Martha und Helmut Rengstorf in Hemelingen feiern steinerne Hochzeit − Erstes Rendezvous im Hemelinger Kino „Wir haben uns von Anfang an lieben gelernt“

Hemelingen. „Mein Mann stand hinterm Schalter der Post, –und ich bin immer an ­diesen Schalter Nummer fünf gegangen“, erzählt Martha Rengstorf. So lange, bis der Jung-Postbote sie fragte, ob sie nicht mal zusammen ins Kino gehen wollten – sie wollte.
16.03.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Matthias Holthaus

Hemelingen. „Mein Mann stand hinterm Schalter der Post, –und ich bin immer an ­diesen Schalter Nummer fünf gegangen“, erzählt Martha Rengstorf. So lange, bis der Jung-Postbote sie fragte, ob sie nicht mal zusammen ins Kino gehen wollten – sie wollte. Das war 1947, und die heutige Diskothek „Aladin“ diente damals als Kino. „Unser Vorteil war, dass ihre Tante dort Platzan­weiser war“, erzählt Helmut Rengstorf, denn damals waren Filme generell erst ab 18 Jahren zugänglich und die junge Martha noch nicht volljährig, „das waren schwere Zeiten für uns.“ 1948 dann verlobte sich das Paar, am 17. September 1949 folgte die Hochzeit.

Dieses Ereignis ist am morgigen Freitag, 17. März, genau 67,5 Jahre her, Martha und Helmut Rengstorf feiern Steinerne Hochzeit. Beide wurden in Hemelingen geboren und leben noch heute dort, sie wird 88, er 89 Jahre alt. 1947 wurde Helmut Rengstorf versetzt, zum Postamt 5 am Bahnhof, dort blieb er bis zu seiner Pensionierung 1990. Und auch Martha Rengstorf hat gearbeitet, bei Nordmende, als die Kinder größer waren. Drei Kinder haben sie groß gezogen, Hella kam 1951, Karin 1953 und Petra 1956.

Tochter Petra erinnert sich besonders an einen Urlaub, die Fahrt nach Österreich: „Mit dem VW-Käfer und dem Zelt obendrauf. Wir Kinder saßen hinten, und wegen des Platzmangels hat unser Vater die Rückbank ausgebaut, so dass wir auf dem Gepäck gesessen haben.“ Ein schöner Urlaub war das, und schön ist auch die Erinnerung daran, wie die Familie zu ihrem ersten Auto gekommen war. Der Vater fuhr zuerst stets mit dem Fahrrad von Hemelingen zum Postamt 5, bis er sich ein Mofa kaufte – mehr war nicht drin. „Doch dann hatten wir durch Zufall fünf Richtige im Lotto, und wir konnten uns das Auto kaufen“, erzählt Helmut Rengstorf.

Später wurde das Gehalt besser, Helmut Rengstorf kam erst in den mittleren, dann in den gehobenen Dienst der Post. Neben der Arbeit hatte er eine weitere Leidenschaft: Er spielte Akkordeon, hat in einer Band auf Schützenfesten und anderen Feiern Tanzmusik gemacht. Dabei hat er sich das Spielen und das Notenlesen selbst beigebracht und später sogar Unterricht gegeben. Überhaupt scheint es eine besondere Eigenschaft Helmut Rengstorfs zu sein, alles selbst bewerkstelligen zu wollen. Seit der Pensionierung widmet er sich ganz der Verschönerung und Erweiterung des eigenen Hauses: „Zum Faulenzen habe ich keine Lust, bevor ich einen Handwerker hole, mache ich es lieber selbst“, sagt er. Und auch am Computer macht ihm in der Familie so schnell niemand etwas vor.

„Wir haben uns von Anfang an lieben ­gelernt“, beschreibt Helmut Rengstorf einen der Gründe für die lange eheliche Ver­bindung, „wenn man das ein Mal hat, dann läuft es auch in schlechten Zeiten.“ Für ­Martha Rengstorf ist es besonders der Umstand, „dass mein Mann immer für mich und die Kinder da war und immer noch ist.“ ­Zusammen reden, Vertrauen haben und zu sagen, dass man füreinander da sei, das ist für das Paar das Erfolgsrezept für siebenundsechszigeinhalb Jahre Ehe.

Inzwischen ist Martha Rengstorf nicht mehr so gut auf den Beinen, ihr Mann Helmut hat ihr daher Hilfsvorrichtungen im Bad und im Schlafzimmer gebaut, damit sie weiterhin eigenständig aufstehen kann. Helmut Rengstorf selbst hatte 2009 mit der Diagnose Darmkrebs zu kämpfen und nach eigenen Aussagen „gewaltiges Glück gehabt“. Seinen Lebensmut hat er dabei nicht verloren.

„Bei uns gab es immer eine gute Gastfreundschaft, da ging es auch mal hoch her“, erzählt das Paar und lacht dabei. Selbst bei fünfzig Gästen und mehr hat Martha Rengstorf alles selbst zubereitet.

Das wird bei der morgigen Feier allerdings dieses Mal nicht passieren – gemeinsam mit den drei Kindern, fünf Enkeln und acht Urenkeln wird nämlich in einer Gaststätte gefeiert.

„Zum Faulenzen habe ich keine Lust." Helmut Rengstorf
„Bei uns gab es immer eine gute Gastfreundschaft.“ Ehepaar Rengstorf
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+