Martina Wilde spricht im Haus der Wissenschaft über neues Forschungsprojekt „Wir kennen den Mond besser als die Tiefsee“

Altstadt. Hunderttausende von Kilometern ist der Mond von der Erde entfernt. Die tiefste Stelle des Meeres misst im westlichen Pazifik dagegen gerade einmal elf Kilometer. "Das Verrückte ist, dass uns der Mond tatsächlich näher ist. Wir kennen den Mond jetzt schon viel besser als die Tiefsee", betonte Martina Wilde, Leiterin der Helmholtz-Allianz "Robotic Exploration of Extreme Environments" (robotische Erkundung unter Extrembedingungen, kurz Robex), die Erfahrungen aus Monderkundung und Tiefseeforschung zusammenbringt. Wilde sprach bei der Veranstaltungsreihe "Wissen um elf" über ihr Projekt, dessen Ziele und Aussichten.
30.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Schulze

Altstadt. Hunderttausende von Kilometern ist der Mond von der Erde entfernt. Die tiefste Stelle des Meeres misst im westlichen Pazifik dagegen gerade einmal elf Kilometer. "Das Verrückte ist, dass uns der Mond tatsächlich näher ist. Wir kennen den Mond jetzt schon viel besser als die Tiefsee", betonte Martina Wilde, Leiterin der Helmholtz-Allianz "Robotic Exploration of Extreme Environments" (robotische Erkundung unter Extrembedingungen, kurz Robex), die Erfahrungen aus Monderkundung und Tiefseeforschung zusammenbringt. Wilde sprach bei der Veranstaltungsreihe "Wissen um elf" über ihr Projekt, dessen Ziele und Aussichten.

Ende vergangenen Jahres entstand das einzigartige Robex-Projekt. Der Erdtrabant werde immer von der Sonne angestrahlt und könne daher abgescannt und mit einer Auflösung von einem halben Meter kartiert werden. In der Tiefsee hingegen könnten die Forscher immer nur einzelne Seile oder Lander, das sind unbemannte Forschungsgeräte, runterlassen, um einen Teil zu beleuchten. "Wir stochern im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln", sagte Martina Wilde. Die Raumfahrt und die Tiefseeforschung suchen nun nach gemeinsamen Lösungen für ihre Ziele, um sowohl das Sonnensystem als auch die Tiefsee zu erforschen.

Über Robex sagte die Referentin: Zwei Welten begegnen sich – Raumfahrt- und Tiefseeforschung suchen nach gemeinsamen Lösungen", erklärte Martina Wilde. Die Physikerin arbeitet seit 1990 im Management von Raumfahrtprojekten beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Seit Mitte März leitet Wilde die Helmholtz-Allianz Robex als wissenschaftliche Koordinatorin beim Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven.

Während der Ozean bereits 1521 von Magellan mit einem 700 Meter langen Seil ausgelotet wurde, reisten die Menschen erst 1969 zum Mond. "Wir haben hier natürlich extreme Unterschiede in den Umgebungsbedingungen auf dem Mond und in der Tiefsee", erläuterte Martina Wilde. Während die Temperaturen auf dem Erdmond zwischen minus 160 Grad Celsius und plus 130 Grad schwanken, liegen sie in der Tiefsee zwischen minus eins und plus vier Grad. "Aber es gibt auch Stellen, da wo die Raucher sind, da kann es bis zu 400 Grad heiß werden", sagte die Referentin.

Die Tiefsee sei in 11000 Metern Tiefe einem 1100-mal höheren Druck ausgesetzt als an der Oberfläche. Während der Umgebungsdruck des Mondes ein Vakuum, also einen luftleeren Raum, darstellt. Bei sechs bemannten Missionen seien zwölf Menschen auf dem Mond zur Erkundung gewesen. An der mutmaßlich tiefsten Stelle des Ozeans, dem Marianengraben, seien hingegen erst drei Menschen gewesen, unter ihnen Regisseur James Cameron, dem 2012 diese Mission glückte.

Doch was genau haben diese zwei Welten, trotz ihrer enormen Distanz und extremer Gegensätze gemeinsam? "Beide müssen sich in extremen lebens- und technikfeindlichen Gebieten zurechtfinden. Man braucht extremen Schutz und extreme Tests sind erforderlich. Beide sind sehr schwer erreichbar, einmal mit Raketen und einmal muss man sehr tief tauchen", erklärte Wilde. Außerdem seien die Betriebskosten sehr hoch.

"Wir haben besondere Anforderungen an die Geräte, die sich diesen Systemen aussetzen müssen", sagte Wilde. Durch das Robex-Projekt sollen nun in der Laufzeit von fünf Jahren gemeinsame Lösungen und Technologien entwickelt werden, um diese Forschungsgebiete zu erkunden. Dabei stellen die Energieversorgung und Autonomie der Roboter und Lander eine enorme Herausforderung dar. Hinzu komme die Kommunikation zwischen den Datensammlern und den Forschern. "Wie kriege ich die Daten, die der Roboter sowohl auf dem Mond als auch in der Tiefsee aufnimmt? Wie bekomme ich die wieder zu mir?" Wilde: "Am Ende des Projektes Robex sollen beide davon profitieren und beide Lösungen finden, die sie bisher getrennt entwickelt haben, um diese beiden sehr unterschiedlichen Gebiete zu erforschen."

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