gesundheit Nord (Geno) gar keine weiteren Patienten mehr aufnehmen können. 'Wir werden daher Mittwoch eine zusätzliche Station im Klinikum Mitte einrichten', sagt Geno-Sprecherin Melanie Walter.

Alleine diese Klinik werde pro Tag von gut 80 Verletzten angesteuert. Das Gros kommt mit Arm- und Beinbrüchen sowie oder mit Schädel-Hirn-Traumata. 'Und über 90 Prozent dieser Patienten sind Fußgänger', sagt die Geno-Sprecherin. Alleine das zeigt, wie gefährlich die Situation auf Straßen und insbesondere Gehwegen noch immer ist. Ein zweiter Indikator dafür sind die Beschwerden, die beim Stadtamt eingehen.

Eigentlich ist klar geregelt, dass die Bürgersteige so präpariert werden müssen, dass niemand stürzen kann. Zuständig sind die Grundstückseigentümer, beziehungsweise Anlieger oder die von ihnen beauftragten Winterdienst-Firmen. Dass die jedoch überall ihrer gesetzlichen Streu- und Räumpflicht nachkommen, 'darauf sollte man sich besser nicht verlassen', sagt Stadtamtsleiter Hans-Jörg Wilkens. 20 bis 30 Beschwerden über spiegelglatte Bürgersteige gehen bei der Behörde täglich ein. Ungefähr 70 mündeten bisher in Bußgeldverfahren, wobei die Bußgelder zwischen 50 und 100 Euro liegen, erklärt Stadtamtsleiter Wilkens. Berichte Seite11

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