Böhrnsen rügt Planung

Winterchaos: Senat verspricht Besserung

Bremen. Jetzt macht der Bürgermeister den Winter zur Chefsache. Spiegelglatte Straßen, nicht geräumte Fußwege, 40 Unfälle innerhalb weniger Stunden - das Schneechaos vom Dienstag hat auch Jens Böhrnsen (SPD) nicht kalt gelassen. Er kündigte eine entschiedene Fehleranalyse an.
03.02.2010, 20:50
Lesedauer: 2 Min
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Von Günther Hörbst
Winterchaos: Senat verspricht Besserung

Seit Wochen hat der Winter nicht nur Bremen und Norddeutschland, sondern ganz Deutschland fest im Griff.

Frank Thomas Koch

Bremen. Jetzt macht der Bürgermeister den Winter zur Chefsache. Spiegelglatte Straßen, nicht geräumte Fußwege, 40 Unfälle innerhalb weniger Stunden - das Schneechaos vom Dienstag in Bremen hat auch Jens Böhrnsen (SPD) nicht kalt gelassen. Er kündigte eine entschiedene Fehleranalyse an, um derartige Zustände in Zukunft vermeiden zu können.

'Es kann nicht sein, dass man in einer Stadt nicht so weitreichend plant, um für den gesamten Winter genügend Salz zur Verfügung zu haben', sagte Böhrnsen gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Man müsse ernsthaft darüber reden, weshalb sich die zuständigen Stellen nicht ausreichend auf diese winterlichen Zustände vorbereitet hätten. 'Was jede Stadt in Deutschland versprechen muss, ist dass sie für Mobilität sorgt', sagte Böhrnsen. 'Es kann ja nicht sein, dass ältere Menschen wochenlang nicht aus dem Haus gehen können. Wir müssen uns angesichts dieser Erfahrungen zusammensetzen und uns fragen: Was hätte besser funktionieren müssen?'

Besonders verärgert ist der Bürgermeister über den Winterdienst. Die Entsorgung Nord (Eno) hatte am Dienstag erklärt, immer erst auszurücken, wenn der Schneefall aufgehört habe. Dagegen erklärte das Amt für Straßen und Verkehr, natürlich dann zu räumen, wenn Schnee falle. Dass Eno und das Amt und Straßen und Verkehr unterschiedliche Richtlinien hätten, wann der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um die Straßen zu räumen, könne er nicht akzeptieren, sagte der Bürgermeister. 'Die Maßstäbe dafür müssen in allen Teilen der Stadt dieselben sein. Das ist etwas, was zwingend verbessert werden muss. Da kann man auch nicht bis zum nächsten Winter warten. Das muss sofort passieren.' Alles andere sei eine Kapitulation vor dem Winter. 'Die Bremer dürfen erwarten, dass wir alles Denkbare unternehmen, um das, was der Winter außer Kälte bringt, für sie erträglich zu machen', sagte er.

Vor Böhrnsen hatte bereits Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) versprochen, dass sich sein Bundesland im kommenden Winter ganz anders präsentieren werde als im Moment: Dass man in Hamburg 'nicht mehr vernünftig auf die Straße gehen' könne, werde sich nicht wiederholen, so von Beust. Die Zustände in den vergangenen Wochen hatte er als peinlich bezeichnet.

Hauptverantwortlich für die schwierigen Verhältnisse auf den Straßen und auf den Fußwegen ist der Umstand, dass in Bremen und Hamburg wie in vielen anderen Städten Deutschlands das Salz zur Neige gegangen ist. Das hat jetzt auch Folgen für den Winterdienst auf der Autobahn 1. Das Verkehrsressort kündigte gestern Nachmittag an, dass ab Mitternacht eine der insgesamt drei Spuren gesperrt wird. Die Maßnahme sei mit Niedersachsen abgestimmt und gelte für den kompletten Bereich, der über die sogenannte Verkehrsbeeinflussungsanlage gesteuert wird, hieß es. Diese Anlage soll Autofahrer auch auf die Einschränkungen hinweisen. Wie lange die Maßnahme gelten soll, hängt von zwei Faktoren ab: Vom Wetter und von der Menge Salz, die in den nächsten Tagen beim zuständigen Amt für Straßen und Verkehr (ASV) angeliefert wird. Vermutlich wisse man am Freitag mehr, hieß es gestern.

'Straßenmeistereien haben bis Mitte Januar bereits mehr Streusalz bestellt als sonst im gesamten Winter', sagte Ulrich Göbel, Sprecher des Streusalzanbieters K+S. 'Wir haben eine Sondersituation. Wir produzieren 20000 Tonnen Streusalz am Tag, und in einem normalen Winter reicht das immer ohne Probleme.' Wegen der seit fünf Wochen andauernden Schneefälle sei dies aber nicht genug. 'Auch unser Vorrat von 800.000 Tonnen, den wir immer vor dem Winter anlegen, um Kunden schnell beliefern zu können, ist schon aufgebraucht', sagte Göbel weiter.

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