Annette Siegert vom Nabu: Fütterung unterstützt Vögel in kalter Jahreszeit

Winterhilfe für Gefiederte

Sebaldsbrück. Nahrungsknappheit, wenig vogelfreundliche Gärten, dazu noch Frost und Schnee machen den Vögeln im Winter zu schaffen. Wer über die kalte Jahreszeit richtig füttert, schadet den Tieren nicht, und hat vielleicht sogar noch Freude daran, Meise, Fink, Spatz und Co.
20.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christine Gräfing

Sebaldsbrück. Nahrungsknappheit, wenig vogelfreundliche Gärten, dazu noch Frost und Schnee machen den Vögeln im Winter zu schaffen. Wer über die kalte Jahreszeit richtig füttert, schadet den Tieren nicht, und hat vielleicht sogar noch Freude daran, Meise, Fink, Spatz und Co. am Futterplatz zu beobachten. Annette Siegert vom Naturschutzbund (Nabu) Bremen hat sich jetzt in einem aktuellen Vortrag mit den häufigen Fragen zur Winterfütterung auseinandergesetzt.

Die Winterfütterung ist ein Eingriff in die Natur, aber ein hilfreicher. Im Vergleich dazu sind Herbizid-Einsatz, Monokulturen, die die Arten-Vielfalt senken, „aufgeräumte“ Gärten, womöglich noch mit exotischen Pflanzen, und zersiedelte Flächen und Schneisen im Lebensraum negative Eingriffe in die Natur. Die Befürchtung, dass der Lebensraum durch das Füttern ein Mehr an Wildvögeln nicht verkrafte, sei unbegründet, betont Annette Siegert. Nahrungsknappheit im Winter führt zu einer geringeren Anzahl an Vögeln. Zusätzliche Futterplätze senken den Konkurrenzdruck, und alle Vögel finden genug Futter. Ohne menschlichen Eingriff kann der Lebensraum nicht mehr so viele Vögel ernähren wie früher, als die Natur noch intakt war.

Die beim Nabu für Umweltbildung zuständige Geo-Wissenschaftlerin Annette Siegert berichtet auch von neuen Erkenntnissen: Vögel verlernen durch Winterfütterung nicht etwa die artgemäße Nahrungssuche, räumt sie mit einer veralteten Ansicht auf. Britische Studien haben gezeigt, dass Tiere arttypisches Futter bevorzugen – so lange sie es in der Natur finden. Vom Menschen angebotenes Futter nehmen sie als Zusatzangebot wahr. Fettreserven machen die Vögel für den Winter überlebensfähig, was positiv für die Fortpflanzung im Frühjahr ist. Früher hieß es, dass man erst bei geschlossener Schneedecke oder wenn es besonders kalt sei, füttern solle. Auch wenn es konträre Meinungen gibt, ist nach neuer Forschung die Winterfütterung anerkannt. Eine durchgängige Fütterung während des gesamten Winterhalbjahres von November bis Februar ist sinnvoll und auch bei mildem Wetter unproblematisch. Die Anfütterung kann im September und Oktober beginnen. Dabei lernen die Vögel den Futterplatz kennen, prägen sich die Stelle ein und steuern sie bei Mangel an. Jungvögel, die zweite und dritte Brut, die weniger Erfolg bei der Nahrungssuche haben, profitieren von der Fütterung. Ebenso Nicht-Zieher (Standvögel). Sie futtern sich Reserven an und fallen nicht dem ersten Frost zum Opfer. Zugvögel können vor der Abreise „aufstocken“ und haben somit erhöhte Überlebenschancen.

Die Sorge allerdings, dass ein Futterplatz als Brutstätte von Krankheiten dienen ­könnte, ist nicht unberechtigt, denn wo sich viele Lebewesen aufhalten, können leicht Krankheiten übertragen werden. Dies gilt besonders dann, wenn die hygienischen Bedingungen nicht optimal sind. Abhilfe kann geschaffen werden, indem man beispielsweise hängende Futterglocken, -säulen oder -silos einsetzt, erklärt Siegert. Die gut zu reinigenden Säulen bieten größtmögliche Hygiene. Die Vögel sitzen dabei sicher auf einem Steg, und das Futter in der Säule bleibt trocken.

Der Standort für einen Futterplatz sollte an drei Seiten freie Rundumsicht ermöglichen. Die vierte Seite sollte möglichst zwei Meter von einem Dickicht oder einer Hecke entfernt sein, von dem aus ein schnelles Anfliegen oder Verstecken vor Fressfeinden möglich ist.

Nur Vogelfütterung reicht aber nicht aus, auch ein vogelfreundlicher Garten ist wichtig. Er zeichnet sich durch Vielfalt aus und beherbergt zahlreiche Nahrungs-, Nist- und Versteckmöglichkeiten mit heimischen Stauden, Sträuchern und Bäumen, die Beeren tragen und Samen bieten. Auf exotische Gewächse wie zum Beispiel den giftigen Kirschlorbeer sollte verzichtet werden. Heimische Alternativen sind beispielsweise Schlehe, Hundsrose, Holunder, Schneeball oder Weißdorn. Ist ein Garten naturnah, dann lockt er viele Arten an.

Der Mensch kann die ursprüngliche Nahrung für Vögel zwar nicht ersetzen, aber er kann die natürlichen Ressourcen ergänzen. Meisen, Buntspecht und Kleiber bevorzugen frei hängende Glocken oder Fett-Knödel, Spatz, Rotkehlchen und Finken schätzen feste Plätze. Als Futter geeignet sind Nüsse, Obst, Sämereien und Fettknödel, die ohne Plastiknetz in Drahtkörbchen angeboten werden sollten. Wichtige Anforderungen an die Nahrung dabei sind: Sie sollte heimisch sein und keinerlei Gifte enthalten. Futter von Qualitätsfirmen oder vom Nabu ist naturbelassen, giftfrei, mehrfach gereinigt und geprüft. Im Vergleich dazu ist zu beachten, dass billiges Futter ökologische Nachteile hat, mitunter Pestizid-belastet ist und Samen der stark allergieauslösenden Ambrosia-Pflanze enthalten kann.

Bei Dauerfrost darf man auch nicht vergessen, den Vögeln Trinkwasser anzubieten, etwa in einer flachen Tonschale mit einem Stein in der Mitte. Dabei ist das Wasser jeden Tag zu erneuern und auf Sauberkeit zu achten, wie Siegert betont.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.nabu-bremen.de.
„Ein vogelfreundlicher Garten ist wichtig.“ Annette Siegert vom Nabu
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