Seltenes Ehejubiläum

„Wir halten zusammen“

Herbert und Hildegard Eckart aus Bremen-Neustadt können am 31. Juli ihre Gnadenhochzeit feiern. Geheiratet haben sie 1948 in Bremen.
29.07.2018, 09:46
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Von Lara Jäkel

„Das war bei unserer Goldenen Hochzeit. Und das bei der Eisernen!“ Sichtlich stolz zeigen Herbert und Hildegard Eckart die Fotografien in ihrem Wohnzimmer, die zu den vergangenen Hochzeitsjubiläen aufgenommen worden sind. Bald wird ein weiteres dazukommen, denn das Ehepaar feiert am 31. Juli seine Gnadenhochzeit. „Die 70 Jahre sind an uns vorbeigerast“, sagt Herbert Eckart, „wir wissen gar nicht, wo die Jahre geblieben sind.“

Detailliert und lebhaft erinnern sich die beiden an die gemeinsame Zeit – an schöne, aber auch schwierige Phasen. Im jungen Alter von 19 und 20 Jahren lernten sich die gebürtigen Bremer auf der Arbeit kennen. Herbert war Elektriker bei der Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld, Hildegard war dort in der Abteilung Versilberung tätig. Wenig später, sobald Herbert 21 Jahre alt wurde und damit zur damaligen Zeit als volljährig galt, heirateten die beiden 1948 im Standesamt Bremen.

Es folgten schwierige Jahre in der Nachkriegszeit für das junge Ehepaar: „Wir hatten wenig Geld und mussten alles zusammensammeln“, erinnert sich Hildegard Eckart. Einige Zeit hätten sie wegen des Wohnungsmangels in Bremen auf einer Parzelle gewohnt und selbst Gemüse angepflanzt, um sich über Wasser zu halten. „Es ging eben nicht anders. Aber wir haben zusammengehalten, weil wir uns sehr lieb hatten“, sagt Herbert Eckart. „Und langsam haben wir uns dann hochgearbeitet“, ergänzt seine Frau.

Als im Jahr 1953 die Tochter Petra geboren wurde, zog die kleine Familie in die Mietwohnung eines älteren Ehepaares in der Gellertstraße. Nachdem die Frau des Vermieters gestorben war, kümmerten sich die Eckarts um den Witwer, einen ehemaligen Bäckermeister. „Der konnte den besten Klaben in ganz Bremen backen“, erinnert sich Petra. Auch danach hielt es die Eckarts in der Gellertstraße: In den 70er-Jahren kauften sie das Haus gegenüber, das im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, und bauten es wieder auf.

Auf Kuba einen Hurrikan erlebt

Besonders bei der Erinnerung an die gemeinsamen Urlaubsreisen geraten Hildegard und Herbert Eckart ins Schwärmen. „Bis in die Dominikanische Republik sind wir gekommen“, erzählt der Bremer „das war was Herrliches, etwas von der Welt zu sehen“. Auf Kuba habe das Ehepaar sogar einen Hurrikan miterlebt, sagt Tochter Petra Woskat. „Da hatte ich ganz schön Angst um die beiden.“ Später wichen die Fernreisen Urlauben auf einem Zeltplatz in der Nähe von Friesoythe, den das Ehepaar regelmäßig besuchte.

Inzwischen geht es bei den Eckarts ruhiger zu, auch weil sie seit zwei Jahren kein Auto mehr haben – das Risiko wolle man nicht mehr eingehen. Langweilig wird es dennoch nicht: Hildegard Eckart macht regelmäßig Wassergymnastik und singt im Chor, Herbert Eckart spielt gerne Skat und hat früher im Shanty-Chor Brinkum gesungen. Darin liege auch der Schlüssel ihrer glücklichen Ehe, verrät Herbert Eckart: „Dass jeder auf den anderen eingeht!“ Wichtig sei, dass beide ihre Freiheiten hätten und ihren eigenen Interessen nachgehen. „Das ist wirklich wichtig in einer Ehe“, findet seine Frau.

Doch auch die Gemeinsamkeit kommt bei dem Ehepaar natürlich nicht zu kurz. Ob lange Spaziergänge oder gemütliche Abende auf der eigenen Dachterrasse in der Gellertstraße, auf der viele bunte Blumen blühen – die Eckarts genießen ihre Zeit zu zweit. Denn all zu lange wollen sie dann doch nicht ohne den anderen bleiben: „Wenn ich mal etwas länger wegbleibe, zum Beispiel bei einem Arzttermin, macht sich Herbert schon Sorgen“, erzählt Hildegard Eckart lächelnd.

Nun steht erst einmal die Feier des Hochzeitsjubiläums an. Der Pastor der Kirchengemeinde habe sich dafür bereits angekündigt, anschließend wolle man gemütlich mit der Familie Essen gehen und Kaffee trinken. Dann gehe für die beiden der Alltag weiter, den sie mit Hilfe ihrer Tochter bestens meisterten. „Uns geht es wirklich gut, wir sind zufrieden“, sagt Herbert Eckart mit einem liebevollen Blick auf seine Frau.

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Herbert Eckart
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